Stellenwert der kernspintomografischen Repositionskontrolle der kindlichen Hüftluxation

Einleitung: Seit der Einführung der Magnetresonanztomografie (MRT) in die Diagnostik der kongenitalen Hüftgelenkluxation in den 1980er Jahren wird dieses Verfahren aufgrund seiner hohen Sensitivität in der Weichteil- und Knorpeldarstellung mit als das bildgebende Verfahren der Wahl bei der Stellungs...

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Main Author: Warda, Cornelia
Contributors: Fuchs-Winkelmann, Susanne (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2008
Orthopädie und Rheumatologie
Subjects:
CDH
MRI
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Einleitung: Seit der Einführung der Magnetresonanztomografie (MRT) in die Diagnostik der kongenitalen Hüftgelenkluxation in den 1980er Jahren wird dieses Verfahren aufgrund seiner hohen Sensitivität in der Weichteil- und Knorpeldarstellung mit als das bildgebende Verfahren der Wahl bei der Stellungskontrolle nach der Reposition der kindlichen Hüftgelenkluxation angesehen. Das Ziel der vorliegenden Studie war mit Hilfe von neu entwickelten Klassifikationen für die coronare und transversale MRT-Bildgebung aufzuzeigen, ob sich die Nachuntersuchungen der Therapiekontrollen mit Röntgen oder MRT signifikant unterscheiden und ob sich eine der beiden Bildgebungen hinsichtlich der Diagnostik und Darstellung eines Reluxationsereignisses als vorteilhaft erweist. Material und Methoden: (1)Das Gesamtkollektiv dieser retrospektiven Studie setzt sich aus 109 Fällen zusammen. Betrachtet wurden neben Geschlecht und Alter bei Initialbehandlung vor allem der Luxationsgrad nach Graf , die betroffene Hüftseite, Nebendiagnosen, konservative und operative Behandlungsformen, angewendete Bildgebungen, Gipsart und -tragedauer, evtl. Reluxationsereignisse und deren Therapie und im Rahmen der Nachuntersuchungen: aufgetretene Hüftkopfnekrosen, Restdysplasien und Operationen im Sinne einer Osteotomie. (2) Zur Entwicklung der neuen Klassifikationen wurden 117 MRT-Laserfilme des Kollektivs von drei voneinander unabhängigen Untersuchern ausgewertet und bezüglich der intra- und inter-observer Reliabilität, auch unter Berücksichtigung der Bildqualität, mittels der alpha-Reliabilitätsanalyse untersucht (reliabel: α> 0,7). (3) Innerhalb eines 50 Fälle umfassenden Subkollektivs wurden die Bildgebungen (Röntgen und MRT) mit den untersuchten Punkten der Therapie und Nachuntersuchung in Beziehung gesetzt und die neu entwickelten Klassifikationen gezielt in Verbindung mit dem Auftreten eines Reluxationsereignisses angewendet und ausgewertet. Ergebnisse: (1) Innerhalb des Gesamtkollektivs zeigte sich im Hinblick auf das Auftreten eines Reluxationsereignisses ein signifikanter Zusammenhang mit der Durchführung einer Arthrografie (p = 0,002) und der Ausführung einer Osteotomie (p = 0,000). Eine Reluxation konnte mit keinem weiteren Aspekt, weder während der Therapie, noch während der Nachuntersuchungen in Verbindung gebracht werden. (2) Die Auswertung der Klassifikationen ergab eine intra-observer Reliabilität von 63,3 – 83,3% für alle MRT-Bilder coronarer Schnittführung und 64,7% - 82,4% für die coronaren Bilder guter Bildqualität. Bei der transversalen Schnittführung waren dies 57,9 – 75,4% für alle Bilder und 68,8 – 87,5% für die Bilder guter Qualität. Die inter-observer Reliabilität der Bilder coronarer Schnittführung zeigte α = 0,7002 für alle Bilder und α = 0,7878 für die Bilder guter Qualität. Die inter-observer Reliabilität für alle transversalen MRT-Bilder ergab α = 0,5662 und bei Bildern guter Qualität α = 0,7307. (3) Die Auswertung der Röntgen- und MRT-Bilder ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen Röntgen und MRT in coronarer Schnittführung hinsichtlich therapeutischen Gesichtspunkten, dem Auftreten einer Reluxation und Aspekten der Nachuntersuchung. Die Anwendung der transversalen Klassifikation hingegen konnte bis dahin nicht diagnostizierte Reluxationen darstellen. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der vorliegenden Studie können keinen Vorteil der MRT-Bildgebung in coronarer Schnittführung gegenüber der a.p.-Röntgenaufnahme zeigen. Doch visualisiert die transversale Schnittebene anteroposteriore Reluxationen, die durch Röntgen nicht dargestellt werden können. Die Risiken, die eine Anästhesie bzw. ionisierende Strahlen bergen, abwägend, ergibt sich aus den Ergebnissen dieser Arbeit der Vorschlag eines Algorithmus zur Anwendung einer MRT bei der kongenitalen Hüftgelenkluxation: Die Anästhesie der Reposition sollte ausgenutzt werden, um mittels MRT die sicherer Reposition in coronarer und transversaler Ebene zu sichern. Zeigt sich hierbei ein blandes Bild, können weitere Bildgebungen mittels Röntgen durchgeführt werden. Zeigt sich eine pathologische Hüftsituation, so ist zuerst die Reposition und im Anschluss die MRT-Bildgebung zu wiederholen. Erst nach blander Bildgebung in beiden Ebenen sollen weitere Kontrollen, beispielsweise nach Gipswechsel, durch Röntgen angefertigt werden.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0261