Autonomes Nervensystem und Immunabwehr: Bedeutung der noradrenergen Innervation für die Migration von Splenozyten in die Milz

Sowohl "naive" wie auch "memory" T-Lymphozyten verweilen bei allen Säugetieren nur kurz im Blutkreislauf und wandern in lymphatisches und nicht-lymphatisches Gewebe ein. Bei sekundären Immunorganen geschieht dies über Blut- und Lymphgefäße, bei der Milz ausschließlich über die Bl...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Trudewind, Mirjam
Beteiligte: Rogausch, Heiner (PD Dr. med.) (BetreuerIn (Doktorarbeit))
Format: Dissertation
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2004
Normale und Pathologische Physiologie
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
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Beschreibung
Zusammenfassung:Sowohl "naive" wie auch "memory" T-Lymphozyten verweilen bei allen Säugetieren nur kurz im Blutkreislauf und wandern in lymphatisches und nicht-lymphatisches Gewebe ein. Bei sekundären Immunorganen geschieht dies über Blut- und Lymphgefäße, bei der Milz ausschließlich über die Blutbahn, hier spielt die Regulation der Milzdurchblutung eine zentrale Rolle für die Zellaufnahme. Eine Tatsache, die besondere Bedeutung bekommt, da die Milz pro Tag etwa die gleiche Menge von Lymphozyten aufnimmt, wie alle lymphatischen Gewebe zusammengenommen, die durch den ductus thoracicus drainiert werden. Diese Arbeit untersucht zwei Aspekte der Emigration in die Milz : einerseits wird der Einfluss der Innervation und damit der Regulation der Durchblutung und andererseits der Einfluss von bakteriellem Endotoxin (LPS von e. coli) und damit die Bedeutung einer Immunstimulation der Milz auf die Zellaufnahme geprüft. Die noradrenerge Innervation der Milz adressiert in erster Linie die glatte Gefäßmuskulatur, (60 - 80% der Fasern erreichen diese, 20-30% gehen an T-Zellen der weißen Pulpa), die Bedeutung des Blutkreislaufs für die Zirkulation von Zellen wird durch diese Experimenten reflektiert. Zu den Wirkungen von bakteriellem Endotoxin gehört die Stimulation Lymphozyten, die Produktion von Interleukin-1 (IL-1ß) und die Heraufregulation von Adhäsions-molekülen, hier wird die Bedeutung von lokalen molekularen Faktoren widergespiegelt. Die Untersuchungen fanden an narkotisierten WKY-Ratten statt, bei denen die Aufnahme von fluoreszenzmarkierten Splenozyten aus dem Blut in die Milz über maximal 24 Stunden gemessen wurde. Die hauptsächlichen Ergebnisse sind: 1. Die Stimulation des Empfängertieres mit LPS 6 Stunden vor der Injektion von markierten Spenderzellen führt zu einer signifikant erhöhten Aufnahme von Leukozyten. 2. Nach lokaler Ausschaltung der noradrenergen Innervation durch chirurgische Durchtrennung des Milznerven kommt es ebenfalls zu einer signifikant erhöhten Zellaufnahme; diese kommt der Aufnahme nach Immunstimulation gleich. 3. Nach genereller Ausschaltung der sympathisch-noradrenergen Übertragung durch Entleerung der präsynaptischen vesikulären Speicher mittels Reserpin kommt es zu einer signifikant geringeren Aufnahme von Leukozyten im Vergleich zu den Kontrollen. 4. Die Milzdurchblutung ist nach LPS- Stimulation und lokaler Denervierung auf das 2,5 fache der Ruhedurchblutung gesteigert, die Durchblutung anderer parenchymatöser Organe und das HMV bleiben unverändert. Bei systemischer Denervierung wird die Durchblutung auch in anderen parenchymatösen Organen erhöht, der prozentuale Anteil der Milzdurchblutung am HMV ist gleich oder sogar geringer als unter Kontrollbedingungen. 5. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine vermehrte lokale Durchblutung und das damit verbundene erhöhte Zellangebot die Zellaufnahme in die Milz fördern. Eine generelle Vasodilatation dagegen führt zu einer Umverteilung auf Kosten der Milzdurchblutung und wirkt sich nachteilig auf die Zellaufnahme in dieses Organ aus. Die Ergebnisse zeigen, dass neben lokalen molekularen Mechanismen auch hämodynamische Faktoren wesentlich an der Regulation der Aufnahme von Leukozyten aus dem Blut in die Milz beteiligt sind. 6. Die Bedeutung von Adhäsionsmolekülen und von Chemokinen für den Mechanismus der Zellemigration werden nicht in Frage gestellt; jedoch wird die Bedeutung der autonomen Regulation für die Definition der Rahmenbedingungen, unter denen molekulare Mechanismen wirksam werden können, herausgestellt.