Kandidatengenanalyse in einer Familie mit Kamptodaktylie

Die isolierte, nicht syndromale Kamptodaktylie ist eine schmerzlose Beugekontraktur im proximalen Interphalangealgelenk und betrifft fast ausschließlich die Kleinfinger. Man unterscheidet eine Form mit familiär gehäuftem Auftreten von der sporadischen Form. Die familiär gehäufte Form der Kamptodakt...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schott, Jörg
Beteiligte: Koch, Manuela C. (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Humangenetik
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die isolierte, nicht syndromale Kamptodaktylie ist eine schmerzlose Beugekontraktur im proximalen Interphalangealgelenk und betrifft fast ausschließlich die Kleinfinger. Man unterscheidet eine Form mit familiär gehäuftem Auftreten von der sporadischen Form. Die familiär gehäufte Form der Kamptodaktylie folgt in der Regel einem autosomal dominanten Erbgang. Die sporadische Form kann beispielsweise durch Verbrennungen oder einen Unfall erworben sein. Ist die sporadische Form nicht traumatischer Genese, kommen Neumutationen als wahrscheinlichste Ursache in Betracht. Neumutationen werden dann autosomal dominant weitervererbt. Als seltene Ursache für die sporadisch auftretende, isolierte Kamptodaktylie kann auch eine autosomal rezessiv vererbte Form nicht ausgeschlossen werden. Die Kamptodaktylie tritt außerdem syndromal, beispielsweise beim Jacobs-Syndrom, auf. In dieser Arbeit stand eine fünf Generationen umfassende Familie mit isolierter, nicht syndromaler Kamptodaktylie für Kopplungsanalysen zur Verfügung. Die Kamptodaktylie folgt in dieser Familie einem autosomal dominanten Erbgang. Von 17 noch lebenden Personen sind 8 Personen betroffen. Eine männliche Person ist Genträger, zeigt jedoch als Ausdruck reduzierter Penetranz keine Kamptodaktylie. Die Expressivität der Kamptodaktylie ist in dieser Familie variabel. Der Ausprägungsgrad der Kleinfingerkontraktur sowie die Geschlechterverteilung weisen eine deutliche Gynäkotropie auf. Die LOD-Wert-Simulation erreichte für den Stammbaum der Familie mit allen in dieser Arbeit verfügbaren Familienmitgliedern einen maximalen LOD-Wert von Zmax = 1.94 (q = 0.00) für die Zweipunktanalysen. Für die Genotypisierung wurden Mikrosatellitenmarker in einem durchschnittlichen Intermarkerintervall von 10 cM ausgewählt. Die DNA-Fragmente der Mikrosatellitenmarker wurden mit der Methode der Polymerasekettenreaktion amplifiziert und mit der GeneScan-Methode auf ihre Allellängen hin analysiert. Zunächst wurden die Kandidatengene PRG4, HOXD13, SDTY1, KLF6, KRT9 sowie der Locus ZD1 und anschließend die gesamten Chromsomen 1, 2, 3, 10 und 17 auf Kopplung zur Kamptodaktylie getestet. Somit wurden in dieser Arbeit insgesamt 30,24% des kompletten Genoms analysiert. Die Kandidatengene PRG4 auf 1q24-25 (Zmax < -5.93; q = 0.00), SDTY1 auf 2q34-36 (Zmax < -4.62; q = 0.00) sowie der Locus ZD1 auf 3p21.31 (Zmax < -4.25; q = 0.00)konnten durch signifikant negative LOD-Werte in den Zweipunktanalysen ausgeschlossen werden. Die Kandidatengene HOXD13 auf 2q31 (Zmax < -7.41; q = 0.00)sowie KRT9 auf 17q12-21 (Zmax < -5.33; q = 0.00) wurden durch signifikant negative LOD-Werte in der Multimarkeranalyse ausgeschlossen. Das Kandidatengen KLF6 auf 10p15 konnte aufgrund unterschiedlicher Haplotypen der beiden betroffenen Kinder der Indexpatientin für den 10p15-Locus in der Haplotypanalyse ausgeschlossen werden.Bei der anschließenden Analyse der verbleibenden Loci auf den Chromosomen 1, 2, 3, 10 und 17 konnte ein Kandidatenlocus auf dem langen Arm von Chromosom 1 im Intervall zwischen 134 - 182 cM (D1S1595; Zweipunktanalyse: Zmax = 0.95; Multimarkeranalyse: Zmax = 1.21; q = 0.00) identifiziert werden. Ein zweiter Kandidatenlocus liegt auf Chromosom 3 im Intervall von 80 - 134 cM. Der höchste LOD-Wert wurde für den Marker D3S3045 (Zweipunktanalyse: Zmax = 1.48; Multimarkeranalyse: Zmax = 2.24; q = 0.00) auf dem langen Arm des Chromosoms gefunden. Die Haplotypanalysen zeigten für beide Kandidatenloci gleiche Haplotypen bei der Indexpatientin sowie deren Enkeltochter. Diese beiden Kandidatenloci sind nun in Feinkartierungen detaillierter zu untersuchen. Vor Durchführung der Feinkartierungen ist es sinnvoll, eine genomweite Analyse durchzuführen, um weitere Kandidatenloci mit möglicherweise höheren LOD-Werten auf den verbleibenden Chromosomen zu identifizieren.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0616