Kontrastunterstützte Sonographie (KUS) in der Diagnostik peripherer Lungenrundherde: Eine retrospektive Studie an n = 72 Patienten.

In der vorliegenden, retrospektiven Untersuchung wurde der Stellenwert der kontrastunterstützten Sonographie (KUS) in der Diagnostik peripherer Lungenrundherde untersucht. Die beiden Studienziele dieser Arbeit beinhalteten zum einen die Charakterisierung peripherer Rundherde unterschiedlicher Ätiolo...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Cattaneo, Frank
Beteiligte: Görg, Christian (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Innere Medizin
Schlagworte:
CES
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:In der vorliegenden, retrospektiven Untersuchung wurde der Stellenwert der kontrastunterstützten Sonographie (KUS) in der Diagnostik peripherer Lungenrundherde untersucht. Die beiden Studienziele dieser Arbeit beinhalteten zum einen die Charakterisierung peripherer Rundherde unterschiedlicher Ätiologien und Dignitäten mit der KUS und zum anderen die Möglichkeit einer Dignitätsbeurteilung dieser Lungenrundherde mithilfe der Parameter der KUS. Hierfür wurden in einer fortlaufenden Untersuchung im Zeitraum von Dezember 2003 bis März 2007 die Daten von n = 72 konsekutiven Studienpatienten retrospektiv ausgewertet, bei denen in der B-Bild-Sonographie ein peripherer Lungenrundherd entdeckt worden war. Unter den 72 Rundherden befanden sich 32 benigne Läsionen (13 pneumonische Rundherde, 6 infarzierte Rundherde, 7 sonstige benigne Rundherde, 6 unklare benigne Rundherde) und 40 maligne Raumforderungen (23 metastatische Rundherde, 12 Bronchialkarzinomrundherde, 5 Lymphomrundherde), deren KUS-Daten deskriptiv und vergleichend ausgewertet wurden. Folgende Parameter der KUS wurden ausgewertet: 1. die Anflutungszeit (TE) des Kontrastmediums in den Rundherden, 2. das Ausmaß der Kontrastanreicherung (EE) der Läsionen in der arteriellen und parenchymatösen Kontrastmittelphase im Vergleich zum Kontrastverhalten der Milz der Patienten als „in-vivo-Referenz“, wobei zwischen reduzierter (echofrei, echoarm) und ausgeprägter (echogleich, echoreich) Kontrastanreicherung differenziert wurde, und 3. die Kontrastmittel-Homogenität (HE), die als homogen oder inhomogen bewertet wurde. Weiterhin wurde die Vaskularisation der Rundherde bestimmt und als pulmonal-arteriell (PA), bronchial-arteriell (BA) oder avaskulär dokumentiert. Die Untersuchungen wurden in der Abteilung für Ultraschalldiagnostik des Klinikums der Philipps-Universität Marburg mit einer geeigneten Ultraschallplattform (Acuson Sequoia ® 512 GI, Siemens Medical Solutions USA, Ultrasound Division) durchgeführt, die über eine kontrastmittelspezifische Software verfügte. Es wurde mit niedrigem Mechanischem Index (MI) gearbeitet, und das Kontrastmittelverhalten der Rundherde wurde über einen Zeitraum von 5 Minuten von einem Untersucher bewertet, der über langjährige Erfahrung im Bereich der Ultraschalldiagnostik und kontrastunterstützten Sonographie verfügt. Als Kontrastmedium kam ein lungengängiges Ultraschallkontrastmittel der 2. Generation (SonoVue ®, Bracco SpA, Mailand, Italien) zum Einsatz. Es konnte gezeigt werden, dass die KUS bei peripheren Lungenrundherden durchführbar ist, und dass Rundherde bestimmter Pathologien in der KUS eine charakteristische Darstellung hinsichtlich der Anflutungszeiten (TE), ihrer Gefäßversorgung und des Ausmaßes ihrer Kontrastanreicherung aufweisen können. Die KUS ist hilfreich in der Diagnostik pneumonischer, infarzierter und maligner peripherer Rundherde (Metastasenherde, Bronchialkarzinomherde), da diese Läsionen durch charakteristische Erscheinungsmuster in der KUS gekennzeichnet sind. Pneumonische Rundherde zeigten eine vorwiegend kurze Anflutungszeit (Mittelwert TE: 5,0s), ausgeprägte Kontrastanreicherung (77%), homogene Kontrastmittelverteilung (77%) und in 100% eine pulmonal-arterielle (PA) Vaskularisation. Infarzierte Rundherde waren in 83% der Fälle avaskulär und zeigten zu 100% eine reduzierte Kontrastanreicherung. Maligne periphere Rundherde wiesen eine überwiegend verzögerte Anflutungszeit (Mittelwert TE: 11,1s), reduzierte Kontrastaufnahme (75%), homogene Kontrastmittelverteilung (67%) und in 72% eine bronchial-arterielle (BA) Vaskularisation auf. Für den Parameter HE konnte keine Signifikanz in den Subgruppen festgestellt werden. Die Ergebnisse bestätigen, dass die KUS einerseits zwischen perfundiertem und avaskulärem Lungengewebe differenzieren kann, und dass eine Unterscheidung von pulmonal-arterieller (PA) und bronchial-arterieller (BA) Gefäßversorgung peripherer Rundherde möglich ist. Eine Bedeutung der KUS für die Dignitätsbeurteilung peripherer Lungenrundherde konnte nicht nachgewiesen werden, da sich benigne und maligne Läsionen hinsichtlich der Kriterien der KUS (TE, EE, HE) nicht nominal signifikant voneinander unterschieden. Es fanden sich signifikante Unterschiede zwischen pulmonal-arteriell (PA) und bronchial-arteriell (BA) versorgten Rundherden: Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied der Dignitäten in den Gefäßkategorien (p = 0,005), da Rundherde mit „PA“ Gefäßversorgung in 60,7% benigne waren und eine überwiegend ausgeprägte Kontrastanreicherung aufwiesen, während Rundherde mit „BA“ Perfusion in 76,3% maligne waren und eine prädominant reduzierte Kontrastanreicherung zeigten. Es konnte bestätigt werden, dass anhand des Kontrastmittelverhaltens eine Differenzierung zwischen einer frühen, pulmonal-arteriellen (PA) und einer verzögerten, bronchial-arteriellen (BA) Gefäßversorgung pulmonaler Rundherde möglich ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind ermutigend und beleuchten das Potenzial dieser Modalität im Bereich der Thorax- und Lungendiagnostik.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0715