Lebensqualität, Angst und Depression bei Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD): Patienten- und Angehörigenperspektive

Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehören in Deutschland zu häufigsten Atemwegerkrankungen. 9-14% der Kinder und Jugendlichen leiden unter Asthma bronchiale, womit es die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. Für die chronisch obstruktive L...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Kühl, Kerstin
Beteiligte: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2009
Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Beschreibung
Zusammenfassung:Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehören in Deutschland zu häufigsten Atemwegerkrankungen. 9-14% der Kinder und Jugendlichen leiden unter Asthma bronchiale, womit es die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. Für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird ein starker Anstieg in den kommenden Jahren erwartet, obwohl aktuell bereits 9% der über 40jährigen unter COPD leiden. Beide Erkrankungen führen zu funktionellen Einschränkungen in den verschiedensten Lebensbereichen. Die Erhaltung der Lebensqualität ist laut den Leitlinien ein maßgebliches Ziel in der Behandlung. Erkrankung und Behandlung erfordern von Betroffenen und Angehörigen ein hohes Maß an Anpassung im Rahmen der Krankheitsbewältigung. Empirische Befunde zur psychosozialen Belastung und krankheitsspezifischen Lebensqualität werden dargestellt. Basierend auf dem bisherigen Forschungsstand wurden die Fragestellungen der vorliegenden Dissertation abgeleitet. Ziel der ersten Studie war es, einen Fragebogen zur Selbstbeurteilung der asthmabezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen zu konstruieren. Der Fragebogen wurde an einer Stichprobe von 119 Kindern und Jugendlichen evaluiert. Es entstand der multidimensionale „Fragebogen zur asthmabezogenen Lebensqualität bei Kindern“ (FALK). Der Fragebogen umfasst mit 30 Items drei Subskalen: „Subjektive Beeinträchtigung“, „Behandlungs- und asthmabezogene Angst“ und „Subjektive Gesundheit“, die sowohl negative als auch positive Aspekte der asthmabezogenen Lebensqualität erfassen. Ziel der zweiten Studie war es, die Prävalenzraten affektiver Störungen und Angststörungen bei COPD-Patienten mit den Prävalenzraten einer deutschen repräsentativen Altersstudie zu vergleichen. Die Prävalenzraten sind bei Patienten und Angehörigen signifikant erhöht - unabhängig vom COPD-Stadium. Zukünftige Studien sollten die Diagnostik um weitere Diagnosen wie z.B. die der Organischen Angststörung erweitern. Zum anderen sollte untersucht werden, welche Prädiktoren die krankheitsspezifische Lebensqualität der Patienten bzw. welche Faktoren die COPD-bedingte Beeinträchtigung der Angehörigen vorhersagen. In Übereinstimmung mit früheren Befunden erwiesen sich Depressivität, Gehstrecke, körperliche Beschwerden, männliches Geschlecht, Lungenfunktion und Herzerkrankung als unabhängige Prädiktoren für die krankheitsspezifische Lebensqualität der Patienten. Neu ist das Ergebnis, dass beim Einschluss von Angehörigen-Variablen in die Regressionsanalyse FEV1-Wert und Herzerkrankung zugunsten der Angehörigen-Ängstlichkeit ausgeschlossen werden. Die COPD-bedingte Beeinträchtigung der Angehörigen ließ sich durch die krankheits-spezifische Lebensqualität und die körperlichen Beschwerden der Patienten vorhersagen. Diese Befunde weisen auf eine wechselseitige Abhängigkeit der krankheitsspezifischen Lebensqualität innerhalb der Paare hin. Ziel der dritten Studie war es, die psychometrischen Eigenschaften des COPD-Disability-Index (CDI) zu untersuchen. Die interne Konsistenz der Patienten-Selbsteinschätzung und der Fremdbeurteilungsversion durch die Angehörigen ist mit über .90 bemerkenswert hoch für die Kürze der 7-Item-Skala. Die hohen, signifikanten Korrelationen mit konstruktnahen Fragebögen (u.a. zum St. George’s Respiratory Questionnaire: r=.83) sowie niedrige bzw. fehlende Korrelationen mit konstruktfernen Fragebögen belegen eine gute konvergente und divergente Validität. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Ergebnis der vorliegenden Arbeit die Entwicklung von zwei Fragebögen umfasst, die einen Beitrag zur Verbesserung der standardisierten Erhebungsmethoden zur Erfassung der Lebensqualität bei Asthma und COPD-Patienten leisten. So bietet der „Fragebogen zur asthmabezogenen Lebensqualität bei Kindern“ Kindern die Möglichkeit, sowohl positive als auch negative Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität selbst beurteilen zu können. Der COPD-Disability-Index (CDI) ermöglicht eine einfache, reliable und valide Erfassung der COPD-bedingte Beeinträchtigung. Weiterhin liefert die vorliegende Arbeit unter Berücksichtigung der klassifikatorischen Diagnostik eine Bestätigung der erhöhten Prävalenzraten von Angststörungen und affektiven Störungen bei COPD-Patienten im Vergleich zu einer repräsentativen deutschen Altersstudie. Die konstatierte deutliche psychosoziale Beeinträchtigung der Angehörigen von COPD-Patienten bzw. der Einfluss ihrer Ängstlichkeit auf die krankheitsspezifische Lebensqualität der COPD-Patienten sollte in zukünftigen Studien stärker berücksichtigt werden. Implikationen der Ergebnisse werden diskutiert.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2009.0126