Aetiopathogenesis and Phenomenology of Medically Unexplained Conditions

Functional somatic syndromes (FSS) are characterised by the presence of somatic symptoms and the absence of any demonstrable abnormalities of organ structure or function that would allow an attribution to a conventionally defined medical disease. There are numerous case definitions for different FSS...

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Main Author: Fischer, Susanne
Contributors: Nater, Urs (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:English
Published: Philipps-Universität Marburg 2015
Psychologie
Subjects:
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Table of Contents: Funktionelle somatische Syndrome (FSS) sind definiert durch das Vorhandensein somatischer Symptome bei gleichzeitiger Abwesenheit von strukturellen oder funktionellen Auffälligkeiten, die eine Erklärung der Symptome im Rahmen einer medizinischen Erkrankung nahelegen würden. Es existiert eine Vielzahl an Falldefinitionen für verschiedene FSS. Beispiele sind das das chronische Erschöpfungssyndrom, das Fibromyalgiesyndrom und das Reizdarmsyndrom. Diese Falldefinitionen haben derzeit jedoch nicht den Status nosologischer Entitäten. Der Grund dafür liegt in der unklaren Konzeptualisierung von FSS. Dies kann am besten anhand der so genannten „one-versus-many-Debatte“ illustriert werden: Die Extrempositionen in dieser Debatte sind diejenige der „lumpers“, die ein Verständnis von FSS als ein einziges, generelles Syndrom befürworten, und diejenige der „splitters“, die für eine Aufteilung in verschiedene, distinkte FSS plädieren. Ziel der vorliegenden Dissertation war es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von FSS zu identifizieren, indem ätiopathogenetische und phänomenologische Merkmale bei einer Reihe von Syndromen untersucht wurden. Bezüglich der Ätiopathogenese war insbesondere der Faktor Stress von Interesse. Basierend auf der Literatur wurde ein Rahmenmodell postuliert, das die Rolle von psychobiologischem Stress in der Entstehung und Aufrechterhaltung von FSS illustriert. Spezifische Bestandteile dieses Rahmenmodells sollten empirisch überprüft und integriert werden. Bezüglich der Phänomenologie von FSS sollte eine Vielzahl von Syndromen gleichzeitig erfasst werden, um deren Überlappung untereinander, die Rolle von Depressivität und Ängstlichkeit und die latente Struktur somatischer Symptome zu betrachten. Zur Untersuchung beider Teilfragestellungen wurden verschiedene Patientenstichproben rekrutiert und es kamen unterschiedliche Forschungsdesigns (experimentell, ambulantes Assessment, Befragungen) zum Einsatz. Die Resultate der Studien I bis III zeigen Stress als prädisponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktor bei verschiedenen FSS und weisen auf wichtige Mechanismen hin, die an der Übersetzung von Stress in somatische Symptome beteiligt sind. Trotz dieser Gemeinsamkeit wurden in den Studien IV und V geringe Überlappungsraten zwischen FSS gefunden, sofern medizinische Ausschlussdiagnosen berücksichtigt wurden. Diese scheinbare Diskrepanz spiegelt sich in den Befunden von Studie VI wider, in der ein genereller und vier symptomspezifische Faktoren die latente Struktur von somatischen Symptomen beschrieben. Gemäß der Befunde der vorliegenden Dissertation scheinen FSS „one and many“ zu sein. Es ist denkbar, dass ein hohes Ausmaß an Stress während der Kindheit oder im Erwachsenenalter und nachfolgende Veränderungen in stress-responsiven Systemen sowie der kognitive Stil der somatosensorischen Verstärkung Endophänotypen darstellen, die sämtlichen medizinisch unerklärten Beschwerden zugrunde liegen. Falls dies zuträfe, wären die identifizierten symptomspezifischen Faktoren als phänomenologische Varianten dieses Prozesses zu verstehen. Künftige Klassifikationen sollten den gemeinsamen und spezifischen Faktoren Rechnung tragen, um eine adäquate Behandlung und erfolgreiche weitere Erforschung von medizinisch unerklärten Störungsbildern zu gewährleisten.