Zur Frage der Vererbung des Bardet-Biedl-Syndroms (BBS) - Molekulargenetische Analysen in den Genen BBS1 und BBS6

Mit einer geschätzten Prävalenz von 1:150.000 in der europäischen Bevölkerung ist das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS, OMIM 209900) eine selten vorkommende Multisystemerkrankung. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv. Die BBS-Proteine sind an der Funktion von Zilien und Basalkörpern beteiligt. Phänotypisch...

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Main Author: Frick, Benjamin S.
Contributors: Koch, Manuela C. (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2005
Humangenetik
Subjects:
DNS
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Mit einer geschätzten Prävalenz von 1:150.000 in der europäischen Bevölkerung ist das Bardet-Biedl-Syndrom (BBS, OMIM 209900) eine selten vorkommende Multisystemerkrankung. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv. Die BBS-Proteine sind an der Funktion von Zilien und Basalkörpern beteiligt. Phänotypisch ist das BBS charakterisiert durch das Vorhandensein einer postaxialen Polydaktylie, Retinitis pigmentosa, Adipositas, Hypogonadismus beim Mann, Nierenfunktionsstörungen und mentaler Retardierung. In den letzten Jahren wurde die Heterogenität des BBS deutlich. Mittlerweile sind acht BBS-Gene (BBS1-BBS8) bekannt. Entsprechend einer digenen bzw. oligogenen Vererbung sind für das klinische Erscheinungsbild des Bardet-Biedl-Syndroms Mutationen in mehr als einem BBS-Lokus notwendig. In dieser Arbeit wurden 62 BBS-Patienten mit Hilfe der Restriktionsendonuklease AvaII auf die Mutation p.M390R in BBS1 getestet. Die p.M390R-Mutation konnte bei 11% der deutschen BBS-Patienten (Allelfrequenz 0,1) nachgewiesen werden und bestätigt damit Ergebnisse internationaler Arbeitsgruppen (Allelfrequenz 0,14). Keiner der türkischen BBS-Patienten zeigte die p.M390R-Mutation. Desweiteren wurde in dieser Arbeit die DNA von 62 BBS-Patienten auf Sequenzvarianten im BBS6-Gen untersucht. Die Sequenzanalysen von 20 bei der single-stranded conformational analysis (SSCA) auffälligen Proben konnten vier verschiedene Sequenzvarianten zeigen. Die Sequenzvarianten pI178I (c.534C>T), p.R517C (c.1549C>T), p.G532V (c.1595G>T) sind Polymorphismen und wurden bereits in der Literatur als solche beschrieben. Die beobachteten Allelfrequenzen betragen 0,1, 0,06 und 0,03. Die p.Y37C-Mutation (c.110A>G) wurde bei einem BBS-Patienten in homzygoter Form, bei einem weiteren BBS-Patienten in heterozygoter Form gefunden (Allelfrequenz 0,02). Bei keinem der BBS-Patienten konnte eine digene Trägerschaft der p.M390R-Mutation in BBS1 mit einer Mutation in BBS6 nachgewiesen werden. Bei einem Großteil der getesteten BBS-Patienten konnte weder die p.M390R-Mutation in BBS1, noch eine Mutation in BBS6 nachgewiesen werden. Andere als die bisher getesteten Gene müssen daher an der Entstehung des BBS bei deutschen BBS-Patienten beteiligt sein. Zusätzliche Erkenntnisse zur digenen/oligogenen Pathogenese des Bardet-Biedl-Syndroms sind durch Mutationssuchen in weiteren BBS-Loki zu erwarten. Als Alternative zu der sehr arbeits- und zeitintensiven Methode der SSCA bietet sich ein DNA-Mikroarraysystem zur Detektion von Mutationen an.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0814