Wertigkeit von CEA und CA 19-9 in verschiedenen Stadien des Harnblasenkarzinoms:serologische und immunhistochemische Ergebnisse

Das Karzinom der Harnblase ist neben dem Prostatakarzinom der häufigste urologische Tumor und zählt weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankun-gen überhaupt. Bis zum heutigen Zeitpunkt existieren für das Harnblasenkarzinom keine zuverlässigen und routinemäßig eingesetzten Tumormarker, weder im R...

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Main Author: Mecklenburg, Verena
Contributors: Hegele, A. (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2011
Medizin
Subjects:
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Description
Summary:Das Karzinom der Harnblase ist neben dem Prostatakarzinom der häufigste urologische Tumor und zählt weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankun-gen überhaupt. Bis zum heutigen Zeitpunkt existieren für das Harnblasenkarzinom keine zuverlässigen und routinemäßig eingesetzten Tumormarker, weder im Rahmen der Primärdiagnostik, noch im Rahmen der Nachsorge. Da die Inzidenz dieser Krankheit immer mehr zunimmt, ist die Entdeckung eines verlässlichen Markers allerdings von großem klinischem Nutzen. Aber auch ökonomisch gesehen kann die frühe Entdeckung eines Tumormarkers zur Detektion des Blasen-krebses ein außerordentlicher Gewinn sein, da sich Patienten mit Blasenkrebs einer lebenslangen Kontrollzystoskopie unterziehen müssen. Die Blut-untersuchung auf einen möglichen Tumormarker wäre kostengünstiger und weniger invasiv für den Patienten. In der Literatur findet man einzelne Fallberichte, die eine Erhöhung der Tumor-marker CEA und CA 19-9 bei einem Karzinom der Blase beschreiben, jedoch fehlen bis dato empirische prospektive Untersuchungen, die diese Ergebnisse bestätigen können. CEA und CA 19-9 haben sich in der Diagnostik gastrointestinaler Tumoren bereits im klinischen Alltag etabliert und werden hier auch mit Erfolg eingesetzt. Ziel dieser prospektiven Untersuchung war es zu überprüfen, ob die Tumor-marker CEA und CA 19-9 ebenfalls für das Harnblasenkarzinom eine Wertigkeit besitzen. Dazu haben wir prospektiv die Serumkonzentrationen der Tumor-marker mit dem histologischen Ergebnis korreliert. Um unsere Untersuchungen zu untermauern, wurde ebenfalls eine immunhistochemische Gewebe-untersuchung durchgeführt. Das prospektiv untersuchte Patientenkollektiv bestand insgesamt aus 217 Personen, die mit dem Verdacht auf einen malignen Befund der Harnblase in der urologischen Klinik vorstellig wurden. Alle Patienten erhielten im Rahmen der Diagnostik eine TUR-B, nachdem präoperativ die Serumkonzentration von CEA und CA 19-9 bestimmt worden ist. Die bei der TUR-B gewonnenen Gewebeproben wurden histologisch sowie immunhistochemisch untersucht. Die Ergebnisse wurden dann mit dem Tumor-stadium korreliert. Patienten mit einem histologisch benignen Befund dienten als Kontrollgruppe. Unsere Untersuchungen ergaben, dass weder CEA noch CA 19-9 im Serum bei Patienten mit einem TCC der Harnblase signifikant erhöht waren. Der Vergleich zwischen oberflächlichen und muskelinvasiven Tumoren ergab hingegen einen signifikanten Befund: Patienten mit einem muskelinvasiven Wachstum wiesen höhere Serumwerte von CEA und CA 19-9 auf als Patienten mit oberflächli-chem Tumorwachstum. Ebenfalls war zu beobachten, dass die CEA und CA 19-9 Serumspiegel signifikant stiegen bei zunehmendem Differenzierungsgrad des Tumors. Immunhistochemisch konnten diese Ergebnisse bestätigt werden. Patienten mit hohem Tumorstadium (≥ T2) wiesen in der Mehrzahl der Fälle eine stärkere Gewebefärbung auf als Patienten mit oberflächlichem Tumorwachstum oder einem benignen Befund. Es zeigte sich bei CA 19-9 eine Korrelation zwischen Serumspiegeln und Ausprägung der immunhistochemischen Färbung am Tumor. Aufgrund unserer prospektiven Daten zeigt sich, dass die Bestimmung von CEA und CA 19-9 als Tumormarker in der Primärdiagnostik eines TCC nicht sinnvoll ist. Sollten bei einem Patienten allerdings erhöhte CEA und CA 19-9 Werte vorhanden, aber ein gastrointestinales Malignom ausgeschlossen worden sein, so ist differentialdiagnostisch das Vorliegen eines Harnblasenkarzinoms auszu-schließen. Wenn auf diese Weise ein maligner Befund der Harnblase entdeckt werden kann, korreliert die Höhe der Serumwerte mit dem T- und G-Stadium. Weitere Untersuchungen mit einer höheren Patientenzahl sind notwendig, um nähere Aussagen bezüglich Rezidivwahrscheinlichkeit, Progressions-wahrscheinlichkeit oder Ansprechen einer Therapie bei Metastasen treffen zu können.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2011.0814