Evaluierung von quervernetztem nicht-isomerisierten carboxyterminalen Telopeptid desKollagens Typ I (alpha-CTX) als neuen Marker desKnochenstoffwechsels bei Patienten mit lokalisiertem,metastasiertem und hormonrefraktärem Prostatakarzinom

Das Skelett ist ein sehr häufig von Metastasen befallenes Organ und stellt beim Prostatakarzinom den primären Ort für ihr Auftreten dar. Die Mehrzahl der an Krebs erkrankten Patienten verstirbt nicht am Primärtumor selbst, sondern häufiger an den Folgen der Metastasierung. Die metastatische Osteopat...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Wagner, Reinhold Julian Christoph
Beteiligte: Hegele, Axel (Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Operative Medizin
Schlagworte:
CTX
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Das Skelett ist ein sehr häufig von Metastasen befallenes Organ und stellt beim Prostatakarzinom den primären Ort für ihr Auftreten dar. Die Mehrzahl der an Krebs erkrankten Patienten verstirbt nicht am Primärtumor selbst, sondern häufiger an den Folgen der Metastasierung. Die metastatische Osteopathie beeinflusst, aufgrund stark erhöhter Morbidität bei deutlich reduzierter Lebensqualität, entscheidend den Krankheitsverlauf der Patienten. Neben den zahlreichen Folgen der Knochenmetastasierung für die Prostatakarzinompatienten, wie Schmerzen, pathologischen Frakturen mit zum Teil einhergehender Querschnittssymptomatik und karzinomassoziierter Hyperkalzämie, stellt die Diagnostik und Therapie nicht nur eine große Herausforderung an den Urologen, sondern wegen des oft langen Krankheitsverlaufs, auch an die finanziellen Ressourcen unseres Gesundheitssystems. Eine frühzeitige Diagnostik und zeitnah einsetzende therapeutische Interventionen sind in der Behandlung von Knochenmetastasen zwar äußerst wünschenswert, jedoch anhand der derzeit verfügbaren diagnostischen Mittel nur beschränkt möglich. Zum Nachweis kleinster metastatischer Knochenabsiedlungen reicht die Sensitivität der etablierten radiologischen und szintigraphischen Verfahren nicht aus. Die humoral induzierte Tumorosteopathie ist morphologisch stumm und manifestiert sich oft erst im Spätstadium durch eine zufällig entdeckte Hyperkalzämie. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist sie oftmals schon weit fortgeschritten und bietet für eine dann einsetzende pharmakologische Therapie ungünstige Voraussetzungen. Die Entdeckung neuer spezifischer Biomarker des Knochenmetabolismus hat daher die Frage nach ihrer Nutzbarkeit hinsichtlich der Frühdiagnose von Knochenmetastasen aufgeworfen und sie in jüngster Zeit ins Zentrum onkologischer Forschung gestellt. Hierbei ist nicht nur der diagnostische Aspekt von Interesse, sondern gleichwohl die Aussagekraft der Parameter für die anschließende antiosteolytische Behandlung. Zusammenfassend lassen sich aus den hier vorliegenden Ergebnissen folgende Aussagen treffen: Urin-Alpha-CTX (quervernetztes nicht-isomerisiertes carboxyterminales Telopeptid des Kollagens Typ I, alpha-CTX) zeigte bei hormonrefraktären Prostatakarzinom-Patienten (HRPCA) mit Knochenmetastasen den größten Anstieg im Vergleich zu Patienten ohne Knochenmetastasen. Dieser Parameter scheint somit nützliche Zusatzinformationen zu liefern, um die Ausdehnung des Tumors hinsichtlich möglicher ossärer Fernmetastasen zu bewerten. Weiterhin zeigte der Urin-Marker keine Beeinflussung durch die chemotherapeutische Docetaxel-Therapie bei Patienten ohne Knochenmetastasen (-BM), jedoch konnte in der HRPCA-Gruppe mit Knochenmetastasen (+BM) unter kombinierter Docetaxel/Zoledronsäure-Behandlung eine signifikante Abnahme der Alpha-CTX-Levels beobachtet werden. Die Ergebnisse unterstreichen die Wertigkeit und Spezifität dieses neuen Urinmarkers zum Monitoring einer „bone targeting“-Therapie. Alpha-CTX war zugleich der einzige Marker, dessen Verlauf sich als unabhängig vom Primärtumor der Prostata erwies. Ein signifikanter Anstieg des Parameters konnte erst bei Patienten mit metastatischen Absiedlungen in Lymphknoten (N1M0) beobachtet werden. Das lässt darauf schließen, dass Alpha-CTX für die Erkennung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom, die bereits ein hohes Risiko für versteckte ossäre Mikrometastasen haben, einen sinnvollen Stellenwert einnehmen könnte. Trotzdem muss vor Etablierung dieses neuen Biomarkers in der klinischen Praxis im Rahmen von Longitudinaluntersuchungen geklärt werden, inwieweit die erhöhten Alpha-CTX-Levels bei N1M0-Patienten, welche eine Hochrisikogruppe darstellen, auf bereits vorhandene, aber durch die Bildgebung nicht detektierbare Knochenabsiedlungen hinweisen. Überdies bleibt es zukünftigen Untersuchungen vorbehalten zu klären, ob bildgebende Verfahren, insbesondere die Szintigraphie, durch den Einsatz von ossären Biomarkern zur frühzeitigen Detektion einer Knochenmetastasierung bei Patienten mit malignen Neoplasien ersetzt werden können. Ein paralleles Monitoring von Biomarkern und röntgenologischen Techniken an einem großen Pool von Prostatakarzinompatienten wäre notwendig, um das vielversprechende Potential von Alpha-CTX sowie anderer Knochenstoffwechselparameter weiter zu untermauern.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2010.0035