Lampert von Hersfeld und Eberhard von Fulda

Die hochmittelalterlichen Benediktinermönche Lam-pert von Hersfeld (vor 1028 - 1081/82) und Eberhard von Fulda (vor 1135 - nach 1165/68) erlebten in ihren benachbarten Reichsabteien im heutigen Osthessen in unterschiedlichen Phasen die einschneidenden Um-brüche des römisch-deutschen Reiches von der...

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Main Author: Alles, Stefan
Contributors: Volk, Otto (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
Mittelalterliche Geschichte
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die hochmittelalterlichen Benediktinermönche Lam-pert von Hersfeld (vor 1028 - 1081/82) und Eberhard von Fulda (vor 1135 - nach 1165/68) erlebten in ihren benachbarten Reichsabteien im heutigen Osthessen in unterschiedlichen Phasen die einschneidenden Um-brüche des römisch-deutschen Reiches von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts, die langle-bige Veränderungen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft mit sich brachten. Damals schufen die zwei gelehrten Mönche bedeutende Werke, mit denen sie als Repräsentanten ihrer Abteien wie als Vertreter persönlicher Interessen auf die beobachteten Wand-lungen reagierten. Zunächst verfasste Lampert von Hersfeld die hagiographische „Vita Lulli“ (um 1070/73), ein verlorenes „Hexameter-Gedicht“ (1073), den klostergeschichtlichen „Libellus de institutione Herveldensis ecclesiae“ (1074/76) und die allgemein-historischen „Annales“ (1077-1078/79), während Eberhard von Fulda später den „Codex Eberhardi“ (um 1160) als großes Kompendium von Urkunden und anderen Dokumenten seines Klosters zusammenstell-te. Ausgehend von diesen beiden kritischen Repräsen-tanten ihrer geliebten Heimatabteien bietet unsere Darstellung aus landesgeschichtlicher Perspektive eine vergleichende Einordnung ihres Umfeldes, ihres Wer-kes und ihrer Bedeutung vor dem Hintergrund der Parallelen und Eigenwege in der Entwicklung der zwei ambivalenten Nachbarklöster Hersfeld und Fulda von etwa 1040 bis 1160. Denn sowohl der Geschichtsschreiber als auch der Urkundenkompilator eröffnen trotz ihrer unterschied-lichen Schaffensfelder und Zeitstellung zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten als monastische Bekämpfer des krisenhaften Wandels im Hochmittelalter. Zudem nehmen beide in der relativ beachtlichen, jedoch prob-lematischen Quellenüberlieferung ihrer hochrangigen Heimatabteien im Früh- und Hochmittelalter eine Schlüsselrolle ein – und liefern sogar jeweils auch noch bedeutende Informationen über ihr Nachbarklos-ter. In diesem Zusammenhang müssen die bereits von der hilfswissenschaftlichen und historischen For-schung gewonnenen Erkenntnisse zur allgemeinen Aussagekraft von Lampert und Eberhard für die Reichsgeschichte und Urkundenlehre auch im Detail für die Landesgeschichte angewandt und differenziert werden, zumal in den Kernregionen Hessen und Thü-ringen. Eine besondere Dimension erlangen Lampert und Eberhard aber nicht so sehr durch die Präsentation geschichtlicher Ereignisse und Dokumente, sondern durch die verdeckte oder gar offene Einstreuung von Selbstzeugnissen, die einen Einblick in ihre bisherige Biographie, ihre praktische Arbeitsweise und ihre persönliche Gesinnung gewähren. Außerdem zeigen beide exemplarisch das Spannungsfeld eines mönchi-schen Schriftstellers zwischen einem klösterlichen Abtsauftrag und einer individuellen Eigeninitiative, wodurch sie erst richtig als historische Persönlichkei-ten fassbar werden. Schlussendlich demonstrieren Lampert und Eberhard allgemein, dass man trotz Verzerrung von Ereignissen, Verfälschung von Vorlagen oder Erfindung von Sach-verhalten mittelalterlichen Mönchen, die mit der Feder in ihrer Hand bewaffnet sind, ein subjektives Wahr-heitsempfinden zusprechen kann, das durch ein Wir-ken zur Ehre Gottes, zum Wohl des Heimatklosters und zur Förderung des Geburtsstandes geprägt ist.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2011.0119