Eine prospektive, kontrollierte Studie zur Wirksamkeit einer komplementären Adipositastherapie

Aktuelle Studien zeichnen ein alarmierendes Bild in Bezug auf Übergewicht und Adipositas der deutschen Bevölkerung. Neben den individuellen Belastungen für jeden Einzelnen sind auch die ökonomischen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem als Ganzes signifikant. Adipositas hat sich in den letzten Ja...

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Main Author: Louis, Janina Kristin
Contributors: Tebbe, J.J. (PD Dr. med.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Aktuelle Studien zeichnen ein alarmierendes Bild in Bezug auf Übergewicht und Adipositas der deutschen Bevölkerung. Neben den individuellen Belastungen für jeden Einzelnen sind auch die ökonomischen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem als Ganzes signifikant. Adipositas hat sich in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Krankheit entwickelt, für die es gilt, effektive Therapieformen zu finden. Medikamente der evidenzbasierten Adipositastherapie, deren Wirkmechanismen in Studien aufgezeigt werden konnte (Dunican, Desilets et al. 2007), stehen dem stetig wachsenden Markt der komplementären Adipositastherapie gegenüber. Letztgenannter wird ständig von neuen, viel versprechenden Medikamenten und Diäten überflutet. Oftmals vermisst man bei diesen Therapieformen jedoch einen nachweisbaren Effekt und ist gleichzeitig erstaunt, welche Kosten für solche Präparate der komplementären Medizin von jedem Einzelnen aufgebracht werden. Ziel dieser Studie ist es, den Wirkmechanismus einer komplementären Adipositastherapie zu untersuchen. Hierzu wurden mit CM3® und Matricur® zwei Sättigungskomprimate einmal auf Kollagenbasis und einmal auf Alginatbasis ausgewählt. Sie stehen beispielhaft für eine Produktgruppe, welche laut den Herstellerangaben, durch eine Volumenexpansion im Magen eine Sättigung hervorrufen sollen. Die genannten Produkte wurden hinsichtlich ihrer Effekte auf die Magenmotilität, die endogene neuropeptiderge Regulation sowie das subjektive Sättigungsgefühl im Rahmen einer kontrollierten, prospektiven Probandenstudie untersucht. Zwanzig gesunde Probanden wurden an drei Tagen in randomisierter Reihenfolge über eine Zeitspanne von sieben Stunden untersucht. Die Probanden (F/M=1; 20-30 Jahre) erhielten nach 10-stündiger Nahrungskarenz eine standardisierte Testmahlzeit. An drei Versuchstagen erhielten die Probanden am Kontrolltag kein Komprimat und an den beiden darauf folgenden einmal das Sättigungskomprimat der Marke Matricur® und einmal das CM3-Alginat®. Ein möglicher Effekt auf die Magenmotilität wurde über die Bestimmung der individuellen Magenentleerungszeit untersucht. Die Daten der Magenentleerungskinetik wurden mittels des 13C-Oktanonsäure-Atemtest erhoben. Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass es nach Aufnahme der untersuchten Sättigungskomprimate zu einer signifikanten Verlängerung der Magenentleerungszeit kommt. Gleichzeitig zeigte sich ein kurzfristig hemmender Einfluss auf das subjektive Hungergefühl. Die Hypothese einer Beteiligung der endogenen, neuropeptidergen Regulation an diesen Effekten, wurde durch die Konzentrationsbestimmung der Plasmapeptide CART und Ghrelin überprüft. Die Bestimmung von CART und Ghrelin erfolgte über einen kommerziellen Radioimmunoassay. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Komprimate den Ghrelin-Spiegel XII nach Einnahme der Testmahlzeit, signifikant senken, während für einen Einfluss der Präparate auf die CART-Plasmakonzentration keine Belege gefunden werden konnten. Die Dokumentation des subjektiven Sättigungsgefühls erfolgte anhand einer visuellen Analogskala (VAS). Durch die Einnahme von Matricur® und CM3-Alginat® konnte eine signifikante Verlängerung des subjektiven Sättigungsempfindens festgestellt werden. Hinweise für die vom Hersteller beworbene Vorsättigung und die Steigerung des Sättigungsgefühls konnten allerdings nicht gefunden werden. Ziel der Studie war es den aktiven Wirkmechanismus einer komplementären Adipositastherapie zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass es nach Aufnahme der Sättigungskomprimate zu einer länger anhaltenden Sättigung kommt. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Aussagen der Hersteller. Darüber hinaus geben die Ergebnisse, über eine signifikante Reduktion der Ghrelinwerte, einen ersten Hinweis darauf, dass die untersuchten Sättigungskomprimate einen Einfluss auf die endogene neuropeptiderge Regulation haben. Dies widerspricht den Herstellerangaben, die für die Präparate einen Wirkmechanismus rein über Volumeneffekte postulieren. Es gibt momentan so gut wie keine Studien, die Wirkmechanismen von Sättigungskomprimaten untersucht haben. Die hier vorgestellten Ergebnisse decken sich jedoch mit aktuellen Untersuchungen, die aufzeigen, dass eine Reduktion von Ghrelinplasmawerten zu einer Verminderung des Appetits führen und gleichzeitig mit verlängerten Magenentleerungszeiten korrelieren. Ob diese Produkte, aufgrund der nachgewiesenen Effekte, in der Adipositastherapie eingesetzt werden können, bleibt weiterhin fraglich und sollte in weitere Studien getestet werden. Hierbei wäre es sinnvoll das Studiendesign auf ein Langzeitmodell zu überführen und die Sättigungskomprimate auch an Adipösen zu untersuchen. Durch die Entwicklung eines kontrolliert effektiven Adipositas-Managements könnte es langfristig zur Entlastung der Gesundheits- und Sozialsysteme in Deutschland kommen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0304