Fehleranalyse der Diagnostik und Therapie testikulärer Keimzelltumoren

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland erstmals interdisziplinäre, konsensfähige, EBM-basierte Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des testikulären Keimzelltumors erarbeitet und publiziert. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit war es, den möglichen Benefit einer leitlinienkonformen Diagnostik und Ther...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Rossmanith, Sandra
Beteiligte: Heidenreich, A. (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Operative Medizin
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Im Jahr 2000 wurden in Deutschland erstmals interdisziplinäre, konsensfähige, EBM-basierte Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des testikulären Keimzelltumors erarbeitet und publiziert. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit war es, den möglichen Benefit einer leitlinienkonformen Diagnostik und Therapie auf die Rezidiv- und Heilungsraten von Patienten mit testikulären Keimzelltumoren herauszuarbeiten. Von 1989 bis 1999 wurden 234 Patienten mit einem Keimzelltumor des Hodens an der Urologischen Universitätsklinik Marburg behandelt. 181 (77%) der Patienten standen für ein aktuelles Follow-up zur Verfügung. Insgesamt wurden 218 Diagnostik- und Therapiefehler identifiziert. Bei 61% der Patienten wurden inadäquate Diagnostik- und Therapiemaßnahmen durchgeführt. 20% der Fehler entstanden in der Primärdiagnostik; der größte Teil der Fehler fiel hier auf das Fehlen einer Computertomographie des Thorax vor Behandlungsbeginn. In der unspezifischen Primärtherapie entstanden 62% der Fehler - größtenteils verursacht durch indizierte, jedoch nicht durchgeführte kontralaterale Hoden-Probeexzisionen. In der stadienspezifischen Therapie wurden 17% der Fehler begangen, hauptsächlich verursacht durch Abweichungen vom Chemotherapiestandard, durch Therapieverzögerungen, durch inadäquate Strahlentherapie oder durch ein unangemessenes Operationsverfahren. Die Seminome und Nichtseminome unterschieden sich bezüglich der stadienspezifischen Fehlerquote nur geringfügig. Die niedrigste Fehlerrate zeigte sich in der Therapie der frühen Stadien der Keimzelltumoren. Rezidive bildeten sich bei 7% der Patienten. 88% der Rezidive entstanden bei Patienten mit Therapiefehlern. Die Rezidive waren hauptsächlich in den retroperitonealen Lymphknoten lokalisiert. Metachrone bilaterale Keimzelltumoren entstanden bei 6% der Patienten, wobei 77% der Tumoren bei Patienten mit inadäquater Diagnostik und Therapie auftraten. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit machen deutlich, dass eine Vielzahl verschiedener Diagnostik- und Therapiefehler auftraten, sowohl in Form einer Untertherapie als auch in Form einer Übertherapie. Die Patienten mit inadäquaten Diagnostik- oder Therapiemaßnahmen waren in Hinblick auf die Rezidiventwicklung einem etwa fünffach erhöhtem Risiko, hinsichtlich der Ausbildung von metachronen Zweittumoren einem ca. zweiffach erhöhtem Risiko ausgesetzt. Die therapieassoziierten Nebenwirkungen der Übertherapie sind noch nicht abschliessend zu beurteilen, da sich unter Umständen Zweitmalignome noch nach Jahrzehnten entwickeln können. Trotz der geringen Mortalitätsrate (gesichert 2% der Patienten) liegt der Anteil an Diagnostik- und Therapiefehlern mit 61% sehr hoch. Gerade für die testikuläre Keimzelltumortherapie ist eine leitliniengetreue Behandlung von besonderer Bedeutung, da sich der Hodentumor zum einen durch gute Heilungschancen, zum anderen durch das junge Alter der Patienten von anderen malignen Erkrankungen unterscheidet. Die vorliegenden Ergebnisse legen die Schlußfolgerung nahe, dass sich sowohl die Rezidiv-, Zweittumor- und Mortalitätsrate als auch die therapieassoziierten Nebenwirkungen durch die konsequente Einhaltung der interdisziplinären, EBM-basierten Leitlinien zur Diagnostik und Therapie des testikulären Keimzelltumors verringern lassen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0863