Klinische Erfolgsrate von endodontischen Revisionsbehandlungen im studentischen Behandlungskurs - eine retrospektive Studie -

Das Ziel der vorliegenden Studie war die retrospektive Auswertung von endodontischen Revisionsbehandlungen, welche in den Jahren 2004 bis 2007 durch studentische Behandler in der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Philipps-Universität Marburg durchgeführt worden sind. Als Erfolg wurden diejenigen...

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Main Author: Heekeren, Daniel
Contributors: Frankenberger, Roland (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Das Ziel der vorliegenden Studie war die retrospektive Auswertung von endodontischen Revisionsbehandlungen, welche in den Jahren 2004 bis 2007 durch studentische Behandler in der Abteilung für Zahnerhaltungskunde der Philipps-Universität Marburg durchgeführt worden sind. Als Erfolg wurden diejenigen Zähne gewertet, bei denen zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung weder Beschwerden noch röntgenologisch manifeste Aufhellungen (PAI ≤ 2) vorhanden waren. Die Auswertung der postoperativen Kontrollaufnahmen erfolgte durch zwei unabhängige und im Vorfeld kalibrierte Untersucher (κ=0,812-0,975). Das Gesamtkollektiv umfasste insgesamt 133 endodontisch revisionsbehandelte Zähne (219 Wurzeln und 267 Kanäle) von 120 Patienten. Das Alter des Patientenkollektivs variierte dabei zwischen 16 und 83 Jahren. Es wurden geringfügig mehr Männer (53,4%) als Frauen (46,6%) behandelt. Die Verteilung der revisionsbehandelten Zähne auf beide Kiefer war nahezu paritätisch. Frontzähne unterlagen mit 24,8% sehr viel seltener einer endodontischen Revisionsbehandlung als Seitenzähne (75,2%). Bezogen auf die Anzahl der ausgewerteten Zähne lag die erzielte Recallrate in der vorliegenden Studie bei 77,2% (n=95). 28 behandelte Zähne (46 Wurzeln und 55 Kanäle) konnten aus diversen Gründen nicht ausgewertet werden. In 10 Fällen lag keine Nachuntersuchung vor, da diese Zähne zwischenzeitlich extrahiert worden waren. Die ermittelte Gesamterfolgsrate lag bei 75,2%. Unter Ausschluss der bereits bekannten Extraktionsfälle (n=10) konnte eine Erfolgsquote von insgesamt 83,2% verzeichnet werden. Bei 14 Patienten konnte eine Persistenz der präoperativ vorhandenen periapikalen Läsion beobachtet werden, die in 3 Fällen jedoch ein so fortgeschrittenes Heilungsstadium aufwiesen (PAI-Score <, vollständige klinische Symptomfreiheit), dass hier ein relativer Erfolg („funktionell“) vorlag. Damit ergab sich eine relative Erfolgsrate von 86,4%. Es zeigte sich, dass besonders häufig bei den zweiten Prämolaren ein Misserfolg zu beobachten war. Insgesamt betrachtet machten die Seitenzähne (n=19) sehr viel öfter einen Misserfolg aus als die Frontzähne (n=4). Der Geschlechtervergleich zeigte, dass bei weiblichen Patienten eher ein Erfolg zu verzeichnen war als bei männlichen Patienten. Weder dem Alter (p=0,129) noch dem Geschlecht (p=0,217) konnten statistisch signifikante Einflüsse auf den Erfolg oder Misserfolg der vorgenommenen endodontischen Therapie zugesprochen werden. Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung konnte in 54,7% (n=52) der Fälle eine indirekte Restauration vorgefunden werden. Die Art der Restauration hatte keine statistische Signifikanz auf das Endresultat der Behandlung (p=0,068). Ebenfalls zeigte sich keine statistische Signifikanz hinsichtlich des röntgenologischen koronalen Status (RCS-Score), welcher die Qualität der vorhandenen Restauration - soweit röntgenologisch beurteilbar - wiedergibt. Der röntgenologische koronale Status (RCS-Score) unterschied sich allerdings im Vorher-Nachher-Vergleich signifikant (p=0,017). Hinsichtlich der Länge der Wurzelkanalfüllung (LRF-Score; Unter- oder Überstopfung des Kanalsystems) konnte ein statistisch signifikanter Einfluss (p=0,012) auf das Behandlungsergebnis festgestellt werden. Ein Blick auf die absoluten Zahlen zeigte, dass im Vergleich zur röntgenologischen Ausgangssituation der prozentuelle Anteil an zu kurzen Wurzelkanalfüllungen von ursprünglich 60,9% (n=81) auf 18,9% (n=18) signifikant gesenkt werden konnte (p<0,001). In 71,6% (n=68) der ausgewerteten Fälle endete die Wurzelkanalfüllung wie gefordert 0-2 mm vor dem röntgenologischen Apex. Der prozentuelle Anteil an homogen gefüllten Wurzelkanälen (Grad 1) betrug zum Zeitpunkt des Recalls 82,1% (n=78) und machte im Vergleich zur röntgenologischen Ausgangssituation (24,8%, n=33) einen deutlich höheren Wert aus. Die Homogenität bzw. Kompaktion der Wurzelkanalfüllung (HRF-Score) wirkte sich ebenfalls signifikant auf das Behandlungsergebnis aus (p=0,001). Auch hatte die Qualität der Wurzelkanalfüllung (RF-Score) einen statistisch signifikanten Einfluss auf den Erfolg bzw. Misserfolg der endodontischen Revisionsbehandlung (p=0,019). Der Anteil an Zähnen, welche zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung einen RF-Score Grad 5 (mangelhafte Qualität) aufwiesen, betrug lediglich 3,2% (n=3) und war somit im Verhältnis zur röntgenologischen Ausgangssituation mit 69 (51,9%) RF-Score Grad 5 Zähnen verschwindend gering. 88 (83,8%) der 105 ausgewerteten Zähne wiesen im Ausgangsbefund eine periapikale Läsion auf. Während die Misserfolgsrate bei präoperativ vorhandener periapikaler Aufhellung in dieser Studie 26,1% betrug, lag diese bei Abwesenheit einer periapikalen Läsion lediglich bei 17,6%. Ein signifikanter Einfluss auf das Resultat des Behandlungsergebnisses konnte diesem Parameter nicht zugesprochen werden (p=0,458).
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0865