Lokale Pharmakotherapie mit NF-kB "decoy"-Oligonukleotiden zur Prophylaxe der Restenose nach PTA

Die hohen Restenoseraten von 30-50% limitieren den Erfolg von zunächst erfolgreich durchgeführten Ballonangioplastien. Dabei spielt die übermäßig starke Proliferation der in der Gefäßwand befindlichen vaskulären glatten Muskelzellen und die daraus folgende Hyperplasie der Intima die Hauptrolle bei d...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Krogmeier, Kerstin geb. Viehofer
Beteiligte: Alfke, Heiko PD Dr. (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2006
Radiologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Die hohen Restenoseraten von 30-50% limitieren den Erfolg von zunächst erfolgreich durchgeführten Ballonangioplastien. Dabei spielt die übermäßig starke Proliferation der in der Gefäßwand befindlichen vaskulären glatten Muskelzellen und die daraus folgende Hyperplasie der Intima die Hauptrolle bei der Pathogenese der Restenose. Zahlreiche Studien haben die Beteiligung des Transkriptionsfaktors NF-κB an diesem komplexen Pathomechanismus nachgewiesen. Ergebnisse von Studien in Zellkulturen und tierexperimentelle Studien zeigten, dass durch die Hemmung der NF-κB Aktivität die Neointimabildung reduziert werden kann. In dieser Arbeit sollte untersucht werden, ob durch die sequenzspezifische Blockade des Transkriptionsfaktors NF-κB mit decoy-Oligonukleotiden (ODN) die Hyperplasie der Neointima nach einer Ballonangioplastie gehemmt werden kann. Die Applikation der ODN erfolgte dabei lokal unter Verwendung eines channeled-balloon Katheters. In den in vitro-Vorversuchen wurde zunächst untersucht, ob man durch die Trans-fektion von vaskulären glatten Muskelzellen mit NF-κB-decoy-ODN mit Hilfe des Vektors Tfx-50 eine Proliferationshemmung erzielen kann. Dafür wurde zu einer Zellkultur aus je 8000 VSMC von Kaninchen ein Transfektionsreagenz aus 100 ng scrambled- bzw. decoy-ODN und 60 µl Tfx-50 gegeben. Nach einer Inkubationszeit von 24 Stunden wurde gemessen, inwiefern eine Proliferation der Zellen unter den jeweiligen Bedingungen stattgefunden hat. Die Hauptversuche wurden an 28 Weißen Neuseelandkaninchen durchgeführt. Zur Stenoseinduktion erfolgte im Bereich der A. iliaca externa eine Ballonangioplastie mit Intimadenudation. Gleichzeitig erhielten die Versuchtiere über neun Wochen, beginnend eine Woche vor der ersten Operation, eine 1%ige Cholesterinkost. Sechs Wochen nach der Intimadenudation wurden in der zweiten Operation lokal die ODN appliziert. Das Transfektionsreagenz setzte sich aus 60 µl Tfx-50 und 1 µg ODN in der Versuchsgruppe 1 bzw. 10 µg ODN in der Versuchsgruppe 2 zusammen und wurde zu einem Gesamtvolumen von 2 ml mit 0,9%iger NaCl-Lösung aufgefüllt. Die lokale Pharmakotherapie mit den decoy-ODN erfolgte über den channeled-balloon Katheter bei 2 atm auf der einen Seite der A. iliaca externa, jeweils kontralateral erfolgte die Applikation der scrambled-ODN. Für die Ballonangioplastie wurde ein Druck von 8 atm aufgewendet. Zur Auswertung der Präparate wurden die Versuchstiere vier Wochen nach der lokalen Intervention abgetötet. Morphometrisch wurden die Lumenfläche und die Neointimafläche bestimmt und das Intima/Media-Verhältnis berechnet. In den in vitro-Vorversuchen konnte eine sequenz-spezifische Hemmung der Proliferation der VSMC in vitro nachgewiesen werden. In der Gruppe, in der die Zellen mit NF-κB und Tfx-50 transfiziert worden waren, war die gemessene Zellmenge mit 49% verglichen mit der Kontrollgruppe, zu der keinerlei Reagenz hinzugefügt worden war, statistisch signifikant reduziert. Durch die ex vivo-Vorversuche wurde bestätigt, dass durch den channeled-balloon Katheter eine effiziente Applikation und die Transfektion der Zielzellen mit dem Transfektionsreagenz möglich ist. Bei den in vivo-Versuchen konnte hinsichtlich der Intimafläche zwischen den einzelnen Gruppen kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Bei der Versuchsgruppe 1, die mit 1 µg decoy-ODN behandelt worden war, betrug die Intimafläche 0,974 mm². Die Kontrollseite zur Versuchsgruppe 1 wies eine Neointima von 0,979 mm² auf. In der Versuchsgruppe 2 zeigten die mit 10 µg decoy-ODN behandelten Gefäße eine Neointimafläche von 0,973 mm². Die Kontrollseite wies 1,033 mm² auf. Auch der Vergleich der Lumenflächen und des Intima/Media-Verhältnisses der Versuchsgruppen erbrachte keine signifikanten Unterschiede. Die Ergebnisse der in vitro-Vorversuche ließen sich in vivo nicht bestätigen. Unter den genannten Bedingungen ließ sich in vivo kein inhibitorischer Effekt einer Therapie mit NF-κB decoy-ODN auf die Neointimabildung erkennen. Die lokalen Applikationsmodalitäten müssen weiter verbessert werden, um möglichst hohe Transfektionsraten zu gewährleisten.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2006.0056