Vergleich subjektiver Gesundheit mit Geschlecht und Rauchstatus in einer Stichprobe von Medizinstudenten

Die Beurteilung der eigenen Gesundheit wird in der Literatur mit Mortalität und langfristigem Krankheitsoutcome in Assoziation gebracht. Oft ist ein Geschlechtereffekt festgestellt worden, der aber nur inkonsistent und zumeist erst im höheren Alter aufgetreten ist. Mittels eines Fragebogens wurden...

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Main Author: Stöckl, Martin Gallus
Contributors: Müller, Ulrich (Prof. Dr. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2011
Medizinische Soziologie und Sozialmedizin
Subjects:
Sex
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die Beurteilung der eigenen Gesundheit wird in der Literatur mit Mortalität und langfristigem Krankheitsoutcome in Assoziation gebracht. Oft ist ein Geschlechtereffekt festgestellt worden, der aber nur inkonsistent und zumeist erst im höheren Alter aufgetreten ist. Mittels eines Fragebogens wurden Daten von Marburger Medizinstudenten in Hinblick auf soziodemographische Eigenschaften wie subjektive Gesundheit, subjektive Fitness, Rauchverhalten und Versicherungsstatus, insbesondere mit Blick auf die Bildung der Eltern, gesammelt. Aus den Faktoren Bildung Eltern und die Art der Krankenversicherung wurde ein SES Index erstellt. Um verlässlichere Aussagen über die Fitness zu erhalten, wurde ein Fitnesstest mit 20 Kniebeugen durchgeführt. Die deutschen Studenten wurden separat untersucht. Die Ausländer stellten eine heterogene Gruppe dar, und wurde als Vergleichsgruppe hergenommen. Ein Geschlechtereffekt bei der subjektiven Gesundheit konnte nicht festgestellt werden. Von den meisten Studenten wurde die Gesundheit als sehr gut und gut bewertet. Nach einem Vergleich mit einer gleichaltrigen Bevölkerungsgruppe im ALLBUS (Allgemeine Bevölkerungsumfrage) trat zum Vorschein, dass sich die Medizinstudenten schlechter beurteilen. Die Studentinnen der ausländischen Gruppe gaben schlechtere Werte an als die Männer. Bei der Untersuchung des Rauchverhaltens trat zu Tage, dass Raucher ihre Gesundheit schlechter einschätzen als Nichtraucher. Dies erscheint bei Männern und Frauen bei den Antworten sehr gut und gut. Allerdings ist der Unterschied bei der Beurteilung zwischen subjektiver Gesundheit und Rauchstatus bei den Männern bei der besten Kategorie nicht so stark ausgeprägt wie bei den Frauen. In der Vergleichsgruppe der ausländischen Studenten konnten zum Rauchverhalten nur begrenzt Aussagen gemacht werden, da nur sehr wenige weibliche Studenten rauchen. Bei den Nichtrauchern fällt auf, dass sich auch hier die Frauen schlechter bewerten. Für zukünftige Untersuchungen sollten vielleicht noch Fragen gestellt werden, wann und ob Studenten mit dem Rauchen aufgehört haben, beziehungsweise es gegebenenfalls vorhaben. Ferner sollte die Studenten jährlich diesen Fragebogen ausfüllen, um Tendenzen im Rauchverhalten erkennen und analysieren zu können. Ein großer statistischer Zusammenhang von subjektiver Gesundheitseinschätzung und subjektiver Fitnesseinschätzung konnte durch objektive Fitness, die durch einen Fitnesstest festgestellt worden ist, nachgewiesen werden. Männer gaben eine bessere subjektive Fitness als die Frauen an. Für die Messung wurden die Studenten aufgefordert vor den 20 Kniebeugen den Ruhepuls zu messen, im Anschluss den Belastungspuls und eine Minute später den Entlastungspuls festzustellen. Mit Hilfe der 3 Werten konnte nach Reduktion der Daten mit Hilfe einer Faktorenanalyse ein Fitnessindex erstellt werden. Folgende Formel wurde entwickelt: 0.729 • (Pruhe) + 0.617 • (Pbelast) + 0.814 • (Pentlast) = Fitnessindex (Pruhe = Ruhepuls; Pbelast = Belastungspuls; Pentlast = Entlastungspuls eine Minute nach Belastung) Ein niedriger Fitnessindex weist auf eine gute Fitness hin, ein hoher auf eine schlechte Fitness. Der beste Wert lag bei 110,8 und der schlechteste bei 300 (Mittelwert 184). Mit Hilfe des erstellten SES Index wurde untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen erstelltem SES Index und Rauchstatus der Eltern, Rauchstatus der Studenten und Anzahl der gerauchten Zigaretten bestand. Es erfolgte eine Analyse getrennt nach Geschlechtern. Die ausländische Population stellte wie schon bei den vorherigen Untersuchungen eine Vergleichsgruppe dar. Es gab signifikante Zusammenhänge zwischen SES Index und dem Rauchstatus der Eltern. Sowohl bei Männern als auch bei den Frauen korrelierte eine geringe Anzahl an Zigaretten mit einem hohen SES Index. Bei der ausländischen Kontrollgruppe gab es keine signifikanten Ergebnisse. Diskussion: Bei Betrachtung der subjektiven Gesundheit traten bei den Medizinstudenten in Marburg (Raucher und Nichtraucher) keine Geschlechtsunterschiede auf, im Gegensatz zu vielfach beschriebenen Untersuchungen in der Literatur. Gründe dafür sind entweder das Alter oder eine zu niedrige Antwortbereitschaft der Männer bei Krankheit. Frauen sind trotz bestehender Krankheit bereit Angaben zu machen, so dass sie deshalb eine schlechtere subjektive Gesundheit aufweisen. Frauen wird oft unterstellt, dass sie sich vermehrt für gesundheitliche Themen interessieren, doch diesem Argument kann in dieser Untersuchung keine Bedeutung zugemessen werden. Vom Medizinstudenten wird erwartet, dass er sich, egal welchen Geschlechts, für Gesundheitsthemen interessiert. Zwischen subjektiver und objektiver Fitness gibt es einen starken Zusammenhang und eine hohe Korrelation von beiden mit der subjektiven Gesundheit. Letztendlich zeigte sich anhand der hier durchgeführten Untersuchungen, dass sich Rauchen negativ auf subjektive Gesundheit, subjektive Fitness und objektive Fitness bei beiden Geschlechtern auswirkt.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2011.0236