Śabdālaṃkāradoṣavibhāga – Die Unterscheidung der Lautfiguren und der Fehler. Kritische Ausgabe des dritten Kapitels von Daṇḍins Poetik Kāvyādarśa und der tibetischen Übertragung Sñan ṅag me loṅ samt dem Sanskrit-Kommentar des Ratnaśrījñāna, dem tibetischen Kommentar des Dpaṅ Blo gros brtan pa und einer deutschen Übersetzung des Sanskrit-Grundtextes.

Daṇḍins Kāvyādarśa oder „Spiegel der Dichtkunst“ (zwischen ca. 650 und 800 n. Chr.) ist eines der wichtigsten literaturtheoretischen Werke auf Sanskrit, das sich als grundlegend und maßgeblich nicht nur für die Ästhetik literarischer Werke in Indien, sondern auch in Tibet und in anderen Ländern Asie...

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Bibliographic Details
Main Author: Dimitrov, Dragomir
Contributors: Hahn, Michael (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2004
Orientalistik und Sprachwissenschaft
Subjects:
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Description
Summary:Daṇḍins Kāvyādarśa oder „Spiegel der Dichtkunst“ (zwischen ca. 650 und 800 n. Chr.) ist eines der wichtigsten literaturtheoretischen Werke auf Sanskrit, das sich als grundlegend und maßgeblich nicht nur für die Ästhetik literarischer Werke in Indien, sondern auch in Tibet und in anderen Ländern Asiens erwiesen hat. Wegen der durchaus noch lebendigen Tradition hat das Werk auch heute große Bedeutung für das tiefere Verständnis der indischen, tibetischen und überhaupt der asiatischen Literatur. Die Voraussetzung für die Benutzung und Auswertung eines Textes mit einer über tausendjährigen Überlieferungsgeschichte auf einer gesicherten Grundlage ist das Vorhandensein einer zuverlässigen kritischen Ausgabe sowohl des Grundtextes als auch wenigstens eines alten autoritativen Kommentarwerkes dazu. Eine solche Ausgabe liegt allerdings immer noch nicht vor und stellt schon seit langem ein deutlich zu spürendes Desideratum dar. In meiner Magisterarbeit, die nunmehr auch in Buchform vorliegt, habe ich die nepalesische und tibetische Überlieferung des „Spiegels der Dichtkunst“ dargestellt und eine kritische Ausgabe des 1. Kapitels namens Mārgavibhāga oder „Die Unterscheidung der Stilarten“ (Sanskrit und Tibetisch). Damit wurde der erste notwendige Schritt zur Erfüllung des Desideratums getan. Mit der vorliegenden Arbeit wird der nächste Schritt auf diesem Wege unternommen. Hier wird zum ersten Mal eine kritische Ausgabe des 3. Kapitels namens Śabdālaṃkāradoṣavibhāga oder „Die Unterscheidung der Lautfiguren und der Fehler“ zusammen mit der tibetischen Übertragung, dem Sanskrit-Kommentar des Ratnaśrījñāna, dem tibetischen Kommentar des Dpaṅ Lo tsā ba, einer deutschen Übersetzung des Sanskrit-Grundtextes, einer Faksimile-Ausgabe nebst einer diplomatischen Abschrift und aller notwendigen zusätzlichen Apparate vorgelegt. Es handelt sich daher um eine Fortsetzung und zugleich auch Erweiterung meiner früheren Arbeit. Diese Veröffentlichung stellt die überarbeitete und erweiterte Fassung einer Dissertation dar, die ich am 15. April 2004 dem Fachbereich 10 „Fremdsprachliche Philologien“ der Philipps-Universität Marburg vorgelegt hatte. Nachdem die Überlieferungsgeschichte des Kāvyādarśa und des Sñan ṅag me loṅ anhand des Textes des 1. Kapitels einigermaßen geklärt worden war, war es erforderlich, auch die Ausgabe der wichtigsten Kommentarwerke auf Sanskrit und auf Tibetisch, nämlich der Ratnaśrīṭīkā und der Dpaṅ Ṭīkā, in Angriff zu nehmen. Die Ratnaśrīṭīkā ist das älteste bekannte Kāvyādarśa-Kommentarwerk des buddhistischen Gelehrten Ratnaśrījñāna (10. Jh.), das die literaturwissenschaftliche Beschäftigung in Tibet in höchstem Maße beeinflußt hat. Die Dpaṅ Ṭīkā wurde von Dpaṅ Lo tsā ba Blo gros brtan pa (1276–1342) verfaßt und stellt den ersten vollständigen Kommentar zur tibetischen Übersetzung des Kāvādarśa dar. Da die alte nepalesische Handschrift der Ratnaśrīṭīkā lediglich zum 3. Kapitel größtenteils erhalten ist und außerdem gerade in diesem Abschnitt eine große Textlücke von THAKURs und JHAs editio princeps des Kommentars auszufüllen hilft, bot es sich an, zunächst eine vollständige Ausgabe des 3. Kapitels anzufertigen. Dieses Kapitel erweist sich inhaltlich als besonders reizvoll und wichtig für die indische und tibetische Literaturpraxis sowie für die allgemeine Literaturwissenschaft überhaupt. Es werden hier zum einen die verschiedenen Arten der kunstvollen Lautfiguren (śabdālaṃkāra) klassifiziert und vorgeführt, und zum anderen werden die zehn Fehler (doṣa) in der Kunstdichtung genannt und veranschaulicht. Vor allem wegen der Schwierigkeiten und der Unsicherheiten, die sich bei der Textinterpretation ergeben, hat das 3. Kapitel bisher nicht die Beachtung gefunden, die es eigentlich verdient. Mit der vorliegenden Publikation wird ein Beitrag zur intensiveren Rezeption und zu einem tieferen Verständnis der altindischen und der tibetischen Poetik und Dichtkunst geleistet.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0458