Prognostische Bedeutung von B-Typ natriuretischen Peptid-Plasmakonzentrationen bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und implantiertem Cardioverter/Defibrillator

Die chronische Herzinsuffizienz weist eine hohe Mortalität von jährlich über 10 % auf.65,102,104 Etwa 30-50 % aller herzinsuffizienten Patienten sterben am plötzlichen Herztod85 wie z.B. durch maligne ventrikuläre Tachyarrhythmien. Implantierbare Cardioverter/Defibrillatoren (ICD) können Episoden ma...

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Main Author: Bayrakcioglu, Somer
Contributors: Christ, Michael (Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Innere Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die chronische Herzinsuffizienz weist eine hohe Mortalität von jährlich über 10 % auf.65,102,104 Etwa 30-50 % aller herzinsuffizienten Patienten sterben am plötzlichen Herztod85 wie z.B. durch maligne ventrikuläre Tachyarrhythmien. Implantierbare Cardioverter/Defibrillatoren (ICD) können Episoden maligner Tachyarrhythmien terminieren und den durch Arrhythmie bedingten plötzlichen Herztod verhindern.8,38,121 Somit bieten ICD-Geräte bei betroffenen Patienten eine gute Therapiemöglichkeit. Die finanziellen Mittel für ICD-Implantationen sind allerdings beschränkt, was eine adäquate Risikostratifikation für die Identifizierung der Patienten mit erhöhtem Risiko für maligne Arrhythmien erfordert. Bei chronischer Herzinsuffizienz ist die Pathogenese der Arrhythmien vor allem durch eine Dehnung des myokardialen Gewebes mit Veränderung der Dromotropie und der Refraktivität erklärbar.185 Als Reaktion auf myokardiale Dehnung88 durch eine Volumenüberlastung wird in den Ventrikeln BNP sezerniert.77,98,160 Die Höhe der BNP-Plasmakonzentrationen verhalten sich proportional zur Schwere der Erkrankung,29,101,174 wobei schon im Stadium NYHA I eine Erhöhung der BNP-Plasmakonzentrationen festzustellen ist.74,129 Das Risiko für das Auftreten maligner Arrhythmien verhält sich dabei dem Schweregrad der Herzinsuffienz proportional. Die Beantwortung der Frage, ob BNP-Plasmakonzentration ein attraktiver Arrhythmie-Risiko-Vorhersageparameter bei herzinsuffizienten Patienten darstellt, ist deshalb interessant und von großer klinischer Interesse. Daher wurde mit dieser Arbeit untersucht, ob die BNP-Plasmakonzentrationen eine Vorhersage über den gemeinsamen Endpunkt (Auftreten maligner Tachyarrhythmien, Tod, Herztransplantation) bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und implantiertem ICD machen können. Es wurden 123 Patienten (Alter: 63 ±12 Jahren; Ejektionsfraktion: 29 ±10 %) mit chronischer Herzinsuffizienz und implantiertem ICD rekrutiert und die BNP-Plasmakonzentrationen analysiert. Die prospektiv erhobenen BNP-Plasmakonzentrationen wurden hierzu mit den Ereignishäufigkeiten im Beobachtungszeitraum und mit weiteren Parametern, die einen Einfluss auf die Gesamtmortalität haben, in einem multivariablen Regressionsmodell hinsichtlich ihrer prognostischen Wertigkeit geprüft. Nach einem Follow-up von bis zu 36 Monaten (Median 25 Monate) erreichten 28 Patienten den gemeinsamen Endpunkt (tachyarrhythmisches Ereignis n=16, Tod n=11, Herztransplantation n=1). Die Herzinsuffizienz-Patienten wurden in zwei Gruppen entsprechend der BNP-Plasmakonzentration stratifiziert und einer Kaplan-Meier-Analyse unterzogen. Ein ereignisfreies Überleben war bei Patienten mit einer BNP-Plasmakonzentration <183 pg/mL (Mittelwert) signifikant höher als bei Patienten mit BNP-Plasmakonzentrationen über diesem cut-off-Wert (Log-rank-Test, p=0.008, Abb. 9A). Patienten mit einer BNP-Plasmakonzentration >183 pg/ml (Mittelwert) hatten eine deutlich ungünstigere Prognose bezüglich des ereignisfreien Überlebens als Patienten mit BNP-Werten unter diesem cut-off-Wert (Log-rank-Test). Diese Studie lässt erkennen, dass die Bestimmung der BNP-Plasmakonzentrationen ein ereignisfreies Überleben voraussagen kann. Es konnte allerdings nur eine Tendenz festgestellt werden, wenn Tod und Herztransplantation als gemeinsamer Endpunkt gesetzt wurden. Explorative statistische Analysen weisen ebenfalls auf eine Tendenz hin, dass BNP eine Vorhersagekraft für tachyarrhythmische Ereignisse bei ICD-Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und einer LV-Ejektionsfraktion <45 % besitzt. Eine Therapie mit Betablocker zeigt in dieser Studie eine günstige Prognose im Hinblick auf ein ereignisfreies Überleben. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die BNP-Plasmakonzentrationen wertvolle Parameter zur Vorhersage eines ereignisfreien Überlebens bei ICD-Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sind. Des Weiteren deuten sie darauf, dass die BNP-Plasmakonzentrationen zur Indikationsstellung einer ICD-Implantation bei Patienten mit Herzinsuffizienz herangezogen werden sollten. Weiter deuten unsere Ergebnisse darauf, dass die Bestimmung der BNP-Plasmakonzentrationen nützlicher zur Vorhersage eines ereignisfreien Überlebens bei ICD-Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist als die Bestimmung der LV-EF.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0423