Lymphknotenmetastasierung und Therapieresultate des muskelinvasiven Urothelkarzinoms der Harnblase

Im Rahmen der Dissertation wurde eine retrospektive Analyse von 196 Patienten mit einem Urothelkarzinom der Harnblase nach radikaler Zystektomie und pelviner Lymphadenektomie durchgeführt, um Prognosefaktoren für das Überleben zu identifizieren. Die Ergebnisse wurden bei einer mittleren Nachbeobach...

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Main Author: Weidemann, Christian
Contributors: Heidenreich, Axel (Professor Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2006
Operative Medizin
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Im Rahmen der Dissertation wurde eine retrospektive Analyse von 196 Patienten mit einem Urothelkarzinom der Harnblase nach radikaler Zystektomie und pelviner Lymphadenektomie durchgeführt, um Prognosefaktoren für das Überleben zu identifizieren. Die Ergebnisse wurden bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 53,5 Monaten evaluiert. Bei 53 Patienten wurden Lymphknotenmetastasen histologisch gesichert, das mittlere Alter dieser Gruppe betrug 66,1 Jahre. Im Mittel wurden beim Gesamtkollektiv 16,5 (1 bis 52) Lymphknoten entfernt, wobei insgesamt 35 Patienten eine ausgedehnte Lymphadenektomie erhielten. Die Daten der lymphknotenpositiven Fälle wurden weitergehend untersucht, für einzelne bekannte sowie neue Faktoren erfolgte eine statistische Analyse hinsichtlich der Überlebensfunktion. Ein signifikanter Einfluss auf das Überleben wurde für die Faktoren „Grösse der befallenen Lymphknoten“ (p=0,026), „pT-Klassifikation“ (p=0,002) sowie „Größe des Blasentumors“ (p=0,005), ein hochsignifikanter Einfluss für „Lymphknotenkapselperforation“ (p=0,0002) und „Lymphangiosis carcinomatosa“ (p=0,0028) nachgewiesen. In der multivariaten Analyse wurden die Parameter „Lymphknotenkapselperforation“ (p=0,010) und „Größe des Blasentumors“ (p=0,061) als signifikant identifiziert. Patienten mit extendierter Lymphadenektomie und Lymphknotenbefall überlebten im Mittel 66 Monate, ohne Ausdehnung des Dissektionsgebietes 41 Monate, ein signifikanter Einfluss wurde jedoch statistisch nicht nachgewiesen (p=0,246). Eine adjuvante Chemotherapie ergab keine signifikante Verbesserung des Überlebenszeitraums (p=0,215), wobei die Patienten aus der Gruppe mit Lymphknotenbefall und Chemotherapie im Mittel mit 54 Monaten länger überlebten, als diejenigen ohne adjuvante Behandlung mit 28 Monaten. Neben bekannten histopathologischen Parametern wurde für die extranodale Tumorausbreitung ein hochsignifikanter Einfluss auf das Überleben ermittelt. Mit diesem neuen prognostischen Faktor konnte ein Marker von immenser klinischer Bedeutung identifiziert werden. Dieser Parameter, sowie möglicherweise hinsichtlich Chemoresistenz auch molekulare Marker, könnte in Zukunft die Patientenselektion bezüglich Radikalität der Operation und Wahl der adjuvanten Therapie beeinflussen. Die radikale Zystektomie sollte mit einer beidseitigen pelvinen Lymphadenektomie erfolgen. Patienten mit organbegrenztem Tumor und Lymphknotenmikrometastasen können von einer extendierten Lymphadenektomie profitieren. Es resultiert eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens, jedoch nicht des Gesamtüberlebens. Begonnene prospektive Studien müssen den potenziell kurativen therapeutischen Stellenwert einer extendierten Lymphadenektomie klären und einen Standard für die Ausdehnung der pelvinen Lymphknotenentfernung definieren.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0583