Frederic Leightons Ausbildung unter Edward Jakob von Steinle an der Städelschule zu Frankfurt am Main

Frederic Leighton, der durch sein langjähriges Amt als Präsident der Royal Academy of Arts zweifellos einer der einflussreichsten Künstler der viktorianischen Ära war, nimmt insofern unter seinen Zeitgenossen eine Sonderstellung ein, als dass er seine gesamte künstlerische Ausbildung auf dem europäi...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Wippermann, Katharina
Beteiligte: Krause, Katharina (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2005
Kunstgeschichte
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Frederic Leighton, der durch sein langjähriges Amt als Präsident der Royal Academy of Arts zweifellos einer der einflussreichsten Künstler der viktorianischen Ära war, nimmt insofern unter seinen Zeitgenossen eine Sonderstellung ein, als dass er seine gesamte künstlerische Ausbildung auf dem europäischen Festland absolvierte. Besonders prägend waren dabei, laut eigenem Bekunden, die insgesamt vier Jahre an der Städelschule in Frankfurt. Insbesondere die zweite Phase, nach den Revolutionsunruhen, von 1850-52 unter dem neuberufenen Professor für Historienmalerei, Edward Jakob von Steinle, war für Leightons weitere künstlerische Entwicklung von großer Bedeutung. Die Verbundenheit zu Steinle setzt sich nicht nur in einem Briefwechsel der beiden Künstler, der sporadisch bis zu Steinles Tod 1886 anhält, fort, sondern äußert sich auch in Bekundungen Leightons gegenüber frühen Biographen und Journalisten. Die intensive Beziehung zwischen Lehrer und Schüler steht im Mittelpunkt der Dissertation. Betrachtet man jedoch die Oeuvre der beiden Künstler, muss die Frage gestellt werden, warum Leighton sich Zeit seines Lebens auf die Ausbildung bei Steinle berief. Steinle erhielt seine prägende Ausbildung in Rom bei Johann Friedrich Overbeck. Von Haus aus im katholischen Glauben erzogen, fand er in Rom in der Kunst der Nazarener die geeigneten Mittel, seinen Glauben auch in seiner Kunst zum Ausdruck zu bringen und dem Rezipienten zu vermitteln. Wenn er sich auch in den späten 1830er Jahren graduierlich vom linearen (Zeichen)Stil der Nazarener entfernte, finden sich auch in seinen späteren Werken immer noch einige prägnante Merkmale dieser Kunstrichtung. Am auffälligsten ist dabei die Wahl seiner Themen; zu Recht wurde er in einer ersten Biographie, die noch zu seinen Lebzeiten erschien, als ein "Madonnenmaler unserer Zeit" betitelt. Leightons Ausbildung hingegen verlief vielschichtiger. Nach seinem Weggang aus Frankfurt lebte er drei Jahre in Rom und studierte dort, in Florenz und Venedig in "Eigenregie" die Werke der italienischen Renaissance. Weitere vier Jahre verbrachte er in Paris, wo er sich für die zeitgenössische französische Kunst interessierte und diese Einflüsse auch (erfolglos) in seinem Werk umzusetzen versuchte. 1859 ließ er sich in London nieder. Neben der italienischen Renaissance, insbesondere die Werke Michelangelos, fließt in den Folgejahren auch die Kunst der griechischen Antike mit in Leightons Oeuvre ein. Der Einfluss Steinles ist, zumindest stilistisch, nicht mehr nachvollziehbar. Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in vier große Kapitel. Zunächst gibt es einen biographischen Teil zu Steinle, der die Quellen, in erster Linie den von seinem Sohn herausgegebenen Briefwechsel, erstmals auswertet. Die letzte biographische Abhandlung zu Steinle erschien 1916, eine Dissertation von 1992 beschäftigt sich lediglich mit einigen Zeichnungen des Künstlers, die für die Gedichte Clemens Brentanos entstanden. Diesem Kapitel wird im zweiten Teil die Biographie Leightons gegenübergestellt, mit besonderem Schwerpunkt auf seiner Zeit in Frankfurt und den danach entstandenen Briefen an Steinle. Dabei erfährt die Zeit nach 1865, in der der Einfluss Steinles auch durch den schwächer werdenden Briefwechsel merklich nachlässt, eine knappe Schilderung, zumal der Lebenslauf und das Oeuvre Leightons aus der Londoner Zeit durch die englische Forschungsliteratur hinlänglich erarbeitet wurde. Die beiden weiteren Kapitel beschäftigen sich dann ausführlich mit den Oeuvres der beiden Künstler, anhand ausgewählter Zeichnungen und Gemälden. Hierbei geht es vor allem darum, ob sich, wenn nicht thematische und stilistische Übereinstimmungen, technische oder kompositorische finden lassen. In der Zusammenfassung wird auch berücksichtigt, dass auch andere als künstlerische Gründe für Leighton ausschlaggebend gewesen sind, Steinle als den wichtigsten Einfluss seiner Laufbahn zu betrachten. So hat beispielsweise Leighton als äußerst engagierter Präsident der Royal Academy of Arts ein Interesse daran gehabt, in einer Zeit, in der die Akademien zusehends an Stellenwert innerhalb des künstlerischen Werdegangs verloren, für eine Ausbildung an einer schulischen Institution zu plädieren. Er selbst konnte sich dabei als bestes Argument einbringen, indem er seinen Lebenslauf hervorhob: vom Meisterschüler zum Präsidenten der Royal Academy of Arts und bis heute der einzige englische Künstler, dem die Baronteswürde verliehen wurde.