Zusammenhänge zwischen Zwangsstörungen und Ticstörungen in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Inanspruchnahmepopulation

FRAGESTELLUNG: Zwischen Tic- und Zwangsstörungen besteht eine enge Verbindung. Bisher gibt es jedoch noch keine umfassenden und systematischen Beschreibungen der Unterschiede von Patienten mit reinen Zwangsstörungen, reinen Ticstörungen und einer gemischten Störung beider Krankheitsbilder. Ein wesen...

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Main Author: Behrendt, Julia
Contributors: Mattejat, Fritz (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2008
Nervenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:FRAGESTELLUNG: Zwischen Tic- und Zwangsstörungen besteht eine enge Verbindung. Bisher gibt es jedoch noch keine umfassenden und systematischen Beschreibungen der Unterschiede von Patienten mit reinen Zwangsstörungen, reinen Ticstörungen und einer gemischten Störung beider Krankheitsbilder. Ein wesentliches Ziel der vorliegenden Arbeit ist die explorative Datenbeschreibung einer klinischen Stichprobe aus drei Untergruppen (Patienten mit reiner Zwangsstörung / reiner Ticstörung / beiden Störungen gemischt). Darüber hinaus werden, bezüglich dieser drei Untergruppen, vier Hypothesen (Geschlechterverhältnis; sozialer Status; komorbide Störungen; Therapieerfolg) genauer überprüft. METHODIK: Für die Auswertung wurden die kinder- und jugendpsychiatrische Basis-, Befund- und Leistungsdokumentation herangezogen. Eine Teilstichprobe von N = 68 aus der Gesamtinanspruchnahmepopulation wurde in die drei folgenden Untergruppen eingeteilt: 8 Patienten mit reiner Ticstörung, 44 Patienten mit reiner Zwangsstörung und 16 Patienten mit Zwangs- und Ticstörung gemischt. ERGEBNISSE: Die Überprüfung der Zuverlässigkeit der klinischen Diagnose von Zwangs- und Tic-Patienten erbrachte folgendes Ergebnis: Die Übereinstimmung zwischen der vorhandenen klinischen Diagnose, laut Dokumentation und einem im Rahmen der Dissertation aufgrund der gesamten Krankengeschichte erstellten Expertenurteil, ist bei Zwangsstörungen mäßig und bei Ticstörungen gut. 66,7% der Tic-Patienten (16 von 24) weisen eine komorbide Zwangsstörung auf und 26,7% der Zwangs-Patienten (16 von 60) zeigen komorbide Tics. In der klinischen Diagnose laut Dokumentation werden weniger komorbide Diagnosen gestellt, als nach Forschungskriterien (Expertenurteil) vorliegen. Die Hypothesenüberprüfungen erbrachten folgende Ergebnisse: - Die Annahme, dass Jungen mehr Ticstörungen und Mädchen mehr Zwangsstörungen zeigen, kann bestätigt werden. - In der vorliegenden Untersuchung ergeben sich keine signifikanten Unterschiede in Hinsicht auf den sozialen Status. - Zwischen den drei Untergruppen zeigt sich kein signifikanter Unterschied im Vorhandensein von komorbiden psychiatrischen Störungen. - Bei der Beurteilung des Therapieerfolges kann kein signifikanter Unterschied zwischen den drei Untergruppen festgestellt werden. Im explorativen Vergleich zeigen sich bei folgenden Einzelmerkmalen signifikante Unterschiede zwischen den drei Untergruppen: Behandlungsdauer, Familienverhältnis, Sprachentwicklung, gegenwärtig besuchte Schule, schulbezogene Störungen, akut belastende Lebensereignisse und chronische zwischenmenschliche Belastungen im Zusammenhang mit Schule oder Arbeit. DISKUSSION: Bei Patienten mit Ticstörung muss im klinischen Alltag besser darauf geachtet werden, dass eine komorbide Zwangsstörung bestehen kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Patienten mit Zwangs- und Ticstörungen viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Dennoch lassen sich bei den einzelnen Störungen krankheitsspezifische Unterschiede erkennen. Die größten Unterschiede bestehen dabei zwischen den Patienten mit reinen Zwangs- und reinen Ticstörungen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sprechen für die Annahme, dass Zwangs- und Ticstörungen auf einem Symptomkontinuum angeordnet werden können. Dies reicht von einfachen Tics, über eine Kombination von Tics und Zwängen, bis hin zu eindeutigen Zwangsgedanken und / oder Zwangshandlungen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0891