Erste klinische und radiologische Erfahrungen mit einer neuen Schenkelhalsprothese vom Typ "NANOS"

In der vorliegenden Arbeit werden die ersten röntgenologischen und klinischen Frühergebnisse von zementlosen Schenkelhalsprothesen Typ NANOS vorgestellt. Insgesamt wurden in der Orthopädischen Klinik Bayreuth vom Juni 2004 bis Mai 2006, 45 Patienten mit einer Schenkelhalsprothese vom Typ NANOS ope...

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Main Author: Szczerba, Lukasz
Contributors: Fuchs, G. A. (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2009
Orthopädie und Rheumatologie
Subjects:
Hip
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:In der vorliegenden Arbeit werden die ersten röntgenologischen und klinischen Frühergebnisse von zementlosen Schenkelhalsprothesen Typ NANOS vorgestellt. Insgesamt wurden in der Orthopädischen Klinik Bayreuth vom Juni 2004 bis Mai 2006, 45 Patienten mit einer Schenkelhalsprothese vom Typ NANOS operiert. In einer prospektiven Studie konnten 40 Patienten (20 männliche und 20 weibliche Patienten) im Zeitraum von Juni 2004 bis Mai 2006, die mit einer NANOS Schenkelhalsprothese versorgt worden waren, sowohl präoperativ wie auch nach 3 Monaten (18 Patienten), 6 Monaten (15 Patienten), 9 Monaten (3 Patienten), 12 Monaten (17 Patienten), 18 Monaten (4 Patienten) und 24 Monaten (7 Patienten) sowohl klinisch als auch radiologisch nachuntersucht werden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 52.8 Jahre (der jüngste Patient war 39, der älteste 67 Jahre alt). Die Körpergröße betrug durchschnittlich 171 cm (Minimum 148 cm, Maximum 195 cm). Beim Körpergewicht errechnete sich ein Mittelwert von 78 kg(Minimum 52 kg, Maximum 106 kg). Der durchschnittliche Body Mass Index (BMI)117 lag bei 27,04 kg/m² (Minimum 20,20 kg/m², Maximum 35,44 kg/m²) und damit leicht über dem Normalbereich von 20-25 kg/m². Indikationen für einen Gelenkersatz waren Dysplasiecoxarthrose (65 Prozent), primäre Coxarthrose (22,5 Prozent) oder Hüftkopfnekrose (12,5 Prozent). Zur Beurteilung der klinischen Situation wurden der Harris-Hip-Score und der Merle dAubigné-und Postel-Score verwendet. Präoperativ erreichten die Patienten einen Mittelwert von 56,65 Punkten nach dem Harris-Hip-Score. Postoperativ errechnete sich ein Mittelwert von 93,7 Punkten nach 12 Monaten und 96,8 Punkten nach 24 Monaten. Die Klassifierung des Harris-Hip-Scores erfolgte nach Adolphson (1). Nach 12 Monaten zeigten 88,2 Prozent ein ausgezeichnetes, 5,8 Prozent ein gutes und 5,8 Prozent ein schlechtes Ergebnis. Alle sieben Patienten zeigten nach 24 Monaten ein sehr gutes Ergebnis. Nach dem Merle-dAubigné-und Postel-Score erreichten die Patienten einen durchschnittlichen präoperativen Wert von 11,3 Punkten, der nach 12 Monaten auf 17,1 Punkte und nach 24 Monaten auf 17,8 Punkte anstieg. Demnach wiesen nach einem Jahr 88,2 Prozent ein sehr gutes Ergebnis auf, 5,8 Prozent ein gutes und 5,8 Prozent ein mittelmäßiges. Nach zwei Jahren zeigten 100 Prozent (sieben Patienten) ein sehr gutes Ergebnis. Die entsprechende Scorauswertung der multizentrischen Vergleichstudie (in 6 Kliniken mit dem Patientenzahl n=175) für einen postoperativen Zeitraum von 12 Monaten postoperativ, ergeben Wert, die mit unserem Patientenkollektiv vergleichbar sind. Der Durchschnitt beim Harris-Hip-Score beträgt hier 48,02 Punkte präoperativ und 95,92 Punkte nach 12 Monaten. Nach dem Merle-dAubigné-und Postel-Score erreichten die Patienten des Arbeitskreises nach einem durschnittlich präoperativen Ausgangswert von 12,96 Punkten, nach 12 Monaten von 17,77 Punkten, also bei 17,67 Punkten des eigenen Kollektives nahezu auf gleichen Level. Insgesamt waren in unseren eigenen Krankengut (n=40), außer dem unten beschriebenen Fall bei keinem Prothesenschaft während der Nachuntersuchung Lyseentstand beim Einschlagen des Prothesenschaftes eine Fissur des Schenkelhalses. Diese war jedoch nicht versorgungspflichtig. Ein Patient (2,5 Prozent) zeigte röntgenologisch ein zunehmendes Einsinken des Prothesenschaftes. Nach sieben bis acht Monaten postoperativ betrug die axiale Migration (Sinterung) über 4 mm. Der Patient ist beschwerdefrei und bei einer Beinverkürzung von ca. 5 mm auch frei beweglich. Eine Säume oder Lockerungszeichen festzustellen. Bei einem Patienten – Nr.34 (2,5 Prozent) 118 ursprünglich vorgesehene Revisionsoperation wurde bei Nachweis sekundär stabilisiertem Prothesenschaft wieder storniert. In sechs Fällen wurden Beinlängendifferenzen (BLD) ≤ 1,5 cm (15,0 Prozent) festgestellt. Anhand äquidensitometrischer Auswertungen konnte bereits nach drei Monaten eine beginnende, nach 12 und 24 Monaten deutlich Dichtezunahme der medialen und lateralen Kortikalis festgestellt werden. Dies vor allem an der Übergangszone zwischen Prothesenschaft und Prothesenspitze der Zone IV/V und I/II (Verankerungszone der Prothese). Daneben sieht man auch eine deutliche Dichtezunahme an der lateralen Kortikalis in Zone II, wo sich die Prothese abstützt, als Ausdruck zonenstarker Kräftekonzentration. Diese Veränderungen entsprechen dem Wolff´schen Transformationsgesetz. Von den 40 operierten Patienten beschrieben alle eine deutliche Verbesserung der Funktion und eine Verminderung der Beschwerden in Vergleich zur präoperativen Situation. Nur ein Patient (2,5 Prozent) beklagte Wetterfühligkeit an der operierten Seite. Aufgrund einer Zufriedenheit der Patienten von 94,2 Prozent innerhalb der ersten zwei Jahre besteht für die NANOS-Schenkelhalsprothese in unserer Klinik eine feste Indikation, insbesondere für jüngere, aktive Patienten. Grundsätzlich ist zurzeit auch keine Veränderung des Implantats, seiner Oberflächen oder seines Designs notwendig. Neben dem Patientenalter spielt die biologische Verfassung, die Belastungsart und damit tribologische Kriterien für die Dauerstabilität der Prothese eine wichtige Rolle. Ein BMI >30 ist nach unseren Erfahrungen als Kontraindikation zu werten. Aufgrund unserer Ergebnisse kann dieser Prothesentyp mit den gesamten Implantationsverfahren unter Beachtung der genannten Indikations- und Kontraindikationsbedingungen als eine empfehlenswerte Alternative zu konventionellen Hüftendprothesen, zumal in der Kombination mit minimal-invasivem Vorgehen, betrachtet werden. Die Zukunft der NANOS-Schenkelhalsprothese hängt von den weiteren klinischen Erfahrungen und den Langzeitergebnissen ab.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0357