Evaluation der Leitlinien-Akzeptanz, Praktikabilität und Optimierung zum Thema Thoraxschmerz im Praxistest

Die Zielgruppe dieser Studie sind Patienten, die mit dem Beratungsanlass Thoraxschmerzen ihren Hausarzt konsultieren. Unter Thoraxschmerzen werden alle Schmerzarten (Brennen, Stechen usw.), die sich im Brustkorb ventral der hinteren Axillarlinie ereignen, zusammengefasst. Dabei wird zwischen kardi...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Rabanizada, Nagela
Beteiligte: Baum, Erika (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Allgemeinmedizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die Zielgruppe dieser Studie sind Patienten, die mit dem Beratungsanlass Thoraxschmerzen ihren Hausarzt konsultieren. Unter Thoraxschmerzen werden alle Schmerzarten (Brennen, Stechen usw.), die sich im Brustkorb ventral der hinteren Axillarlinie ereignen, zusammengefasst. Dabei wird zwischen kardialen und nichtkardialen Erkrankungen unterschieden. Die Leitlinie Thoraxschmerz wurde von den Mitarbeitern der Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin sowie praktisch und/oder akademisch tätigen Allgemeinmedizinern entwickelt. Das Entwicklungskonzept basiert auf dem 10-Stufen-Plan der DEGAM. Gegenstand der vorliegenden Dissertation ist die Akzeptanz, Praktikabilität und die Umsetzbarkeit der zu diesem Zeitpunkt erarbeiteten Leitlinienmodule in hausärztlichen Praxen. Weiterhin sollte noch untersucht werden, inwieweit die erhobenen Patientendaten bezüglich Diagnose und Behandlung mit den Leitlinienempfehlungen übereinstimmen. Diese Untersuchung soll Aufschluss über eine eventuelle Modifikation der Leitlinie und der zugehörigen Module geben. Es sollte auch ein Vergleich der Leitlinien-Kohorte mit der Nichtleitlinien-Kohorte hinsichtlich der Fragestellung: • die Diagnosesicherheit • die diagnostische Aussagekraft der Verdachtsdiagnose • die Vorgehensweise differenziert nach Risikokategorien durchgeführt werden. Die Studie fand vom 26:10:2009 bis 09:02:2010 in 57 hessischen Hausarztpraxen statt. In einem Zeitraum von 12 Wochen wurden 862 Patienten über 35 Jahre mit neu aufgetretenen Thoraxschmerzen zur Validierung des Marburger KHK-Scores in die Studie aufgenommen. Dabei war der Praxistest in eine diagnostische Querschnittsstudie zur Validierung des Marburger KHK-Scores eingebettet. Für die Leitlinienevalution wurden 17 Hausärzte rekrutiert, die aus logistischen Gründen die letzte Tranche der Gesamtstudie darstellten. Sie wurden zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und erhielten eine vorläufige Endversion der Leitlinie und die zugehörigen Module. Die Datenerhebung erfolgte anhand standardisierter Fragebögen zur Beurteilung der gesamten Leitlinie sowie der zugehörigen Module und zwei Fokusgruppendiskussionen. Das Ergebnis der Fokusgruppendiskussionen ist vielfältig und die Äußerungen der Hausärzte sehr heterogen. Hinsichtlich der Langversion differenzieren sich die Meinungen der Teilnehmer von vollständig, schnörkellos bis grauenhaft oder zu komplex. Die Kurzversion sowie der Marburger KHK-Score wurden dagegen sehr positiv hervorgehoben und ließen sich in den Praxisalltag gut integrieren. Einige Hausärzte sind der Meinung, dass durch medizinische Innovationen die Arbeit strukturierter und die Qualität medizinischer Versorgung verbessert werden kann. Andere sind von Leitlinien aufgrund der Individualität der Patienten nicht überzeugt. Die Anzahl der rekrutierten Patienten pro Praxis lag zwischen 2 und 60. Einige Hausärzte haben die Leitlinie nur bei Unsicherheiten verwendet, doch ein Großteil war der Meinung, dass durch die Leitlinienanwendung ihr Verhalten unverändert blieb. Andere schilderten, dass sie während der Studie aufmerksamer waren und ausführlichere Anamnesen durchführten als zuvor. Aus den erhobenen Daten lässt sich schließen, dass die Leitlinie Thoraxschmerz von den Hausärzten als Anregung verstanden und gut aufgenommen wurde. Doch ein Teil der Hausärzte haben aufgrund anderer Verdachtsdiagnosen und eigener Überzeugung nicht die Empfehlungen der Leitlinienautoren befolgt. Hinsichtlich der Diagnosesicherheit und der diagnostischen Aussagekraft sowie des Einsatzes der EKGUntersuchung fanden wir jedoch keinen relevanter Unterschied zwischen Hausärzten, die die Leitlinie vorab erhalten und erklärt bekommen hatten und solchen, die nicht auf diese Informationen und Module zurückgreifen konnten. Leitlinienimplementierung ist offensichtlich ein komplexer Prozess, der längerfristig unterstützt werden muss. Die Ergebnisse haben zu einer Überarbeitung der Leitlinienmodule geführt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2015.0510