Sekundäre Tumore nach Harnableitung

In der vorliegenden Arbeit wurden die durchgeführten Harnableitungen in 44 großen deutschen Kliniken seit 1970 erfasst, sowie die in den jeweiligen Harnableitungen aufgetretenen Zweittumore. Anhand der erhobenen Zahlen kann man eine Aussage dazu treffen, wie viele der Patienten einen sekundären Har...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Hofmann, Ines Katharina
Beteiligte: Kälble, Tilman (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:In der vorliegenden Arbeit wurden die durchgeführten Harnableitungen in 44 großen deutschen Kliniken seit 1970 erfasst, sowie die in den jeweiligen Harnableitungen aufgetretenen Zweittumore. Anhand der erhobenen Zahlen kann man eine Aussage dazu treffen, wie viele der Patienten einen sekundären Harnableitungstumor entwickelt haben und die Prävalenz, d.h. das Risiko der Harnableitungsformen untereinander, abschätzen. Ureterosigmoideostomien ( 2,58% ) und Ileocystoplastiken ( 1,72% ) zeigen im Vergleich mit allen anderen erfassen Harnableitungen ein signifikant erhöhtes Risiko für einen Zweittumor. Der Unterschied im Tumorrisiko zwischen Uresterosigmoideostomien und Ileocystoplastiken ist nicht signifikant ( p=0,46 ). Des Weiteren konnten wir mit unseren Daten bestätigen, dass in den Ureterosigmoideostomien im Gegensatz zu den anderen Harnableitungen mit Darmanteil die sekundären Harnableitungstumore nahezu ausschließlich an der ureterointesinalen Anastomose entstehen. In den anderen Formen der Harnableitungen ist die Verteilung der sekundären Tumoren in der Harnableitung numerisch zwar häufiger an der Anastomose als im Darmanteil, dies ist jedoch statistisch nicht signifikant. Im angestellten Vergleich war das Tumorrisiko in den kontinenten Harnableitungen mit Ileumanteilen, d.h. den Neoblasen mit 0,048%, nicht signifikant höher als in den inkontinente Harnableitung mit Ileum ( 0,023% / p=0,09 ), was der bisherigen Literatur widerspricht. Es zeigte sich ein zum Teil signifikanter Unterschied im Vergleich der unterschiedlichen Harnableitungen mit isolierten Darmanteil: Die reinen Ileumharnableitungen weisen das niedrigste Risiko auf ( 0,031% ), vor den Ileoecoecalen Harnableitungen ( 0,25% ) und vor den reinen Colonharnableitungen ( 0,4% ), wenn man aus diesem Vergleich die Ileocystoplastiken herausnimmt. Letztere gehören wie die Ureterosimoideostomien zu den Harnableitungen mit dem höchsten Potenzial zur Entstehung eines Zweittumors. Signifikant unterschiedlich war der Vergleich der Entwicklung eines Zweittumors in kontinenten Harnableitungen mit reinem Dickdarmanteil gegenüber den kontinenten Harnableitungen mit reinem Dünndarmanteil ( p= 0,001 ), nicht jedoch im Vergleich Colon-Conduit mit Ileum-Conduit ( p= 0,27 ). Wie in der Literatur beschrieben, zeigt sich auch in dieser Evaluation ein signifikanter Unterschied im Vergleich zwischen kontinenten und inkontinenten Harnableitungen ( p= 0,009 ) in Bezug auf die Häufigkeit der Entstehung eines Zweittumors. Erstmalig wird ein statistisch signifikanter Unterschied im Vergleich des Risikoprofils der Ileumneoblasen mit den Ileocoecalen-Neoblasen herausgearbeitet ( p= 0,0045 ), dieser zeigte sich jedoch nicht im Vergleich der Ileumneoblasen mit den ileocoecalen Pouches ( p= 0,84 ). Hierbei bleibt zu bedenken, dass die geringere Zahl der erfassten Ileocoecalen-Neoblasen ( n=239 ) und orthotopen Colonersatzblasen ( n=70 ) im Vergleich zu den beiden anderen Harnableitungen ( Ileumneoblase ( n=4190 ) und ileocoecalem Pouch ( n=2181 ) ) eine mögliche Fehlerquelle sein könnte. Aus unserer Daten lässt sich die Notwendigkeit und Engmaschigkeit der Nachsorge der unterschiedlichen Harnableitungen ableiten. Wir empfehlen die jährliche lebenslange Kontrolle mittels Endoskopie ab dem 5. postoperativen Jahr nach Uresterosigmoideostomie ( Prokto-/Rektoskopie ) und Ileocystoplastik ( Cystoskopie ). Eine routinemäßige Kontrolle von Ileumneoblasen oder Ileum-Conduits ist aufgrund des geringen Risikos nicht notwendig. Bei ileocoecalen Pouchs oder ileocoecalen oder colonischen Neoblasen kann die jährliche Endoskopie ab dem 5. postoperativen Jahr in Erwägung gezogen werden, muss jedoch spätestens bei auftretenden Symptomen wie Harnstau, Infektionen oder Makrohämaturie erfolgen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0569