Funktionelle transkranielle Dopplersonographie undWada-Test zur Lateralisierung der Sprachfunktionen beiPatienten mit fokalen Epilepsien

Die Bestimmung der individuellen Sprachdominanz stellt einen wichtigen Bestandteil der prächirurgischen Diagnostik bei Patienten mit fokalen Epilepsien dar, um im Rahmen eines epilepsiechirurgischen Eingriffes sprachtragende Hirnareale schonen zu können. Für Patienten mit Läsionen im linken Fronta...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Haag, Anja
Beteiligte: Rief, Winfried (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2008
Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Beschreibung
Zusammenfassung:Die Bestimmung der individuellen Sprachdominanz stellt einen wichtigen Bestandteil der prächirurgischen Diagnostik bei Patienten mit fokalen Epilepsien dar, um im Rahmen eines epilepsiechirurgischen Eingriffes sprachtragende Hirnareale schonen zu können. Für Patienten mit Läsionen im linken Frontal- oder Temporallappen besteht eine erhöhte Chance einer atypischen nicht linkshemisphärischen Sprachdominanz, die mit anderen atypischen Funktionslokalisationen wie z.B. der Gedächtnisdominanz einher gehen kann, was sich für den postoperativen kognitiven Leistungsstatus als günstig erweist. Die vorliegenden Arbeiten befassten sich daher mit zwei Verfahren zur Sprachdominanzbestimmung, dem invasiven Wada-Test als Goldstandard und der fTCD als mögliche non-invasive Alternative. Bezüglich des Wada-Tests konnte in einer Umfragestudie an 23 Epilepsiezentren eine weiterhin verbreitete Anwendung des Wada-Tests trotzt methodischer Kritik durch die befragten Kliniker und trotz vermehrtem Einsatz nicht invasiver Bildgebungsverfahren gezeigt werden. Der Einsatz scheint hierbei restriktiver, d.h. nicht mehr bei allen Epilepsiechirurgiekandidaten zu erfolgen, aber die Befragten möchten sich offenbar nicht bei allen Patienten auf die Ergebnisse der noninvasiven Bildgebung verlassen. Für die non-invasive fTCD konnte bezüglich der Sprachlateralisierung in einer der vorgelegten Studien eine hohe Übereinstimmung mit dem Wada-Test gefunden und damit die Ergebnisse vorhergehender Studien repliziert werden. Eine weitere Studie und ein Fallbereicht lassen darauf schließen, dass mittels fTCD auch atypische Sprachdominanzen zuverlässig erkannt werden können. Die Erfahrungen mit der Methode zeigen, dass sie im Gegensatz zum Wada-Test und zu anderen Bildgebungsverfahren wie der fMRT besser mit Kindern und geistig Behinderten durchgeführt werden kann. Die fTCD erweist sich dem Wada-Test methodisch insofern überlegen, dass ihr Einsatz auch ohne medizinische Indikation und bei Gesunden zur Untersuchung wissenschaftlicher Fragestellungen ethisch vertretbar ist. In einer der eingegangenen Studien wurde daher mittels fTCD die Häufigkeit verschiedener Sprachdominanztypen bei TLE-Patienten und bei einem Kontrollkollektiv verglichen und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer atypischen Sprachdominanz bei den Patienten gezeigt. Insgesamt wird die fTCD mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig den Wada-Test zur Bestimmung der Sprachdominanz bei einem Teil der Patienten ersetzen können.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2008.0141