Immunhistologische Untersuchung von Fibronektin und Galektin-3 an humanen fetalen und adulten Augen

Einleitung: An der Lamina limitans interna (LLI), der strukturellen Grenzregion zwischen Glaskörper und Netzhaut, spielen sich pathologische Prozesse ab, wie zum Beispiel die Proliferation von Gefäßen im Rahmen der Proliferativen Diabetischen Vitreoretinopathie (PDVR). Das therapeutische Ziel bei di...

Ausführliche Beschreibung

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1. Verfasser: Löhr, Ulrike
Beteiligte: Maisch, Bernhard (Prof. Dr.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2004
Augenheilkunde
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Zusammenfassung:Einleitung: An der Lamina limitans interna (LLI), der strukturellen Grenzregion zwischen Glaskörper und Netzhaut, spielen sich pathologische Prozesse ab, wie zum Beispiel die Proliferation von Gefäßen im Rahmen der Proliferativen Diabetischen Vitreoretinopathie (PDVR). Das therapeutische Ziel bei diesen Erkrankungen ist die Trennung von Glaskörper und Netzhaut und wird derzeit nur durch das mechanische Verfahren der Pars-plana-Vitrektomie erreicht. Um dieses durch einfachere und möglicherweise komplikationsärmere enzymatische Verfahren zu ersetzen, muss die Zusammensetzung der LLI sowie der Effekt des Enzyms auf diese Schicht bekannt sein. Material und Methoden: In der vorliegenden Arbeit wurden deshalb die Verteilung der Adhäsionsmoleküle Fibronektin und Galektin-3 im menschlichen Auge immunhistochemisch untersucht. Dabei wurden adulte und fetale Augen verglichen, weil sich die Lokalisation von Gefäßproliferationen (ausgelöst durch VEGF) in diesen Altersgruppen unterscheidet. Um die Effekte der Serinprotease Plasmin auf die LLI zu untersuchen, injizierten wir dieses Enzym an Spenderaugen intravitreal. Veränderungen unter den Bedingungen des Zusammenbruchs der Blut-Retina-Schranke (wie bei der PDVR) wurden an Augen mit einem uvealen Melanom betrachtet. Ergebnisse: Bei den erwachsenen Augen waren Linsenkapsel, Glaskörperkortex, Netzhautgefäße sowie LLI Fibronektin-positiv. In der LLI zeigte sich eine bandförmige Markierung von Fibronektin, die nach innen glatt und nach außen unregelmäßig begrenzt war. Dieses Band verdünnte sich über den großen Netzhautgefäßen, an der Papille sowie zur Peripherie hin und wurde in den posterioren Abschnitten, wo es besonders dick war, zu einer Doppelschicht (n=13/19). Trotz Plasmin-Behandlung blieb Fibronektin nachweisbar. Ein spezifischer Effekt der Serinprotease war nur an den vorher eingefrorenen Augen festzustellen: Glaskörper und LLI waren abgehoben, die Netzhaut teilweise zerstört und die Gefäße herausgelöst. Bei den nicht eingefrorenen Augen zeigte sich kein Effekt. 78 In den fetalen Augen wurde Fibronektin in Linsenkapsel, primärem und sekundärem Glaskörper sowie Gefäßwänden markiert. Im Bereich der LLI zeigte sich nur in einem fetalen Auge (22. SSW) eine Fibronektin-positive Anreicherung. Bei den Augen mit einem uvealen Melanom markierte der Fibronektin- Antikörper eine verdickte LLI und Anreicherungen in den darunter liegenden Netzhautschichten. Der entscheidende Befund bei den Galektin-3-Untersuchungen an den adulten Augen war die intensive Markierung der peripheren Netzhaut, während das Lektin in den zentralen Anteilen nur in den Epithelzellen der Gefäße nachweisbar war. Die LLI wurde nicht markiert. Bei den fetalen Augen zeigte sich mit Ausnahme von Galekin-3-positiven Zellverbänden in einem Auge keine Anfärbung der Netzhaut. In der adulten Linse wurde die Linsenrinde und bei den fetalen Augen auch der Linsenkern markiert, nicht jedoch die Kapsel. Diskussion: Fibronektin ist Bestandteil der LLI von adulten Augen und nimmt hier wahrscheinlich eine Brückenfunktion zwischen der extrazellulären Matrix des Glaskörpers und den Müllerzellen der Netzhaut ein. Bei Störung der Blut- Retina-Schranke verdickt sich die Fibronektinschicht und kann somit als Leitstruktur für die Migration von Zellen dienen, durch die z.B. eine PDVR entstehen kann. Mit der Serinprotease Plasmin soll diese Leitstruktur zerstört werden, um Neovaskularisationen vorzubeugen. Nach der Vorbehandlung mit diesem Enzym blieb Fibronektin jedoch nachweisbar, so dass Plasmin alleine offenbar nicht ausreicht, um die LLI zu zerstören. Vielmehr muss eine künftige Therapie dem komplexen Mechanismus der Anheftung von Glaskörper und Netzhaut entsprechend an verschiedenen Stellen ansetzen. So fand sich am Ort der besonders festen Adhäsion, der Glaskörperbasis, das multifunktionelle Protein Galektin-3. Dessen adhäsive Eigenschaften können durch Galaktose oder Laktose gehemmt werden. Ein möglicher Effekt auf die vitreoretinale Adhäsion sollte deshalb untersucht werden. Ebenso müssen künftige Studien zeigen, ob durch eine Spülung mit diesen Monosacchariden der Nachstar nach Kataraktchirurgie verhindert wird, weil so die Anheftung der Linsenepithelzellen an die Galektin-3 enthaltende Linsenkapsel inhibiert werden könnte.