Die Entwicklung des Acheloos-Deltas. Eine paläogeographisch-geoarchäologische Untersuchung zum holozänen Küstenwandel in Nordwest-Griechenland.

Im Gebiet des Acheloos-Deltas wurden 70 terrestrische Schlaghammerbohrungen abgeteuft. Zusätzlich konnte in Lagune von Etoliko aus dem Profundal ein Sedimentkern gewonnen werden. Aus den insgesamt 71 Bohrkernen wurden 80 Proben unterschiedlichen Materials mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode datier...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Schriever, Armin
Beteiligte: Brückner, Helmut (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Geographie
Schlagworte:
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Zusammenfassung:Im Gebiet des Acheloos-Deltas wurden 70 terrestrische Schlaghammerbohrungen abgeteuft. Zusätzlich konnte in Lagune von Etoliko aus dem Profundal ein Sedimentkern gewonnen werden. Aus den insgesamt 71 Bohrkernen wurden 80 Proben unterschiedlichen Materials mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode datiert. Zusätzlich zu den sedimentologischen kam als geophysikalische Untersuchungsmethode die Earth Resistivity Tomography (ERT) zum Einsatz. Die Entwicklung des Acheloos-Deltas ist nicht mit der anderer Deltas im Mittelmeerraum zu vergleichen. Der Fluss mündet weder ins offenen Meer noch in eine relativ geschützte Bucht, sondern in das Archipel der Echinaden-Inseln. Dadurch ergeben sich für die Sedimentationsvorgänge verschiedene Modifikationen, die die Genese des Deltas mitgestaltet haben. Zur Rekonstruktion des holozänen Meeresspiegelanstiegs wurden 14 Radiokohlenstoffdatierungen herangezogen, von denen 13 an Proben von küstennahen Torfen gewonnen wurden, um eine möglichst verlässliche Darstellung zu erhalten. Der Meeresspiegel zeigt einen kontinuierlichen Anstieg während des Holozäns. Damit unterscheiden sich die Ergebnisse von anderen Untersuchungen im östlichen Mittelmeerraum, die häufig einen mittelholozänen Meeresspiegelhöchststand aufweisen. Insgesamt zeichnet sich die Kurve durch einen relativ konstanten Anstieg des Meeresspiegels ab 2550 cal BC aus, dessen Rate zwischen 0,44 und 0,94 m/ka liegt. Erst ab dem späten Mittelalter (13. Jh. n. Chr.) beschleunigt sich der Anstieg deutlich auf etwa 2,40 m/ka. Die paläogeographische Entwicklung im Nordwesten des Acheloos-Deltas weist zwei besondere Aspekte auf. Zum einen hat es einen mittelholozänen Vorstoß (ca. 6000 – 4500 BC) eines Mündungsarms aus Norden gegeben. Zum anderen etabliert sich im Anschluss an diesen Vorstoß ab 4500 BC eine sehr lang persistierende Lagune (Lagune von Oiniadai). Bereits ab dieser Zeit war die Insel Trikardo und damit die später auf ihr errichtete Stadt Oiniadi nur über eine Lagune zu erreichen und nicht über das offene Meer. Aus geoarchäologischer Sicht ist natürlich die Deltaentwicklung im Umfeld der antiken Hafenstadt Oiniadai von besonderem Interesse. Die Ergebnisse zeigen, dass zur Zeit der Nutzung des Nordhafens (5. bis 1. Jh. v. Chr.) mit seinen imposanten Schiffshäusern (Werften) Oiniadai an einer Lagune lag, die die Insel Trikardo von Norden und Süden umrahmte. Ein Arm des Acheloos zweigte im Osten nur unweit der Insel vom Hauptstrom ab und brachte größere Mengen Süßwasser bis in den Nordhafen. Die Frage, ob dieser Flussarm von Menschenhand erzeugt bzw. erhalten wurde, um die Hafenbucht offen zuhalten oder zu spülen, oder ob es sich um einen natürlichen Flussabzweig gehandelt hat, ist nicht zu beantworten. Die von MURRAY (1982) postulierte These eines Südhafens konnte widerlegt werden. Im Südosten der Insel konnte jedoch durch Funde aus unseren Bohrungen ein weiterer Hafenplatz belegt werden. Keramikfunde bezeugen, dass mindestens seit dem ausgehenden Helladikum Menschen im Südosten der Insel Trikardo gesiedelt und gewirtschaftet haben. Dieser Fund ergänzt die bisher nur spärlich vorhandenen Belege für eine helladische Besiedlung im Süden Akarnaniens und weist auf eine lange Besiedlungskontinuität der Insel Trikardo hin, die ausweislich weiterer Keramikfunde vermutlich bis in die römisch-byzantinische Epoche andauerte. Im Bereich der Lagune von Etoliko konnte die Plattformbohrung zusammen mit den Ergebnissen der umliegenden terrestrischen Bohrungen konnte belegen, dass seit etwa 4700 BC bei starkem Hochwasser episodisch Flusswasser in den See gelangt ist. Der fluviale Einfluss nimmt zu und es etabliert sich ein permanenter Zufluss in den See. Ab etwa 1200 BC überschreitet der Meeresspiegel die im Süden liegenden Schwelle und es entsteht die Lagune von Etoliko. Der Süden und Südwesten sind die jüngsten Bereiche des Acheloos-Deltas. Erst ab etwa 200 BC bringt der Fluss größere Sedimentmengen in das südliche Gebiet um die Inseln Skoupas, Taxiarchis und Koutsilaris. Ab etwa 500 AD erreicht der Deltavorbau den Westen der Insel Koutsilaris. Die angelieferten Sedimentmassen formen im Süden der Insel Skoupas einen Strandwall, der die Insel vom offenen Meer abtrennt. Dieser Mündungsarm und ein weiterer im Osten der Insel Taxiarchis liefern das Material, welches sukzessiv das noch heute existente akkretionäre Strandwallsystem aufbaut, das die Lagune von Mesolongi vom Golf von Patras trennt. Im Südwesten machen enorme Sedimentationsraten von 6,00 bis 28,00 m/ka die hohe Dynamik des Deltas deutlich.