Frühkontinenz nach radikaler Prostatektomie unter Berücksichtigung des Zeitpunktes der postoperativen Entfernung des transurethralen Dauerkatheters

In der vorliegenden Arbeit wurde an 139 konsekutiven Patienten, die im Jahr 2008 radikal prostatektomiert wurden, prospektiv untersucht, ob sich die verzögerte Katheterentfernung bei Anastomoseninsuffizienz nachteilig auf die Frühkontinenz auswirkt. Das mittlere Alter betrug in beiden Gruppen 65 Jah...

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Main Author: Simonis, Kathrin
Contributors: Olbert, Peter (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2012
Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der vorliegenden Arbeit wurde an 139 konsekutiven Patienten, die im Jahr 2008 radikal prostatektomiert wurden, prospektiv untersucht, ob sich die verzögerte Katheterentfernung bei Anastomoseninsuffizienz nachteilig auf die Frühkontinenz auswirkt. Das mittlere Alter betrug in beiden Gruppen 65 Jahre. Routinemäßig wird in unserer Klinik am 5. postoperativen Tag ein Zystogramm durchgeführt. Bei Dichtigkeit der Anastomose wird der Dauerkatheter bis zum einschließlich 7. postoperativen Tag entfernt (Gruppe I); dies war bei n=96 (69,1 %) Patienten der Fall. Die mittlere DK-Liegedauer betrug 6,0 Tage (5-7). Bei n=43 (30,9 %) Patienten lag der Dauerkatheter wegen Anastomoseninsuffizienz einschließlich 8 Tage oder länger (Gruppe II); die mittlere DK-Liegedauer betrug 15,2 Tage (8-41). Der Kontinenzstatus wurde mittels Pad-Test vor Entlassung und nach drei Monaten, der Dokumentation des Vorlagenverbrauchs/24 Stunden vor Entlassung und der Erhebung eines standardisierten validierten Fragebogens (ICIQ-SF, International Consultation of Incontinence Questionnaire-Short Form 4) präoperativ, postoperativ und nach drei Monaten erhoben. Die Menge des Harnverlusts im Pad-Test wurde nach den Kriterien der International Continence Society (ICS) objektiviert und in vier Kategorien eingeteilt (kontinent: Urinverlust < 2 g). Außerdem wurde untersucht, inwieweit Alter, BMI und die nervschonende Operationsweise einen Einfluss auf die Frühkontinenz haben. Die Ergebnisse des ICIQ-SF wurden graphisch durch Histogramme sowie durch die Berechnung des Medians dargestellt. Für die normalverteilten metrischen Variablen wendeten wir den T-Test für unverbundene Stichproben an. Für die Häufigkeitsvergleiche der nominalen Variablen wurde der Chi-Quadrat Test angewandt. Zur Auswertung des Pad-Tests und des Vorlagenverbrauchs/24 h verwendeten wir den Mann-Whitney¬ U-Test als nicht-parametrischen Test für zwei unverbundene Stichproben. Es wurde die statistische einseitige und zweiseitige Überschreitungswahrscheinlichkeit berechnet. Zur Berechnung der Korrelation zwischen Urinverlust im Pad-Test und Alter sowie BMI wurde die Korrelationsanalyse nach Pearson herangezogen. Um die zentralen Tendenzen hinsichtlich des Urinverlusts im Pad-Test und der nervschonenden Operationsweise der Teilgruppen zu vergleichen und den Unterschied auf Signifikanz zu prüfen, wurde der U-Test verwendet. Das Signifikanzniveau wurde bei p < 0,05 festgelegt. In der deskriptiven Auswertung des ICIQ-SF zeigte sich in Gruppe I vor Entlassung zunächst ein schlechteres subjektives Kontinenzempfinden als in der Gruppe II. Nach 3 Monaten zeigte sich ein vergleichbares Ergebnis: 91,2 % (Gruppe I) vs. 93,3 % (Gruppe II) gaben an, keinen Harnverlust zu haben bzw. lediglich eine kleine Menge Harn zu verlieren. Statistisch signifikante Unterschiede liegen jeweils nicht vor. Im Pad-Test vor Entlassung waren 68,1 % aus Gruppe I kontinent/leicht inkontinent vs. 60,6 % aus Gruppe II. Nach drei Monaten waren in beiden Gruppen 71 % der Patienten völlig kontinent. Statistisch lag zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied vor. 93,1 % (Gruppe I) vs. 90,4 % (Gruppe II) waren kontinent oder leicht inkontinent (Urinverlust < 9 g). Der mittlere Vorlagenverbrauch/24 h vor Entlassung war vergleichbar 3,2 (Gruppe I) vs. 3,3 (Gruppe II). Die Patienten mit zeitgerechter Katheterentfernung hatten einen signifikant niedrigeren BMI als diejenigen Patienten mit Anastomoseninsuffizienz. In der Korrelationsanalyse zeigte sich allerdings kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Am vorliegenden Patientenkollektiv konnte somit gezeigt werden, dass sich die verzögerte Katheterentfernung bei Anastomoseninsuffizienz vor Entlassung noch scheinbar negativ auf die Frühkontinenz auswirkt, nach 3 Monaten allerdings ein vergleichbares Ergebnis vorliegt (ICIQ-SF, Pad-Test). Statistisch lag zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied vor. Mit einer Kontinenzrate von 71 % in beiden Gruppen ist nach 3 Monaten ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2012.0343