Diagnostische Merkmale und Therapieergebnis bei stationär behandelten hyperkinetischen Kindern und Jugendlichen

Hintergrund/Ziel: Im Rahmen des steigenden Kostendrucks in der Medizin werden Maßnahmen zur Qualitätskontrolle immer wichtiger. In der vorliegenden Arbeit wird im Rahmen der Qualitätskontrolle/Evaluation der Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) der Philipps-Universität Marburg in eine...

Full description

Saved in:
Bibliographic Details
Main Author: Stevens, Birthe
Contributors: Mattejat, Fritz (Prof. Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2005
Nervenheilkunde
Subjects:
ODD
Online Access:PDF Full Text
Tags: Add Tag
No Tags, Be the first to tag this record!
Description
Summary:Hintergrund/Ziel: Im Rahmen des steigenden Kostendrucks in der Medizin werden Maßnahmen zur Qualitätskontrolle immer wichtiger. In der vorliegenden Arbeit wird im Rahmen der Qualitätskontrolle/Evaluation der Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) der Philipps-Universität Marburg in einer empirischen Katamnese-/Follow-up-Untersuchung eine klinisch (stationär und teilstationär) behandelte Stichprobe der Diagnosegruppe F90/Hyperkinetisches Syndrom von n=104 Patienten betrachtet. Es handelt sich um die erste umfassende Untersuchung einer solch klinisch behandelten Stichprobe, daher ist die Arbeit in erster Linie explorativ-deskriptiv gehalten. Einzelne aus der Literatur abgeleitete Hypothesen werden statistisch getestet. Die Patientenstichprobe stammt aus den in den 9 Jahren vom 1.01.1992 31.12.2000 in die Marburger Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommenen Patienten und wird mit weiteren Gruppen des gleichen Zeitraumes verglichen: Zum einen mit allen in diesem Zeitraum in die Marburger Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommenen Diagnosegruppen (Gesamtinanspruchnahme-population-GIP), zum anderen innerhalb der Gruppe der extraversiven Störungsbilder (Hyperkinetisches Syndrom (F90) und Störungen des Sozialverhaltens (F91, F92)). Hieran werden verschiedene Untergruppenvergleiche der Hyperkinetiker angeschlossen. Methode: Die verwendeten Daten stammen aus der allgemeinen Basisdokumentation sowie aus weiterführenden Erhebungen im Rahmen der Qualitäts-Evaluation der Klinik. Es gab vier Zeitpunkte, zu denen Daten erhoben wurden: Anfang und Ende der Behandlung, 4-6 Wochen (4-6-Wochen-Katamnese/Nachuntersuchung) und 1-1,5 Jahre (1-1,5Jahres-Katamnese) nach Entlassung der Patienten. Die Evaluationsinstrumente der Katamneseuntersuchungen waren jeweils in Vorstudien im Rahmen der Qualitäts-Evaluation in der Marburger Klinik entwickelt und getestet worden. Sie bestanden aus Telefoninterviews sowie der LISTE (Liste individueller Symptome zur Therapieevaluation)-Methodik zur Evaluation des Therapieerfolges. Insgesamt wurden Daten zu soziodemographischen Angaben/Umgebungsfaktoren, Komorbidität, Intelligenz- und Funktionsniveau, Therapie/Kooperation und Therapieerfolg erhoben. Der Gesamtdatensatz aus dem 9-jährigen Zeitraum wurde anhand von 5 Reduktionsstufen bereinigt: Die erste reduzierte die insgesamt 2910 stattgefundenen Episoden (Kliniksaufenthalte) auf einen Fall pro Patient , die weiteren gliederten den Gesamtdatensatz anhand der jeweils durchgeführten Erhebungen/vorhandenen Daten. Für den Vergleich der Hyperkinetiker mit den beiden anderen extraversiven Diagnosegruppen der Störungen des Sozialverhaltens (F91, F92) wurden durch Matchingverfahren gleich große Gruppen von je 91 männlichen Patienten der drei Störungsgruppen gebildet. Die drei durchgeführten Untergruppenvergleiche der Hyperkinetiker betrachteten die Hyperkinetiker jeweils 1) mit versus ohne komorbide Sozialverhaltensstörungen, 2) mit versus ohne komorbide umschriebene Entwicklungsstörungen und 3) mit versus ohne erhaltene Stimulantientherapie. Ergebnisse: Die betrachtete Stichprobe der Hyperkinetiker in der Marburger KJP stellt eine typische in der Literatur beschriebene Stichprobe dar. Zusätzlich zu den Literaturangaben fanden wir eine hohe Komorbidität dieser Kinder mit Enuresis und Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Bezüglich des Therapieerfolges schneiden die Hyperkinetiker kurzfristig gleich allen anderen Diagnosegruppen ab (85% gebessert geltende Patienten), langfristig jedoch eher schlechter entsprechend den Angaben in der Literatur. Innerhalb der Gruppe der extraversiven Störungsbilder schnitten entgegen unserer aus der Literatur abgeleiteten Hypothese zum Behandlungsende die Hyperkinetiker mit komorbiden Sozialverhaltensstörungen bezüglich des Therapieerfolges signifikant besser ab als die Sozialverhaltensgestörten (F91/F92) (83% als gebessert geltende Patienten versus 77,4%); zum Katamnesezeitpunkt gab es keine signifikanten Unterschiede (76% gebessert in allen Gruppen); hier zeigte sich überraschend die F91-Gruppe besser als bei Behandlungsende. Die gebildeten Untergruppen der Hyperkinetiker zeigten unabhängig von den jeweiligen Komorbiditäten erstaunlich gute (83% Besserung zum Behandlungsende) und stabile Therapieergebnisse, ein Vergleich der einzelnen Untergruppen untereinander war aufgrund zu kleiner Fallzahlen nicht möglich. Die mit Stimulantien behandelte Untergruppe erzielte zu beiden Katamnesezeitpunkten ein signifikant besseres Therapieergebnis als die nicht mit Stimulantien behandelte Gruppe. Schlussfolgerung: Die klinisch behandelte Gruppe der Hyperkinetiker in Marburg stellt eine typische in der Literatur beschriebene Gruppe der Hyperkinetiker dar, erzielt ein sehr gutes therapeutisches Ergebnis unabhängig von Komorbiditäten und ein stabiles Langzeitergebnis mit 76% gebesserten Hyperkinetikern, v.a. auch der schwerer gestörten Hyperkinetiker mit komorbiden Sozialverhaltensstörungen.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2005.0386