Biofeedback-gestützte kognitive Verhaltenstherapie bei craniomandibulären Dysfunktionen. Eine randomisiert-kontrollierte Therapiestudie zur Wirksamkeit unter Berücksichtigung psychophysiologischer Faktoren

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) sind durch Schmerzen und Funktionseinschränkungen von Kiefermuskulatur und -gelenken charakterisiert. Sie sind mit einer Prävalenz von 5 bis 10% ein recht häufiges Phänomen. Bei der Ätiologie werden strukturelle (Okklusion), psychologische (Somatisierung, Depre...

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Main Author: Shedden Mora, Meike Christiane
Contributors: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) sind durch Schmerzen und Funktionseinschränkungen von Kiefermuskulatur und -gelenken charakterisiert. Sie sind mit einer Prävalenz von 5 bis 10% ein recht häufiges Phänomen. Bei der Ätiologie werden strukturelle (Okklusion), psychologische (Somatisierung, Depression) und neurophysiologische (muskuläre Hyperaktivität) Faktoren diskutiert, wobei bislang kein gesichertes Störungsmodell existiert. Obwohl sich psychologische Behandlungsansätze, insbesondere Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie, als wirksam erwiesen haben, kommen in der Praxis hauptsächlich zahnmedizinische Behandlungen zum Einsatz. Es liegen jedoch kaum Vergleichsstudien zur Effektivität der beiden Behandlungsansätze vor. Die vorliegende Dissertation verfolgte zwei Ziele. Erstens wurde ein acht Sitzungen umfassendes Biofeedback-gestütztes kognitiv-behaviorales Behandlungskonzept für chronische CMD entwickelt (Studie I) und im Vergleich zur zahnmedizinischen Aufbissschienen-Behandlung im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Therapiestudie an 58 Patienten evaluiert (Studie II). Die Ergebnisse belegen eine vergleichbare Effektivität beider Ansätze im Hinblick auf die Reduktion von Schmerzen und Beeinträchtigung. Die psychologische Behandlung erwies sich hinsichtlich der Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus, der Schmerzbewältigung und der Akzeptanz als leicht überlegen. Entgegen psychophysiologischer Annahmen waren die Verbesserungen von einer Veränderung der nächtlichen Kiefermuskelaktivität unabhängig. Zweitens wurden Unterschiede in Psychopathologie und nächtlicher Kiefermuskelaktivität an Patienten mit CMD, Personen mit schmerzfreiem Bruxismus sowie gesunden Personen untersucht (Studie III). Die Ergebnisse sprechen für ein deutlich erhöhtes Maß an Psychopathologie bei Patienten mit CMD. Es zeigten sich bei den CMD-Patienten zudem positive Zusammenhänge zwischen nächtlicher Kiefermuskelaktivität, somatoformen Symptomen und CMD-Symptomen, was auf die Bedeutung des psychophysiologischen Erregungsniveaus in der Ätiologie von CMD hinweist. Insgesamt belegt die vorliegende Arbeit die gute Wirksamkeit und Akzeptanz Biofeedback-gestützter kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zur zahnmedizinischen Behandlung und liefert so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten. Die Befunde tragen darüber hinaus zum besseren Verständnis psychophysiologischer Zusammenhänge bei, wobei die Bedeutung der nächtlichen Kieferaktivität in der Ätiologie und Behandlung von CMD kritisch reflektiert werden muss.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0776