Einstellungen zur Raucherpolitik in Abhängigkeit vom Raucherstatus

Hohe Prävalenzraten des Rauchens legen nahe, neben individuellen therapeutischen Angeboten auch regulierend durch gesetzgeberische Maßnahmen auf den Tabakkonsum einzuwirken. In Deutschland ist wenig über die Einstellungen der Bevölkerung zu solchen Maßnahmen bekannt. Ziele der Arbeit waren, a) die E...

Ausführliche Beschreibung

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1. Verfasser: Spill, Birgit
Beteiligte: Basler, Heinz-Dieter (Prof. Dr. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Medizinische Psychologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Hohe Prävalenzraten des Rauchens legen nahe, neben individuellen therapeutischen Angeboten auch regulierend durch gesetzgeberische Maßnahmen auf den Tabakkonsum einzuwirken. In Deutschland ist wenig über die Einstellungen der Bevölkerung zu solchen Maßnahmen bekannt. Ziele der Arbeit waren, a) die Einstellungen zur Raucherpolitik mit Hilfe einer deutschen Version (SPI-D) des in den USA entwickelten „Smoking Policy Index“ zu analysieren und b) diese Einstellungen mit individuellen soziodemographischen Variablen sowie dem Raucherstatus, dem Rauchverhalten und der Bereitschaft das Rauchen aufzugeben, in Beziehung zu setzen. Zusätzlich sollten die Ergebnisse mit denen einer internationalen Studie (Laforge et al.,1998) verglichen werden. Es wurde ein Fragebogen entworfen, der neben soziodemographischen Fragen auch Items zur Raucherfahrung, zum Raucherstatus, zu Gesundheit und Wohlbefinden und zur Nicotinabhängigkeit (Heatherton et al.,1991) enthielt. Der Raucherstatus und die Änderungsbereitschaft wurden durch bereits validierte Messinstrumente erhoben. Die Einstellungen zur Raucherpolitik wurden anhand einer 30 Items enthaltenden deutschen Version (SPI-D) des Smoking Policy Index ermittelt. Das SPI-D basiert auf einer lege artis durchgeführten deutschen Übersetzung des Smoking Policy Inventory (Velicer et al., 1994; Laforge et al.,1998) und misst fünf Dimensionen der Tabakregulierung. In einer nochmals überarbeiteten Fassung, welche für die deutsche Version (SPI-D) herangezogen wurde, umfasst das Messinstrument sechs Dimensionen: (a) Werbung, (b) Öffentlichkeitsaufklärung, (c) Schutz von Minderjährigen, (d) Besteuerung, (e) Rauchverbote und (f) Sanktionen. Die Zustimmungen zu den sechs Subskalen, welche jeweils fünf Items enthalten, wurden mit einer fünfstufigen Likert-Skala gemessen. Durch Standardisierung der Daten wurde ein Vergleich mit Ergebnissen internationaler Studien möglich. Die anfallende Stichprobe bestand aus n=394 Personen (57% Frauen), das Durchschnittsalter betrug 34 Jahre (SD= 14). Die Verteilung der Stichprobe über die Subgruppen Nie-Raucher (45%), Ex-Raucher (18%) und aktuelle Raucher (37%) entsprach weitgehend der Verteilung in der deutschen Bevölkerung. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die erwartete Reliabilität und Validität des SPI-D. Jüngere Personen und Personen mit höherer Bildung zeigten eine geringere Zustimmung zu ausgewählten regulierenden Maßnahmen. Die Zustimmung war stark abhängig vom Raucherstatus: Generell war sie am höchsten bei Nichtrauchern, geringfügig niedriger bei Ex-Rauchern und am niedrigsten bei aktuellen Rauchern. Bei aktuellen Rauchern wiederum war die Zustimmung positiv mit der Bereitschaft das Rauchen aufzugeben und den 24-Stunden-Abstinenzversuchen korreliert, jedoch negativ mit der Nikotinabhängigkeit. Im internationalen Vergleich fand sich in der deutschen Stichprobe eine vergleichsweise hohe Zustimmung zu einem Verbot von Tabakwerbung und zu Maßnahmen, die dem Schutz Minderjähriger dienen, während die Zustimmung zur Verstärkung von Aufklärungsmaßnahmen und Tabaksteuererhöhung vergleichsweise gering war. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse das SPI-D als ein geeignetes, praktikables und breit anwendbares Instrument für die Messung der Zustimmung zu Tabak regulierenden Maßnahmen. Die Zustimmungswerte legen nahe, dass in der deutschen Bevölkerung v.a. Maßnahmen zu Werbeeinschränkungen für Tabakprodukte und Maßnahmen zum Schutz Minderjähriger - vergleichsweise hohe Zustimmung finden würden - auch in der Subgruppe aktueller Raucher. Während bei Nie- und Ex-Rauchern die Zustimmungswerte gegenüber Maßnahmen zur Tabakregulation insgesamt vergleichsweise hoch waren, zeigten auch aktuelle Raucher verhältnismäßig hohe Zustimmungswerte zu Tabak regulierenden Maßnahmen, vor allem gegenüber Einschränkungen, die sie nicht direkt betreffen würden (Schutz von Minderjährigen, Werbeeinschränkungen etc). Einschränkungen in der Repräsentativität der Stichprobe mahnen jedoch zu einer vorsichtigen Interpretation der Ergebnisse.