Die Lebensqualität von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen im Vergleich zur Normalbevölkerung

Die Lebensqualität stellt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein relativ neues Thema dar. Das Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen (ILK, Mattejat et al., 1998) ist der erste Ratingbogen zur Lebensqualität im deutschsprachigen Raum, der speziell für den kinder- und...

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Main Author: Schönfeld, Marion
Contributors: Mattejat, Fritz (Prof.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2008
Nervenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die Lebensqualität stellt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein relativ neues Thema dar. Das Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen (ILK, Mattejat et al., 1998) ist der erste Ratingbogen zur Lebensqualität im deutschsprachigen Raum, der speziell für den kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich entwickelt wurde. Die vorliegende Dissertation entstand innerhalb einer Studie zur Gewinnung von Normwerten für das ILK. Dabei lautet die Fragestellung: Wie unterscheidet sich die Lebensqualität der Normalbevölkerung von der psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher? Als Hypothese wird dabei angenommen, dass die Normalbevölkerung ihre Lebensqualität in allen Lebensbereichen höher einschätzt als psychisch Erkrankte und, dass dieser Unterschied unabhängig von der Behandlungsmodalität (ambulant oder stationär) auftritt. Methode: Die schriftliche Befragung von Eltern und ihren Kindern fand im Anschluss an ein mit randomisierten Telefonnummern durchgeführtes Telefoninterview statt. Den Personen, die zu dieser zusätzlichen schriftlichen Befragung bereit waren, wurde der ILK-Ratingbogen für ein Elternteil und das Kind, auf das sich das geführte Interview bezog, zugesandt. In den analysierten Datensatz gingen 305 Fragebögen von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren ein. Zum Vergleich der Lebensqualität der gesunden und psychisch erkrankten Kinder und Jugendlichen wurden die gewonnenen Daten aus der Normalbevölkerung mit bereits vorhandenen Daten aus einer multizentrischen klinischen Studie verglichen. Um konfundierende Faktoren auszuschließen bzw. zu kontrollieren, wurde dieser Vergleich mit der „matched-pair-Methode“ (Vergleich von Paarlingen, die nach Alter, Geschlecht und Schulform einander zugeordnet wurden) durchgeführt (Erstellung eines gematchten Datensatzes). Die Unterschiede wurden mithilfe von Effektstärken dargestellt und mittels des Wilcoxon-Tests auf Signifikanz untersucht. Ergebnisse: Im Vergleich der Gesamtstichprobe wird deutlich, dass die Kinder und Jugendlichen aus der Normalbevölkerung ihre Lebensqualität besser einschätzen als die psychisch erkrankten, wobei in allen Bereichen signifikante Unterschiede auftreten. Große Effektstärken ergeben sich für die Gesamteinschätzung und die durch Aufsummierung der Einzelitems gebildeten Scores. Auch im Vergleich der Normalbevölkerung mit den Teilstichproben (stationäre und ambulante Patienten) werden diese Unterschiede deutlich. Dabei sind die Effektstärken beim Vergleich mit ambulanten Patienten geringer als mit stationären Patienten. Diskussion: Entsprechend der Hypothese wurde die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen aus der Normalbevölkerung besser eingeschätzt als von psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen. Dabei zeigte sich dieser Effekt wie erwartet sowohl bei stationär als auch bei ambulant behandelten Patienten. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist die Lebensqualität in die Therapieplanung einzubeziehen, um Problembereiche aufzudecken und konkrete Hilfestellungen zu geben. Dazu liefert diese Arbeit statistisch gesicherte Normwerte.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0323