Behandlung von infraalveolären, interproximalen Defekten bei Patienten mit generalisierter fortgeschrittener chronischer Parodontitis. Vergleich zwischen dem „Modified Widman flap“ und einer Lappenoperation mit Applikation von Wachstumsfaktoren

Das Ziel der vorliegenden Studie war es zwei unterschiedliche Therapiekonzepte bezüglich regenerativer Maßnahmen von infraalveolären Knochendefekten zu vergleichen. Auf der Testseite kam ein osteoinduktives Kollagenlyophilisat mit Wachstumsfaktoren (COLLOSS®, Fa. OSSACUR, Oberstenfeld, Germany) zur...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Seydenschwanz, Julia
Beteiligte: Flores-de-Jacoby, Lavin (Prof. em. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2010
Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Das Ziel der vorliegenden Studie war es zwei unterschiedliche Therapiekonzepte bezüglich regenerativer Maßnahmen von infraalveolären Knochendefekten zu vergleichen. Auf der Testseite kam ein osteoinduktives Kollagenlyophilisat mit Wachstumsfaktoren (COLLOSS®, Fa. OSSACUR, Oberstenfeld, Germany) zur Anwendung. Auf der Kontrollseite wurde eine konventionelle Methode zur Behandlung von parodontal erkranktem Gewebe im Sinne einer von RAMFJORD & NISSLE 1974 durch Modifikation verfeinerte und als sog. „Modified Widman flap“ bezeichnete Lappentechnik angewendet. An der Studie nahmen insgesamt 14 Patienten im Alter zwischen 25 und 60 Jahren teil. Obligat war das Vorliegen einer generalisierten chronischen Parodontitis per Definition nach dem Workshop in Oak Hill/ USA bei allen Studienteilnehmern. Eine weitere Voraussetzung war das Erreichen einer guten Mundhygiene und einer hohen Motivation der Patienten mit einem Approximalraum-Plaque-Index (API) nach Lange ET AL. (1977) von weniger als 20%. Die Patienten durften keine funktionellen Dysfunktionen im stomatognathen System aufweisen. Alle an der Studie teilnehmenden Patienten unterzogen sich einer parodontalen Vorbehandlung in einem Zeitraum von 2 bis 3 Monaten. Weiterhin wurde präoperativ eine radiologische Diagnostik in Form eines digitalen Volumentomogramms der zu operierenden Zähne angefertigt. In den Untersuchungen wurden lediglich Zähne mit präoperativ erhöhten Sondierungstiefen von mehr als 7 mm sowie dem Vorhandensein von ein- bis dreiwandigen Knochendefekten in die Studie einbezogen. In der Studie wurden insgesamt 78 Zähne mit 112 Defektflächen behandelt. Die röntgenologische Auswertung bezog sich auf 31 Knochendefekte an insgesamt 20 Zähnen in 12 verschiedenen Kieferabschnitten. Die Zuteilung der Behandlungsmethode erfolgte vor der Operation durch Münzwurf. Die während der Vorbehandlung sowie 6, 9 und 12 Monate nach der chirurgischen Intervention erhobenen klinischen Parameter beinhalteten das Erheben des Plaque- Index (PI), des Gingival- Index (GI), der Sondierungstiefe (ST), des Bluten nach Sondierung (BNS), der gingivalen Rezession (GR), des Attachmenlevels (AL) sowie des Furkationsbefalls (FB). Die radiologische Diagnostik fand ebenfalls in der Vorbehandlungsphase sowie 12 Monate nach der Behandlung statt. In den Volumentomogrammen wurden alle behandelten Knochendefekte vermessen und prä- sowie postoperativ miteinander verglichen. Die statistische Analyse beschränkte sich auf die Ermittlung der Mittelwerte und Standardabweichungen und der Anwendung nichtparametrischer Testverfahren. Als Signifikanztest wurde der U- Test nach Mann- Whitney durchgeführt. Dieser Test beweist signifikante Unterschiede zwischen 2 unabhängigen Variablen. Die Angabe des Signifikanzniveaus erfolgt in Form der statistisch ermittelten Irrtumswahrscheinlichkeit p. Nach 12 Monaten konnte in der Wachstumsfaktorengruppe eine Verringerung der ST von 3,40 ± 1,95 mm (p = 0,09 ns) und ein Gewinn an AL von 6,36 ± 2,09 mm (p = 0,626 ns) sowie eine Zunahme der GR von 2,99 ± 1,29 mm (p = 0,001 hs) beobachtet werden. Die Veränderung der ST nach 6 Monaten war als sehr signifikant und nach 9 Monaten als signifikant einzuordnen. Die Veränderungen des AL waren zu den Zeitpunkten 6 und 9 Monate nach der Operation als nicht signifikant zu bewerten, während die erhobenen Werte der GR nach 6 und 9 Monaten eine höchste statistische Signifikanz ergaben. In der „Widman flap“ Gruppe ergab sich eine Reduktion der ST auf 3,26 ± 1,65 mm (p ≤ 0,001) sowie ein Gewinn des AL auf Werte von 6,09 ± 2,19 mm (p = 0,968 ns) und eine Erhöhung der GR auf 2,75 ± 1,20 mm (p ≤ 0,001). Die Veränderungen der ST in dieser Gruppe erwiesen sich nach 6 Monaten als signifikant sowie nach 9 Monaten als höchst signifikant. Die AL Veränderungen nach 6 und 9 Monaten erwiesen sich als nicht signifikant zum Ausgangsbefund. Die Veränderung der GR nach 6 und 9 Monaten waren als höchst signifikant einzuordnen. Radiologisch konnte in der Wachstumsfaktorengruppe eine Defektverkleinerung von 30,55 ± 17,90 mm³ auf 20,82 ± 13,59 mm³ beobachtet werden. Die Veränderungen erwiesen sich als nicht signifikant (p = 0,106). In der „Widman flap“ Gruppe konnte eine Defektverkleinerung von 34,38 ± 13,05 mm³ auf 19,16 ± 10,55 mm³ gemessen werden. Diese Veränderung war mit p ≤ 0,001 als höchst signifikant einzuordnen. Im statistischen Vergleich konnte zwischen beiden Gruppen für die klinischen und radiologischen Ergebnisse kein signifikanter Unterschied ermittelt werden. Zusammenfassend waren die beiden angewandten Verfahren in der Behandlung der infraalveolären und interproximaler Defekte als gleich zu bewerten. Das Ausmaß des Behandlungserfolges war signifikant abhängig von einer guten Mundhygiene und einem entzündungsfreien Parodontalzustand in der Nachbehandlungsphase.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0302