Die Erwartungen an den Tempel in Jesaja 56-66 und Maleachi

1. Die Dissertation geht von Beobachtungen darüber aus, wie die Verfasser von Tritojesaja (56-66) und Maleachi in der persischen Zeit über den zweiten Tempel, das Kultpersonal und den Kult denken. Da in den nachexilischen Prophetentexten Tritojesajas und Maleachis keine Datierungen nach Königsjahren...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Kim, Jongeun
Beteiligte: Kessler, Rainer (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2013
Evangelische Theologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:1. Die Dissertation geht von Beobachtungen darüber aus, wie die Verfasser von Tritojesaja (56-66) und Maleachi in der persischen Zeit über den zweiten Tempel, das Kultpersonal und den Kult denken. Da in den nachexilischen Prophetentexten Tritojesajas und Maleachis keine Datierungen nach Königsjahren, keine Eigennamen von Priestern und keine von Mitgliedern aus der Gola vorkommen, lassen sich diese Texte zwar nicht direkt für eine Rekonstruktion bestimmter Konstellationen am Tempel verwenden. Dennoch können sie Erwartungen an den Tempel formulieren. Einerseits tun sie das direkt und positiv, andererseits aber auch indirekt durch ihre Kritik an der Priesterschaft und dem Kult. Man kann also durchaus Schlussfolgerungen ziehen, mit welcher Absicht die Verfasser von Tritojesaja und Maleachi ihre Texte formulieren und was ihr Wunsch in Bezug auf den Tempel und die Kultpersonen ist. 2. In Jes 56,7 wird der Jerusalemer Tempel „Gebetshaus“ genannt. Es ist auffallend, dass bei den Formen »והביאותים«, »ושמחתים« in Jes 56,7 – und ebenso bei »והביאו« in Jes 66,20f. – durch den Gebrauch des Perfektums consecutivum das Futur zum Ausdruck gebracht wird. Aus dem grammatischen Gebrauch kann man die Absicht des Verfassers von Tritojesaja und seinen Wunsch ersehen. Zwar ist jetzt das Gebetshaus der Ort des Gebets für das Leben des persischen Königs und seiner Söhne (Esr 6,9-10), aber in einer unbestimmten Zukunft wird es ein Haus des Gebets für (das Leben) alle(r) Völker genannt werden. Zwar übernimmt die öffentliche religiöse Rolle im Tempel jetzt das Kultpersonal – vor allem die Priester –, die in einem engen Kontakt mit der persischen Oberschicht stehen, aber zu einem zukünftigen Zeitpunkt werden die Fremden bzw. die Völker, die in keinem Kontakt mit der persischen Oberschicht stehen (Jes 56,3.6), sondern sich an JHWH anschließen, entweder als » נתינים(Netînîm)« (Esr 2 par. Neh 7) oder als Priester (so nach Jes 66,21) als Kultpersonen dienen. Dies gilt als der Wunsch des Verfassers. Wenn das eintritt, dann wird man JHWH mit diesem Tempel eine Freude machen, eben genau an diesem Ort wird JHWH Wohlgefallen wegen ihrer Opfergaben auf seinem Altar finden (Jes 56,7aβ). 3. Auf der einen Seite sind die Meinungen der Verfasser von Tritojesaja und Maleachi über den Status der aktuellen Priester unterschiedlich. Für Tritojesaja sind sie vollkommen verworfen, während Maleachi die Möglichkeit ihrer zukünftigen Reinigung sieht. Zwar kritisiert der Verfasser von Maleachi zu Beginn (Mal 1,6-2,9) die amtierenden Priester. Dennoch nimmt er im Blick auf einen zukünftigen Zeitpunkt auf überraschende Weise eine positive Erwartungshaltung ihnen gegenüber ein: Er rechnet mit der Reinigung der Söhne Levis (Mal 3,3). Auf der anderen Seite kann man auch übereinstimmende Auffassungen bei Tritojesaja und Maleachi feststellen, was die positiven Erwartungen an die Zukunft angeht. So erwarteten sie – so Tritojesaja – eine Änderung der Funktion des Tempels, und zwar dahingehend, dass sich das Gebet für das Leben der Königsfamilie in ein Gebet für alle Völker ändert. Und sie erwarten auch – so Maleachi –, dass sich das Verhalten der amtierenden Priester ändert. 4. Die Verfasser von Tritojesaja und Maleachi wünschen sich, dass der Tempel trotz seiner Verunreinigung durch die Feinde (Jes 63,18b) und trotz der Verachtung durch die Priester (Mal 1,7.12) in Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnte, zum Beispiel als ein Platz für das Gebet aller Völker (vgl. Jes 56,7), ein Platz für die Herrlichkeit JHWHs (vgl. Jes 60,7b), ein Platz für das Gericht (vgl. Mal 3,1) und ein Platz als persönliches Eigentum, nämlich als Eigentum nur für JHWH.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2014.0052