Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Konzentrationsfähigkeit und Sprachentwicklung bei Kindern im Vorschulalter

Bei Störungen der Sprachentwicklung und der Konzentrationsfähigkeit im Kindesalter handelt es sich um Probleme, die häufig zu beobachten sind und die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Angaben zur genauen Häufigkeit dieser Entwicklungsstörungen gehen jedoch weit auseinander und auch die Ursachen s...

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Main Author: Büttner, Melanie
Contributors: Berger, Roswitha (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Bei Störungen der Sprachentwicklung und der Konzentrationsfähigkeit im Kindesalter handelt es sich um Probleme, die häufig zu beobachten sind und die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Angaben zur genauen Häufigkeit dieser Entwicklungsstörungen gehen jedoch weit auseinander und auch die Ursachen sind bislang noch unzureichend erforscht. Allerdings gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Sprachentwicklung und der Konzentrationsfähigkeit bei Kindern. Sowohl bei der Sprache als auch bei der Konzentration handelt es sich um Fähigkeiten, die von ganz grundlegender Bedeutung für die weitere Entwicklung eines Kindes sind. Wenn in diesen Bereichen Defizite bestehen, so muss damit gerechnet werden, dass es zu einer Ausbreitung auf weitere Lebensbereiche kommt. Daher ist es dringend erforderlich, Störungen in diesen Bereichen früh zu diagnostizieren, um rechtzeitig mit speziellen Förderungsmaßnahmen beginnen zu können. Leider werden besorgte Eltern oftmals viel zu lange mit der Aussicht auf ein Aufholen in späteren Entwicklungsstufen vertröstet, womit wertvolle Zeit verspielt wird. Die vorliegende Studie hat es sich zum Ziel gesetzt, den Zusammenhang zwischen Konzentrationsfähigkeit und Sprachentwicklung im Kindesalter weiter zu erforschen. Zusätzlich soll das MKVK (Marburger Konzentrations Untersuchungs Verfahren für Vorschulkinder), welches sich als Methode zur Erfassung der Konzentrationsfähigkeit in vorangehenden Studien bereits als geeignet erwiesen hat, in der Altersgruppe der 3 bis 6 jährigen Kinder auf seine Praktikabilität überprüft werden. Zu diesem Zweck wurden insgesamt 69 Kinder im Alter zwischen 3;00 und 5;09 Jahren untersucht, wobei es sich um 49 Jungen und 20 Mädchen handelte. Die untersuchten Kinder waren zu einem Teil Patienten der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Universitätsklinik Marburg, der andere Teil wurde in einem Kindergarten im Umkreis von Marburg getestet. Zur Erfassung des Sprachentwicklungsstandes wurde mit den Kindern das „Marburger Sprach Screening“ (MSS) durchgeführt, zur Feststellung der Konzentrationsfähigkeit wurde das MKVK angewandt. Die untersuchten Kinder wurden zunächst nach ihrem Ergebnis im MSS in die folgenden beiden Gruppen eingeteilt: 1. die unauffälligen Kinder 2. die in Bezug auf ihre Sprachentwicklung auffälligen Kinder 14 Kinder zeigten im MSS eine altersgerechte Sprachentwicklung und waren folglich der ersten Gruppe zuzuordnen, weitere 53 Kinder wurden als sprachauffällig eingeschätzt. In zwei Fällen konnte keine eindeutige Einschätzung der sprachlichen Fähigkeiten getroffen werden. Anschließend wurde untersucht, ob sich zwischen diesen beiden Gruppen signifikante Unterschiede bezüglich der Konzentrationsfähigkeit nachweisen lassen. Dabei gingen als Parameter für die Konzentration die Zeit und die Fehlerzahl bei der Bearbeitung des MKVK ein. Die unauffälligen Kinder der ersten Gruppe benötigten zur Durchführung des MKVK durchschnittlich 582 sec. und machten dabei 4,64 Fehler, die bezüglich ihrer Sprachentwicklung auffälligen Kinder benötigten 650 sec. und machten 5,72 Fehler. Damit zeigen die Kinder mit nachgewiesener Sprachentwicklungsstörung im Durchschnitt eine schlechtere Leistung im MKVK als die Kinder der Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied ist allerdings im U Test nach Mann Whitney Wilcoxon weder für die Zeit (p= 0,5075) noch für die Fehlerzahl (p= 0,9476) statistisch signifikant. Auch in der Regressionsanalyse zeigt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Konzentrationsfähigkeit und der Sprachentwicklung eines Kindes. Im Vergleich zu den vorangegangenen Studien fällt auf, dass in dieser Testreihe ein relativ großer Anteil der Kinder nicht in der Lage war, das MKVK bis zum Ende durchzuführen. Zwischen den Kindern, bei denen die Untersuchung abgebrochen werden musste und den übrigen Kindern, die den Test vollständig durchführen konnten, zeigte sich im U Test nach Mann Whitney Wilcoxon ein statistisch signifikanter Unterschied für das Alter (p= 0,0004). Nach den Erfahrungen dieser Studie kann das MKVK daher erst ab einem Alter von 4 Jahren empfohlen werden. Berücksichtigt man diese Altersbeschränkung, so handelt es sich bei dem MKVK um ein geeignetes Verfahren zur Erfassung der Konzentrationsfähigkeit bei Kindern im Vorschulalter. Der Test wurde von den Kindern gut angenommen, er erwies sich zudem als einfach und nicht zu zeitaufwendig in der Durchführung. Aus diesen Gründen kann das MKVK für den weiteren Einsatz in der Praxis bei Kindern ab 4 Jahren empfohlen werden. Das MKVK kann in Zukunft einen Beitrag dazu leisten, Konzentrationsstörungen im Kindesalter früher zu diagnostizieren und die weitere Entwicklung des Kindes durch eine spezifische Förderung entscheidend positiv zu beeinflussen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0578