Mortalitätsrate diabetischer und nicht diabetischer Intensivstationspatienten – Analyse relevanter Risikofaktoren mit Hilfe eines Cox-Regressionsmodells

Hintergrund: Die globale Prävalenz des Diabetes mellitus Typ II beträgt derzeit 8,3 % und zeigt weiterhin eine steigende Tendenz, wobei schätzungsweise 25 % aller Erkrankungsfälle von Diabetes mellitus in den Vereinigten Staaten nicht diagnostiziert sind. Es handelt sich somit um eine sehr häufige E...

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Main Author: Bauer, Nikola Maria Christina
Contributors: Eberhart, Leopold (Prof. Dr. med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2015
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
Subjects:
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Description
Summary:Hintergrund: Die globale Prävalenz des Diabetes mellitus Typ II beträgt derzeit 8,3 % und zeigt weiterhin eine steigende Tendenz, wobei schätzungsweise 25 % aller Erkrankungsfälle von Diabetes mellitus in den Vereinigten Staaten nicht diagnostiziert sind. Es handelt sich somit um eine sehr häufige Erkrankung, die aufgrund ihrer multifaktoriellen Komplikationen bei hospitalisierten Patienten in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung in der Patientenversorgung darstellt. Durch die Bestimmung des HbA1c-Wertes kann eine Stress-Hyperglykämie von einer exazerbierten chronischen Hyperglykämie bei Diabetes mellitus unterschieden werden. Hyperglykämien sind bei Intensivstationspatienten assoziiert mit einer erhöhten Mortalitätsrate, wobei besonders Patienten mit Myokardinfarkt, Apoplex sowie Patienten nach großen invasiven Eingriffen in diesem Zusammenhang als besonders gefährdet gelten. Ziel & Methodik: Das Patientenkollektiv umfasste 1005 Intensivstationspatienten des McGill University Health Centers in Montreal im Zeitraum Juni 2011 bis Juni 2012. Ziel dieser observationalen Studie war es eine Assoziation zwischen erhöhten HbA1c-Werten bei der Aufnahme auf die Intensivstation und einer gesteigerten Mortalitätsrate zu untersuchen. Darüber hinaus wurde auch der mögliche Einfluss anderer Faktoren geprüft. Um dieser Zielsetzung gerecht zu werden, wurden drei Formen der Inferenzstatistik eingesetzt (Mittelwertvergleiche, Kaplan-Meier-Verfahren, Cox-Regressionsanalyse). Als sekundäre Endpunkte der Studie wurden die Prävalenzen eines vorbekannten sowie eines nicht diagnostizierten Diabetes mellitus im intensivpflichtigen Patientenkollektiv erhoben. Im Rahmen von Subgruppenanalysen wurden die Mortalitätsraten und mittleren Überlebenszeiten von kardiochirurgischen, allgemein-chirurgischen und internistischen Patienten sowie die von Patienten mit HbA1c-Werten von ≥6,5 % und ≤6,4 % miteinander verglichen. Außerdem wurde untersucht, ob bei diesen Patientengruppen unterschiedliche Variablen einen signifikanten Einfluss auf die Mortalitätsrate zeigten. Ergebnisse: Die Prävalenz eines Diabetes mellitus in dem Patientenkollektiv dieser Studie betrug 26 %. Insgesamt wiesen 6,3 % der intensivpflichtigen Studienteilnehmer einen nicht diagnostizierten Diabetes mellitus auf. Die Mittelwertvergleiche zeigten eine erhöhte Mortalitätsrate bei den diabetischen Patienten und auch das Kaplan-Meier-Verfahren ergab eine signifikant kürzere mittlere Überlebenszeit für diese Patientengruppe. Es konnte jedoch im Rahmen der Cox-Regressionsanalyse gezeigt werden, dass der Einfluss des HbA1c-Wertes auf die Mortalitätsrate unter Berücksichtigung der anderen Kovariaten nicht signifikant war. Dies galt sowohl für die Analyse des gesamten Patientenkollektivs als auch für alle Subgruppen. Folgende Variablen zeigten bei der Cox-Regressionsanalyse des gesamten Patientenkollektivs signifikanten Einfluss auf die Mortalitätsrate: Patientenalter, vorbestehendes sowie neuaufgetretenes akutes Nierenversagen, aktive Krebserkrankung, hohe minimale Glukosewerte, hypoglykämische Episoden sowie die Zugehörigkeit zu der Patientengruppe der kardiochirurgischen Patienten (wobei der letztgenannten Variable ein protektiver Einfluss zugesprochen wurde). Nur für das Patientenalter und ein vorbestehendes Nierenversagen konnte sowohl in der Analyse des gesamten Patientenkollektivs als auch in allen Subgruppenanalysen (internistische, diabetische und nicht-diabetische Patientengruppen) ein signifikanter Einfluss auf die Mortalitätsrate ermittelt werden. Schlussfolgerung: Sowohl das Auftreten hypoglykämischer Episoden als auch hohe minimalen Glukosewerte zeigten in der Cox-Regressionsanalyse einen deutlichen Effekt auf die Mortalitätsrate. Entgegen der aktuellen Studienlage konnte kein signifikanter Einfluss der glykämischen Variabilität auf die Mortalitätsrate ermittelt werden. Da es sich bei den Glukoseparametern um die einzigen relevanten veränderbaren Einflussfaktoren handelt, wäre es im Rahmen zukünftiger Studien wichtig eine lückenlose Aufzeichnung der Plasmaglukosespiegel durch kontinuierliche Messungen zu erzielen um verlässliche Aussagen bezüglich zusätzlicher signifikanter Einflussfaktoren (wie beispielsweise Steilheit der Anstiege der Blutzuckerspiegel, Größe der Amplituden, Frequenz der Schwankungen, Dauer der hyperglykämischen Episoden) treffen zu können. Auch könnte eine kontinuierliche Echtzeit-Plasmaglukosemessung der interstitiellen Glukosespiegel mit gleichzeitigem Einsatz von computergestützten Insulin-Dosierungsmöglichkeiten zu einer verbesserten glykämischen Kontrolle beitragen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0627