Effekt einer strukturierten Vorgabe bei dersozialmedizinischen Beurteilung auf die Zufriedenheit,das Empfinden von Fairness, die Depressivität unddas Schmerzempfinden bei chronischen Schmerzpatienten

5 Zusammenfassung Problemstellung: Die Erwartungen an die Rehabilitation sind bei Kostenträgern und Rehabilitanden häufig nicht deckungsgleich. Während die Kostenträger eine Wiedereingliederung in das Berufsleben erwarten, erhoffen sich viele Patienten nach der Rehabiliationsmaßnahme eine beruflich...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Sohr, Gabriele
Beteiligte: Basler,Heinz-Dieter (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Medizinische Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:5 Zusammenfassung Problemstellung: Die Erwartungen an die Rehabilitation sind bei Kostenträgern und Rehabilitanden häufig nicht deckungsgleich. Während die Kostenträger eine Wiedereingliederung in das Berufsleben erwarten, erhoffen sich viele Patienten nach der Rehabiliationsmaßnahme eine berufliche Entlastung oder sogar eine Berentung. Eine entscheidende Weichenstellung wird durch die am Ende der Rehabilitation stehende sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Rehabilitanden vorgenommen. Entspricht diese Beurteilung nicht den Erwartungen der Patienten oder ist die Beurteilung durch die Patienten nicht nachvollziehbar, entsteht Unzufriedenheit. Auf der anderen Seite gilt aber die Patientenzufriedenheit als subjektives Erfolgskriterium für eine medizinische Maßnahme. Ziel der vorliegenden Studie ist es zu überprüfen, ob durch eine Standardisierung des sozialmedizinischen Verfahrens der Beurteilung die Patientenzufriedenheit verbessert werden kann. Weitere Ziele bestehen darin zu untersuchen, ob sich das Beurteilungsverfahren auch auf das Schmerzerleben, die Depressivität und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auswirkt. Methode: Der Studie liegt ein zweifaktorielles varianzanalytisches Design zugrunde. Faktor 1 als Gruppenfaktor ist zweistufig und bezieht sich auf eine Variation der Bedingungen der Begutachtung: In der Kontrollgruppe findet eine Beurteilung „as usual“ statt, in der Versuchsgruppe hingegen eine standardisierte Beurteilung nach einem schriftlichen Leitfaden. Die Zuweisung auf Versuchs- und Kontrollgruppe erfolgt nicht randomisiert, sondern in zeitlicher Sequenz. Faktor 2 als Zeitfaktor ist dreifach gestuft und bezieht sich auf die Messzeitpunkte t1 = Beginn der Rehabilitationsmaßnahme, t2 = Ende der Rehabilitationsmaßnahme und t3 = ein Jahr nach Beendigung der Rehabilitationsmaßnahme. Zu allen drei Messzeitpunkten werden die folgenden Variablen erhoben: (1) Depressivität mit dem Beck-Depressionsinventar, (2) Schmerzerleben mit der Schmerzempfindungsskala und (3) Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Zum zweiten Messzeitpunkt wird außerdem ein Selbstentwickelter Fragebogen zur Patientenzufriedenheit mit der sozialmedizinischen Beurteilung eingesetzt. Insgesamt werden Daten von 366 Patienten mit chronischem Rückenschmerz für die Untersuchung verwertet. N = 87 werden der Versuchsgruppe, N = 92 der Kontrollgruppe zugeordnet; die Daten der übrigen 151 Patienten dienen ausschließlich der Berechnung der psychometrischen Qualität des Selbstentwickelten Fragebogens. Für die Auswertung werden neben Item- und Reliabilitätsanalysen auch Faktorenanalysen, Korrelationsverfahren und varianzanalytische Verfahren eingesetzt. Ergebnisse: Die psychometrische Analyse des Fragebogens kennzeichnet diesen als eindimensional mit einer hohen internen Konsistenz (Cronbach’s Alpha = 0,93) und weist auf eine hohe Testgüte hin. Die Vermutung, die Beurteilung nach einem strukturierten Leitfaden wirke sich positiv auf die Zufriedenheit der Patienten aus, kann bestätigt werden, wobei die Effektstärke der Intervention mit d = 0,45 im mittleren Bereich liegt. Weiterhin macht die statistische Analyse deutlich, dass Patienten, die mit dem Leitfaden beurteilt wurden, sowohl nach Therapieende als auch ein Jahre später weniger depressiv sind als ohne Leitfaden beurteilte Patienten. Dieser Effekt bleibt auch erhalten, wenn die Ausgangswerte der Depressivität durch kovarianzanalytische Verfahren statistisch kontrolliert werden. Keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen können allerdings hinsichtlich des Schmerzerlebens gefunden werden. Geringe Unterschiede zu t2 hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit zugunsten der mit dem Leitfaden beurteilten Gruppe sollten aus statistischen Gründen zurückhaltend interpretiert werden. Diskussion: Die größere Zufriedenheit und geringere Depressivität in der mit dem Leitfaden beurteilten Gruppe sind voraussichtlich auf eine für die Beurteilten größere Transparenz des Verfahrens und auf ein hierdurch bedingtes stärkeres Kontrollerleben zurückzuführen. Methodische Probleme der Studie bestehen in der fehlenden Randomisierung der Patienten auf die Gruppen und in der mangelnden Verblindung der Patienten und der Therapeuten. Um die empirische Evidenz der erzielten Ergebnisse zu sichern, erscheint es lohnend, die Studie mit einem verbesserten Design zu wiederholen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0861