Nachweis von Prostatakarzinomen nach transurethraler Prostataresektion bzw. Prostataadenomektomie und vorausgegangener extendierter Stanzbiopsie

Das Prostatakarzinom findet sich häufig koexistent mit einer Blasenentleerungsstörung auf dem Boden einer benignen Prostatahyperplasie. Insbesonder bei Männern mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren würde die Detektion eines Prostatakarzinoms die Entscheidung zu einer Operation bei obstr...

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Main Author: Berdjis, Navid
Contributors: Knobloch, Rolf von (Prof. Dr. med. ) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
Operative Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Das Prostatakarzinom findet sich häufig koexistent mit einer Blasenentleerungsstörung auf dem Boden einer benignen Prostatahyperplasie. Insbesonder bei Männern mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren würde die Detektion eines Prostatakarzinoms die Entscheidung zu einer Operation bei obstruktiver Blasenentleerungsstörung entscheidend beeinflussen. Daher sollten Männer mit irritativen Miktionsbeschwerden und einem erhöhtem PSA-Wert oder einem auffälligem Tastbefund der Prostata eine Prostatastanzbiopsie zum Ausschluss eines Karzinoms erhalten. In der vorliegenden Untersuchung wurde die Inzidenz und die klinische Relevanz von Prostatakarzinomen, die nach einer TUR-P bzw. einer Prostataadenomektomie wegen benignem Prostatasyndrom (BPS) und vorausgegangener negativer 10-fach Prostatabiopsie detektiert worden sind evaluiert. Patienten ohne vorausgegangene Prostatabiopsie erhielten routinemässig eine 10-fach Biopsie der Prostata aus der peripheren Zone des Organes. Patienten mit wiederholter Biopsie erhielten zusätzlich Gewebeentnahmen aus der Transitionalzone. Es wurden verschiedene klinische Parameter für das Risiko der Detektion eines Prostatakarzinoms nach operativer Sanierung eines benignen Prostatasyndroms und vorausgegangener negativer Stanzbiopsie evaluiert. Diese beeinhalteten das Patientenalter, Prostatavolumen, Serum-PSA und PSA-Dichte. Die statistische Auswertung der Arbeit erfolgte mittels des Softwareprogramms SPSS Version 11.0. Zwischen 2005 und 2007 wurde bei 113 Patienten im Alter zwischen 49 und 88 Jahren wegen eines benignen Prostatasyndroms eine TUR-P bzw. eine suprapubische Prostataadenomektomie durchgeführt. Diese Patienten hatten in einem Zeitraum von weniger als 6 Monaten vor Ihrer Operation in unserer Klinik eine extendierte Prostatabiopsie wegen einer Erhöhung des PSA-Wertes bzw. suspektem Tastbefund mit letztlich histologisch benignem Befund erhalten. Der mediane und mittlere PSA lag bei 11.3 und 11.9 ng/ml. Ein suspekter Tastbefund fand sich in 11 Fällen. In unserer Arbeit erhielten 28 (24.7 %) Patienten mindestens zwei vorausgegangene Stanzbiopsien der Prostata. Das Prostatavolumen betrug im transrektalen Ultraschall zwischen 17 und 200 g mit einem medianen Volumen von 121 g. Insgesamt wurde bei 10 (8.8%) Patienten ein Prostatakarzinom entdeckt. Es handelte sich hierbei ausschließlich um low-grade Prostatakarzinome mit einem Gleason Score von 6 und tiefer sowie um Tumore mit einem Tumoranteil von weniger als 5% des Operationspräparates. Die mittlere Zahl der präoperativ durchgeführten negativen Biopsien lag bei 1.3 (1-4). Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Karzinoms korrelierte nicht mit der Zahl der vorausgegangenen Stanzen oder mit dem digital-rektalem Tastbefund (P>0.05, Chi-Quadrat-Test). Hingegen bestand eine signifikante Korrelation zwischen dem Alter und dem Vorhandensein eines Prostatakarzinoms (P=0.024, Regressionsanalyse). Ferner bestand keine Assoziation zwischen PSA, PSA-Dichte und Prostatvolumen zur Detektion eines Karzinoms (Regressionsanalyse). Die in anderen Studien zu beobachtende höhere Prostatakarzinomdetektionsrate nach transurethraler Prostataresektion bzw. Prostatadenomektomie und vorausgegangener negativer Stanzbiopsie beruhen am ehesten darauf, dass in diesen Studien in erster Linie eine Sextantenbiopsie erfolgt war. Dies verdeutlicht auch die Überlegenheit der extendierten Prostatabiopsie mit Entnahme von mindestens 10 Stanzen gegenüber der herkömmlichen Sextantenbiopsie im Hinblick auf die Tumordetektionsrate. Unsere Daten zeigen, dass trotz negativer Prostatabiopsie im Rahmen einer TUR-P bzw. Prostataadenomektomie in immerhin 8.8% der Fälle ein Prostatakarzinom gefunden werden kann, wobei diese dann meist ein kleines Tumorvolumen und ein günstiges Gleason-Grading aufweisen, so dass diese letztlich von fraglicher klinischer Relevanz sind.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0243