Internalisierende Störungen bei Kindern und Jugendlichen: Studien zur Wirksamkeit von kognitiv-verhaltenstherapeutischer Gruppenprävention, Strategien zur Rekrutierung und Diagnostik

Ängstliche und depressive Symptome gehören zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen; unbehandelt entwickeln sie im Verlauf häufig den Charakter von behandlungsbedürftigen, psychischen Störungen (Wittchen, Stein & Kessler, 1999). Ängstliche und depressive Syndrom...

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Main Author: Pauschardt, Jan
Contributors: Rief, Winfried (Prof. ) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2010
Psychologie
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Ängstliche und depressive Symptome gehören zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen; unbehandelt entwickeln sie im Verlauf häufig den Charakter von behandlungsbedürftigen, psychischen Störungen (Wittchen, Stein & Kessler, 1999). Ängstliche und depressive Syndrome werden als internalisierende Störungen bezeichnet, sind mit erhöhtem Leiden verknüpft und beeinträchtigen das psychosoziale Leben der Betroffenen deutlich. Internationale Gesundheitsorganisationen wie die WHO (2004) fordern deshalb vehement die Planung, Durchführung und Verbreitung präventiver Maßnahmen bei diesen Störungsbildern. Die vorliegende kumulative Dissertation beschäftigt sich mit dem Thema der internalisierende Störungen bei Kindern und Jugendlichen und betrachtet es in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die drei Untersuchungen, die sich inhaltlich mit der Prävention und Diagnostik auseinandersetzen, haben Folgendes zum Inhalt: 1. die Durchführung und Überprüfung der Wirksamkeit eines präventiven, kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Gruppenprogramms für Kinder, 2. die Untersuchung diesbezüglicher Rekrutierungsstrategien und –erfahrungen und 3. die Nützlichkeit eines Elternfragebogens zum Screening von Angststörungen im Rahmen einer kinder- und jugendpsychiatrischen Vorstellung. Zu 1. Kinder und Jugendliche, die bereits internalisierende Symptome zeigen, haben ein erhöhtes Risiko an einer Angst- oder depressiven Störung zu erkranken. Diese Population stellt die Zielgruppe indizierter Präventionsmaßnahmen dar. Zunehmend werden vornehmlich kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierte Programme auf ihre Wirksamkeit in verschiedenen Settings evaluiert; Studien zur indizierten Prävention bei Kindern stehen in Deutschland jedoch noch aus. Im ersten Artikel des Kumulus wurde untersucht, ob sich ein solches Programm für 8-12jährige Kinder, sowohl aus Eltern-, als auch aus Kindersicht als wirksam erweist. Mittlere Effektstärken sprechen für die Wirksamkeit des durchgeführten Ansatzes. Zu 2. Neben Studien zur Wirksamkeit präventiver Programme werden auch Untersuchungen zu deren Implementierung gefordert. Hier stellt die Rekrutierung einen bedeutsamen Faktor dar; ob und wie es gelingt, ausreichend Teilnehmer für präventive Maßnahmen zu gewinnen, ist sowohl für die praktische Gesundheitsversorgung, als auch in wissenschaftlicher Hinsicht von hoher Bedeutung. Der zweite Artikel dieses Kumulus berichtet von den Erfahrungen zweier Strategien zur Rekrutierung von Teilnehmern für o.g. Projekt zur indizierten Prävention internalisierender Störungen. Im Rahmen der ersten Strategie meldeten sich Eltern selbständig auf lokale Werbemaßnahmen hin für das Projekt an; der zweite Zugang erfolgte über eine epidemiologische Schulerhebung, in deren Folge auf die Eltern zugegangen wurde. Während sich die erste Maßnahme als effektiv erwies, waren die Ergebnisse der Rekrutierungsmaßnahme über die Schulen nicht zufriedenstellend. Zu 3. Das Erkennen von Angststörungen im Rahmen einer kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Vorstellung ist nicht immer einfach, insbesondere wenn andere psychopathologische Symptome im Mittelpunkt stehen und Anlass der Konsultation sind. Im dritten Artikel des Kumulus wird die Nützlichkeit eines Elternfragebogens (Child Behavior Checklist) für das Screening von Angststörungen an einer ambulanten und einer stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Stichprobe untersucht. Es wurden Hinweise für die Validität des Fragebogens gefunden. Der nur moderate Zusammenhang mit nach ICD-10 gestellten Angstdiagnosen wies jedoch darauf hin, dass der zusätzliche Einsatz von angstspezifischen Instrumenten empfehlenswert ist. Abschließend werden die Ergebnisse der drei Artikel zusammenfassend diskutiert und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsinhalte gegeben.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0140