Histologische und molekulare Befunde bei 120 Patienten mit MALT-Lymphom des Magens nach Eradikation von Helicobacter pylori

In der vorliegenden Arbeit werden Ergebnisse einer prospektiven Multicenterstudie vorgestellt. Es wurden 120 Patienten mit MALT-Lymphom des Magens im Stadium EI1 und dem Nachweis einer Infektion mit Helicobacter pylori eingeschlossen und nach einer HP-Eradikation im Median über einen Zeitraum von 85...

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Main Author: Günther, Annette Kathrin
Contributors: Thomas, Wündisch (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Molekularbiologie und Tumorforschung
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der vorliegenden Arbeit werden Ergebnisse einer prospektiven Multicenterstudie vorgestellt. Es wurden 120 Patienten mit MALT-Lymphom des Magens im Stadium EI1 und dem Nachweis einer Infektion mit Helicobacter pylori eingeschlossen und nach einer HP-Eradikation im Median über einen Zeitraum von 85 Monaten nachbeobachtet. Es erfolgte eine Auswertung der Zusammenhänge zwischen histologischen, molekularen und klinischen Befunden. Die Patienten waren prospektiv auf definierte histologische Befunde sowie B-Zell-Klonalität und retrospektiv auf das Vorhandensein einer Translokation t(11;18) hin untersucht worden. Ein weiterer Fokus lag in der Darstellung des Verlaufs von Patienten mit einer sogenannten histologischen Resterkrankung. Eine vollständige makroskopische und histologische Remission der jeweils auf die Magenschleimhaut begrenzten MALT-Lymphome wurde in 80% der Fälle durch eine alleinige Eradikation des Helicobacter pylori erreicht. Wiederum 80% dieser Patienten wiesen über den gesamten Beobachtungszeitraum eine andauernde histologische Remission auf. Neben drei auch endokopisch sichtbaren Rezidiven wurde bei 16 Patienten eine histologische Resterkrankung feststellt. Bei diesen Patienten wurde eine „watch and wait“-Strategie mit regelmäßigen endoskopisch-bioptischen Kontrollen verfolgt. Bemerkenswerterweise erreichten alle 16 Patienten ohne weitere Therapie eine zweite komplette Remission. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, bei dem Auftreten einer histologischen Resterkankung eine abwartende Haltung einzunehmen. Bei der in dieser Arbeit erstmalig durchgeführten detaillierten Auswertung histologischer Befunde nach Eradikation und deren Korrelation zu molekularen Befunden ließen sich folgende Aussagen ableiten: • Nach HP-Eradikation kann der Beobachtungszeitraum bis zum Erreichen einer kompletten histologischen Remission bis zu zwei Jahren betragen. • Die histologischen Regressionkriterien einer leeren oder fibrosierten Tunica propria sind prognostisch relevant. Ihr Nachweis in mehreren aufeinanderfolgenden Biopsien weist auf eine dauerhafte Tumorregression hin. • Das Auftreten von reaktiven Lymphozytenaggregaten ohne Lymphomnachweis geht nicht mit einem erhöhten Rezidivrisiko einher. Es sollte daher in solchen Fällen von der in der Literatur häufig verwendeten Bezeichnung „wahrscheinliche minimale Resterkrankung“ abgesehen werden. • Nach kompletter histologischer Remission können noch lymphomidentische monoklonale B-Zellen nachgewiesen werden. Der fortdauernde Nachweis dieser monoklonalen Zellen ist zwar mit dem statistisch erhöhten Risiko einer histologischen Resterkrankung oder eines späteren Rezidivs assoziiert, jedoch bleiben die meisten Patienten mit zum Teil jahrelanger B-Zell-Monoklonalität in vollständiger Remission. Somit ist die klinische Relevanz monoklonaler Banden in der PCR bei fehlenden histologischen Lymphomzeichen gering. Ein molekulares Follow up kann auch nach diesen Daten, die erstmals ein erhöhtes Rezidivrisiko für Patienten mit andauernder B-Zell-Monoklonalität zeigten, nicht für die Routinediagnostik empfohlen werden. • Mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf war ebenfalls der Nachweis einer Translokation t(11;18)(q21;q21) assoziiert. Doch auch hier befinden sich ein Teil der Patienten in andauernder kompletter Remission, sodass ein abwartendes Verhalten ebenso gerechtfertigt scheint. • Die auch als „präkanzeröse Läsionen“ beschriebenen histologischen Veränderungen „intestinale Metaplasie“ und „Mucosaatrophie“ waren in 30% der Probeentnahmen vorhanden und bildeten sich auch nach einer HP-Eradikation nicht mehr zurück. Zusammenfassend sei das hervorragende Ansprechen und der gutartige Verlauf der MALT-Lymphomerkrankung nach HP-Eradikation hervorgehoben.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0427