Klonale Expansion CD4+ T-Zellen bei der autoimmunen Myasthenia gravis

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der molekularbiologischen Analyse des T-Zell-Rezeptor-Repertoires bei der autoimmunen Myasthenia gravis (MG). Die MG ist eine durch Auto-Antikörper (Auto-Ak) verursachte Erkrankung, wobei das Zielantigen vor allem der Acetylcholin-Rezeptor (AChR) an der neurom...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Kruth, Jens
Beteiligte: Sommer, Norbert (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2007
Nervenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der molekularbiologischen Analyse des T-Zell-Rezeptor-Repertoires bei der autoimmunen Myasthenia gravis (MG). Die MG ist eine durch Auto-Antikörper (Auto-Ak) verursachte Erkrankung, wobei das Zielantigen vor allem der Acetylcholin-Rezeptor (AChR) an der neuromuskulären Synapse darstellt. Aufgrund der bei der MG häufig beobachteten Thymusveränderungen, des positiven Einflusses einer Thymektomie auf den Krankheitsverlauf sowie des Nachweises AChR-spezifischer T-Lymphozyten (T-Zellen) wird den CD4-positiven (CD4+) T-Zellen eine Schlüsselrolle in der Pathogenese zugeschrieben. Über den genauen Ursprung solcher pathogenen Zellen sowie über deren Antigenspezifität ist bislang allerdings wenig bekannt. Diese Arbeit hat zum Ziel, potentiell pathogene bzw. myasthenogene T-Zellen bei der autoimmunen MG zu identifizieren und zu charakterisieren. Ausgehend von der Hypothese, dass möglicherweise krankheitsrelevante T-Zell-Populationen im peripher-venösen Blut expandiert sind, wurden durchflusszytometrische Untersuchungen der T-Zellen von 118 Patienten sowie 118 gesunden Kontrollprobanden durchgeführt. Bei MG-Patienten waren CD4+ T-Zellen signifikant im peripher-venösen Blut expandiert (≥ 5 Standardabweichungen über dem Mittelwert gesunder in Alter und Geschlecht übereinstimmender Kontrollen bei 21 MG-Patienten, p<0,001). Diese Expansionen CD4+ T-Zellen äußerten sich beim einzelnen Patienten in der übermäßigen Expression einer oder weniger variabler β-Ketten des T-Zell-Rezeptors (TCR). Dabei konnten unter allen untersuchten MG-Patienten Expansionen auf unterschiedlichen TCR Vβ-Ketten nachgewiesen werden, ohne dass bestimmte TCR Vβ-Ketten überproportional häufig expandiert wurden. Damit zeigt sich bei der autoimmunen MG das immunologische Bild eines individuell restringierten TCR-Repertoires. Zum Nachweis eines womöglich klonalen Ursprungs dieser expandierten T-Zellen erfolgte mittels Spectratyping (= CDR3-Längenanalyse) die Untersuchung des hypervariablen Bereichs ihres TCR (complementary determining region 3, CDR3), welcher für die Antigenerkennung von besonderer Bedeutung ist. Durch eine Antigen-unabhängige Einzelzellklonierung konnten in vitro T-Zellklone generiert werden. Mittels Spectratyping der T-Zellklone gelang hieraus die Identifizierung derjenigen T-Zellen, die den expandierten T-Zellpopulationen im peripher-venösen Blut entsprachen. Die Sequenzierung des TCR entsprechender in vitro T-Zellklone eines jeweiligen Patienten erbrachte bei vier von fünf Index-Patienten jeweils identische CDR3 DNA-Sequenzen. Dieses Ergebnis beweist erstmals die klonale Expansion CD4+ T-Zellen bei der autoimmunen MG. Die zukünftige Aufklärung der noch ausstehenden Antigenspezifität kann diesen klonal expandierten T-Zellen womöglich eine maßgebliche Rolle in der Pathogenese der autoimmunen MG zuschreiben und somit einen wichtigen Schritt zum besseren Verständnis dieser Erkrankung darstellen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0174