Tartrat-resistente saure Phophatase (TRAP) Isoform 5b: ein neuer Serummarker der Knochenresorption bei Hämodialyse-Patienten

Die chronische, dialysepflichtige Niereninsuffizienz ist in den westlichen Industrie-ländern mitbedingt durch die ansteigende Zahl von Diabetikern eine zahlenmäßig zunehmende Erkrankung. In Deutschland liegt die Inzidenz der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz bei 0,7/1000 Personen in der Bevölker...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Bandorski, Martina
Beteiligte: Wahl, H.G. (PD Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die chronische, dialysepflichtige Niereninsuffizienz ist in den westlichen Industrie-ländern mitbedingt durch die ansteigende Zahl von Diabetikern eine zahlenmäßig zunehmende Erkrankung. In Deutschland liegt die Inzidenz der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz bei 0,7/1000 Personen in der Bevölkerung und die Prävalenz bei 0,18/1000 Personen. Auch in den USA zeigt sich eine Zunahme der Patienten mit ter-minaler Niereninsuffizienz. Durch die steigende Anzahl der Patienten mit (dialyse-pflichtiger) Niereninsuffizienz steigt auch die Prävalenz der renalen Osteopathie, die bereits in frühen Stadien der Niereninsuffizienz bei einer Abnahme der glomerulären Filtratationsrate (GFR) auf 50 ml/min beginnt. Aufgrund der zunehmenden Häufigkeit werden metabolische Knochenerkrankungen im Jahre 2030 weltweit an 7. Stelle der chronischen Krankheiten stehen und werden daher von der WHO als „major health problem“ eingestuft. Zur Diagnostik der renalen Osteopathie stehen als diagnostische Verfahren die Anamnese, radiologische Untersuchungsverfahren und die invasive Diagnostik mittels Knochenbiopsie zur Verfügung. Allen genannten Untersuchungs-verfahren ist gemeinsam, dass sie nicht zur Erkennung von frühen Stadien der renalen Osteopathie geeignet sind. Die Lücke in diesem diagnostischen Dilemma schließen Laboruntersuchungen, die bei Beachtung von Einflüssen und richtiger Interpretation der Messwerte bereits vor auftreten morphologischer Veränderungen Pathologien des Knochenstoffwechsels anzeigen können. Ein stabiler und wenigen Einflüssen unter-legener Parameter in der Diagnostik der renalen Osteopathie ist die Tartratresistente saure Phophatase in ihrer Unterform 5b (im Folgenden als TRAP 5b bezeichnet). Diese Unterform wird von den Osteoklasten als aktives Enzym ins Blut abgegeben. In der vorliegenden Studie wurde bei initial 161 Patienten die Aktivität der TRAP 5b im Serum bestimmt. Der dabei verwendete Immunoassay (Firma Medac, Hamburg) detektiert ausschließlich Moleküle der aktiven TRAP 5b. Nicht erfasst werden die von aktivierten Makrophagen sezernierte inaktive Form des Enzyms und die Unterform 5a, welche bisher in Gaucherzellen der Milz nachgewiesen wurde. Damit ist die TRAP 5b ein spezifischer Marker für den Grad der Knochenresorption zum Zeitpunkt der Probenentnahme. Weiterhin wurden bei den Patienten die alkalische Phosphatase (AP) und das intakte Parathormon (iPTH) als Marker des Knochenstoffwechsels bestimmt. Zwischen den erhobenen Parametern und klinischen Daten, wie dem Alter der Patienten und der Dialysedauer wurden Korrelationen berechnet. Nach 6 Monaten erfolgte eine zweite Erhebung der Parameter, wobei aufgrund verschiedener Ursachen (Nierentransplantation, Tod, stationäre Behandlung, Wechsel des Dialysezentrums, verschiedene) 126 Patienten erneut untersucht werden konnten. Zwischen den initial erhobenen Parametern zeigten sich mit Werten von 0,406 (p<0,01) zwischen der AP und der TRAP 5b und 0,535 (p<0,01) zwischen iPTH und TRAP 5b gute hochsignifikante Korrelationen. Zwischen der Dialysedauer in Jahren bzw. dem Alter der Patienten und der TRAP 5b fand sich eine niedrigere Korrelation (0,264; p<0,01) bzw. ein gegenläufiger Zusammenhang mit einer hochsignifikanten Korrelation von –0,273 (p<0,01). Bei den 126 Patienten, die initial und nach 6 Monaten untersucht wurden, zeigten sich ähnliche Werte für die Korrelationen; Dialysedauer vs. TRAP 5b 0,298 (p<0,01) und Alter vs. TRAP 5b –0,254 (p<0,01). Nach 6 Monaten zeigten sich zwischen den erhobenen Parametern niedrigere Korrelationen als bei der ersten Untersuchung. Innerhalb der 6 Monate zwischen den beiden Untersuchungsterminen kam es zu einer signifikanten Abnahme (p<0,05) der TRAP 5b von 5,78 3,38 U/l auf 5,19 2,89 U/l. In der Gruppe der 126 Patienten zeigten sich zwei Untergruppen, in denen sich eine Ab- bzw. Zunahme der TRAP 5b um mehr als 50% des Ausgangswertes fand. Die Patienten der Gruppe mit Abnahme der Serumkonzentration der TRAP 5b haben mit 4,8 3,3 g/d vs. 0,6 1,0 g/d Al(OH)3 eine signifikant höhere Dosis an Phosphatbinder eingenommen, wobei sich bezüglich der eingenommenen Dosis an Calcitriol/Alphacalcitriol (0,16 0,54 g/Woche vs. 0,45 1,14 g/Woche) kein statistisch (p>0,05) signifikanter Unterschied findet. Beide Gruppen zeigen eine wenig ausgeprägte Änderung des iPTH-Spiegels in dieser Zeit. Weiterhin wurde in der Studie die Stabilität der TRAP 5b im Serum untersucht. Dabei zeigte sich, dass die TRAP 5b bei einer Lagerung bei –200C eine gute intraindividuelle Stabilität mit einer maximalen Abweichung von 5% hat und die Aktivität nicht durch die Länge des Dialyseintervalls beeinflusst wird Insgesamt konnte gezeigt werden, dass die Aktivität der TRAP 5b im Serum bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz im Vergleich zu Gesunden erhöht ist, wobei sich zwischen Frauen und Männern keine signifikanten Unterschiede fanden. Unter einer Therapie mit antiresorptiven Medikamenten scheint die TRAP 5b im Vergleich zu anderen Parametern des Knochenstoffwechsels früher bzw. empfindlicher zu reagieren. Die Bestimmung der TRAP 5b erlaubt ein nicht invasives Monitoring der renalen Osteopathie u.a. bei Dialysepatienten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0589