Die Interaktion von Posttraumatischer Belastungsstörung und Organischem Psychosyndrom im Langzeitverlauf nach spontaner Subarachnoidalblutung

Spontane Subarachnoidalblutungen (SAB) treten ohne spezifische Warnsymptome auf und führen zu einem lebensbedrohlichen Zustand. Es ist deshalb zu erwarten, dass bei den Überlebenden einer SAB neben neurologischen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen mit einer psychischen Traumatisierung und m...

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Main Author: Jodari Karimi, Mahnaz
Contributors: Czernik, Adelheid (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2007
Nervenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Spontane Subarachnoidalblutungen (SAB) treten ohne spezifische Warnsymptome auf und führen zu einem lebensbedrohlichen Zustand. Es ist deshalb zu erwarten, dass bei den Überlebenden einer SAB neben neurologischen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen mit einer psychischen Traumatisierung und mit hohen Prävalenzraten von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTB) zu rechnen ist. In der vorliegenden Untersuchung wurde eine PTB-Diagnostik zusätzlich zu den kognitiven und affektiven Verlaufsmerkmalen durchschnittlich knapp vier Jahre nach dem Trauma durchgeführt. Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter bei der SAB, Geschlecht und Lokalisation des rupturierten Aneurysmas repräsentativ. Es wurde eine umfangreiche psychiatrisch-psychologische Untersuchung mit folgenden Methoden durchgeführt: Semistrukturiertes klinisches Interview; Schätzung der prämorbiden Intelligenz; neuropsychologische Diagnostik (Mnestik, Aufmerksamkeit, Intelligenz); Selbstbeurteilung mittels Fragebogen von Depressivität, körperlichen Befindlichkeitsstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Lebensqualität; Fremdbeurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus vor der SAB und zum Untersuchungszeitpunkt. Ergebnisse: Rund vier Jahre nach der SAB haben 41,4 % der Patienten keine neuropsychologischen Defizite mehr, 27,6 % leiden noch unter leichten bis mittleren, 31,0 % unter schwerwiegenden kognitiven Beeinträchtigungen. Die subjektive Befindlichkeit der SAB-Patienten (Depressivität, Somatisierung, Lebensqualität) hat sich im gleichen Zeitraum im Vergleich mit einer 7-Monats-Katmnese nicht verbessert, was auf die Entwicklung einer chronischen PTB zurückgeführt werden kann. Bei 41,4 % der Betroffenen besteht zum Untersuchungszeitpunkt eine ausgeprägte depressive Symptomatik und 53,6 % äußern Ängste vor einer erneuten Blutung. Das Vollbild einer PTB entwickeln 37,9 %, eine subsyndromale Symptomatik weitere 31,0 % der Patienten. Bei einer SAB treffen ein hirnorganisches und ein psychisches Trauma zusammen. Die Prävalenz einer PTB ist bei kognitiv schwerer beeinträchtigten Patienten erhöht, zudem überschneiden sich viele DSM-IV-Kriterien des hirnorganischen Psychosyndroms und der PTB. Amnesie, Apathie, Affektlabilität, Schlafstörungen, Impulsivität, Konzentrationsstörungen und soziale und berufliche Funktionsbeeinträchtigungen sind Merkmale von beiden Störungen. Um falsch-positive PTB-Diagnosen zu reduzieren wurden nach statistischen Analysen die als hirnorganisch identifizierten Merkmale Amnesie und Konzentrationsstörungen für die PTB-Diagnose ausgeschlossen. Damit reduzierte sich der Anteil der Patienten mit einem PTB-Vollbild von 37,9 % auf noch 27,6 % und die subsyndromale Symptomatik von 31,0 % auf ebenfalls 27,6 %. Mit einer SAB vergleichbare Prävalenzraten für eine PTB finden sich nach einer 8-Jahres-Katamnese bei Überlebenden eines akuten Lungenversagens (Kampfhammer et al, 2001). Weitere Forschungsbemühungen sind notwendig, um zwischen organischem Psychosyndrom und PTB besser differenzieren zu können, nicht nur bei SAB, sondern auch bei Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen und nach Schlaganfällen. Eine frühzeitige Identifikation posttraumatischer Störungen könnte Chronifizierungsprozesse und die Entwicklung einer (irreversiblen) Persönlichkeitsänderung durch Extrembelastung reduzieren. Bei der SAB wird aus einem neurochirurgischen Notfall in vielen Fällen mittelfristig eine psychotherapeutisch zu behandelnde Störung.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2007.0088