Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen im internationalen Vergleich

Kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Zervix- und Mamma-Karzinome sind weltweit für einen großen Teil der Krankheitslast verantwortlich, können aber durch periodische Früherkennungsuntersuchungen eingedämmt werden. Viele Länder haben Maßnahmen implementiert, wie z.B. die Gesundheitsuntersuchung (check...

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Main Author: Steinkohl, Catarina
Contributors: Donner-Banzhoff, Norbert (Prof. Dr. med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2014
Allgemeinmedizin
Subjects:
-
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Zervix- und Mamma-Karzinome sind weltweit für einen großen Teil der Krankheitslast verantwortlich, können aber durch periodische Früherkennungsuntersuchungen eingedämmt werden. Viele Länder haben Maßnahmen implementiert, wie z.B. die Gesundheitsuntersuchung (check up 35) in Deutschland. Die vorliegende Arbeit untersucht, wie verschiedene Gesundheits-systeme Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen implementieren, strukturieren und organisieren. Die Gesundheitssysteme von Deutschland, Norwegen, Spanien, England, Kanada, der Schweiz und den USA wurden diesbezüglich verglichen. Die Daten wurden mittels Internetrecherche erhoben und anschließend mit Inhalten aus Schlüsselinformanteninterviews mit praktizierenden Hausärzten trianguliert. Die Angebote zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind heterogen aufgebaut. Die Strukturen reichen von Leitlinien-Empfehlungen (Castilla y León, Schweiz, Norwegen) über Anreizzahlungen für Ärzte (British Columbia) zu opportunistischen und bevölkerungsbasierten Programmen (Deutschland bzw. England und Group Health, USA). Die amerikanische Health Maintenance Organization Group Health bietet ein etabliertes, evidenzbasiertes Angebot an, wohingegen die deutsche Gesundheitsuntersuchung aus einer Zeit stammt, in der die Frage nach Evidenz noch nicht gestellt wurde und daher vergleichsweise veraltet wirkt. Im Gegensatz zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen sind die Früherkennungsuntersuchungen zu Gebärmutterhals-krebs verhältnismäßig gleichartig aufgebaut und werden in allen untersuchten Ländern als relevant erachtet. Der Pap-Test ist hierbei der am weitesten verbreitete Screeningtest. Die Untersuchungsintervalle betragen in fast allen Ländern zwei bis drei Jahre. Deutschland ist das einzige Land, das jährliche Intervalle anbietet. In fast allen Ländern wird die Untersuchung durch die Hausärzte und z.T. auch von anderen Gesundheitsberufen (practice nurses, Hebammen) durchgeführt. Opportunistisch ist das Screening in Deutschland, Spanien und in der Schweiz. Die übrigen Länder haben in den letzten Jahrzehnten die Umstellung zu organisierten Screening-Angeboten vollzogen. Die Gestaltung der Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhals- und Brustkrebs wird im Wesentlichen von denselben Institutionen übernommen. Bei der Brustkrebsfrüherkennung existieren vergleichsweise einheitliche Strukturen. Die Mehrheit der untersuchten Länder bietet eine meist zweijährige Mammographie-Untersuchung in spezialisierten Einrichtungen an. England bietet die Untersuchung alle drei Jahre an. Meist werden 50 bis 70 Jahre alte Frauen untersucht, wobei die Spannweite von 40 bis 79 Jahre reicht (British Columbia). Die Frauen werden schriftlich zum Screening eingeladen. Klare Beziehungen zwischen Gesundheitssystemmerkmalen und der Gestalt von Früherkennungsuntersuchungen konnten nicht festgestellt werden. Als mögliche Einflussfaktoren wurden soziokulturelle und politische Aspekte diskutiert. Trotz bestehender Unterschiede in der Ausgestaltung von periodischen Früherkennungsuntersuchungen scheinen Aktualisierungs-prozesse, Strukturen zur Qualitätssicherung und fortlaufende Programmevaluation in allen untersuchten Ländern für einen verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheit und Ressourcen unentbehrlich.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0586