Intervention bei der Lese-Rechtschreibstörung- Entwicklung und Evaluation eines phonologischen Trainingsprogramms für rechtschreibschwache Grundschüler der 2. bis 4. Klasse

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Erprobung (Evalu-ation) eines Rechtschreibtrainingsprogramms auf phonologischer Basis für Grund-schüler der zweiten bis vierten Klasse mit einer Rechtschreibstörung. Anhand der aktuellen Forschungsliteratur wurde die Bedeutung des Begr...

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Main Author: Seidler, Tobias
Contributors: Schulte-Körne, G. (PD Dr.) (Thesis advisor)
Format: Dissertation
Language:German
Published: Philipps-Universität Marburg 2003
Nervenheilkunde
Subjects:
Online Access:PDF Full Text
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Description
Summary:Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Erprobung (Evalu-ation) eines Rechtschreibtrainingsprogramms auf phonologischer Basis für Grund-schüler der zweiten bis vierten Klasse mit einer Rechtschreibstörung. Anhand der aktuellen Forschungsliteratur wurde die Bedeutung des Begriffs der phonologischen Bewusstheit, der für eine Vielzahl vor allem lautanalytischer und lautsynthetischer Fähigkeiten verwendet wird, für den Erwerb schriftsprachlicher Kompetenzen herausgearbeitet. Danach weisen Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung bedeutsame Defizite im Bereich der phonologischen Bewusstheit auf, wie auch vorschulische Leistungen der phonologischen Bewusstheit eine Vorhersage späterer Lese- und Rechtschreib- leistungen erlauben. Des weiteren kann durch ein vorschulisches Trainieren phono-logischer Fähigkeiten der Schriftspracherwerb günstig beeinflusst werden. In Inter-ventionsstudien, die die Anwendung eines Trainings von phonologischer Bewusst-heit bei bereits bestehender Lese-Rechtschreibstörung untersuchten, konnten über-wiegend positive Effekte auf die phonologischen Fähigkeiten erzielt werden, wo-hingegen die Literatur zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich eines Effektes auf die Lese- und Rechtschreibfähigkeit gelangt. Uneinheitlich sind die Ergebnisse der Forschung auch im Hinblick auf die Frage, welche Teilfertigkeiten der phonolo-gischen Bewusstheit bei Interventionen besonders effektiv sind und zu einem Trans-fereffekt auf die Lese- und Rechtschreibleistung führen. Erfolgreich konnte in eini-gen Interventionsstudien ein Training der rhythmischen Silbengliederung, die als phonologische Teilfertigkeit aufgefasst wird, angewendet werden. Ein möglicher Effekt auf die Lese- und Rechtschreibleistung soll in der vorliegen-den Arbeit näher untersucht werden. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein phonologisches Trainingsprogramm entwickelt, das sich aus zwei inhaltlichen Schwerpunkten zusammensetzt. Der erste Teil des Programms besteht aus Trainingsaufgaben zu verschiedenen Teilaspekten der pho-nologischen Bewusstheit (z.B. Lautetrennen, Lautezählen, Lauteverbinden, An-fangs- und Endlauterkennen). Im zweiten Teil wird, inhaltlich aufbauend auf einem bereits vorliegenden Trainingsprogramm nach Reuter-Liehr, das Silbengliedern ge-übt und auf das Rechtschreiben übertragen. Das Programm wurde über einen Zeitraum von 12 Wochen mit einer Gruppe von 10 rechtschreibschwachen Grundschülern (3 Mädchen, 7 Jungen) im Alter zwischen 8,8 und 10,2 Jahren in einem Einzeltraining an zwei Tagen in der Woche jeweils 45 Minuten lang durchgeführt. Für die Aufnahme der Kinder in die Studie musste eine anhand eines IQ-Diskrepanz-Kriteriums diagnostizierte Rechtschreibstörung vorliegen. Die Leseleis-tung wurde als Aufnahmekriterium nicht berücksichtigt. Des weiteren durfte keine psychiatrische Erkrankung oder ein Defizit im Hören oder Sehen vorliegen. Als Messvariablen wurden im Vor- und Nachtest phonologische Fähigkeiten, Lesen, Rechtschreiben und die subjektive Selbsteinschätzung der Kinder erfasst. Weiterhin wurde die nach dem Training erlangte Silbierungsfähigkeit und die Motivation wäh-rend des Trainings erhoben. Die Untersuchung erbrachte folgende Ergebnisse. Die Gruppe der trainierten Kinder konnte sich nach dem Training in den einzelnen Teilbereichen der phonologischen Bewusstheit signifikant verbessern. Für das Lesen konnte keine signifikante Verbesserung nachgewiesen werden und im Rechtschrei-ben zeigte sich sogar eine geringgradige Verschlechterung. Diejenigen Kinder, die während des Trainings besonders gut das Silbieren lernten, zeigten größere Verbesserungen der Variablen Lesen und Nichtwortlesen als die schlecht silbierenden Kinder. Die hochmotivierten Kinder zeigten bessere Ausgangsleistungen und größere Ver-besserungen der Variablen Phonologie, Rechtschreibung, Lesen und Nichtwortle-sen. Der Leidensdruck der Kinder bezüglich der Lese-Rechtschreibstörung war nach dem Training signifikant geringer als vor der Intervention. Die dargestellten Ergebnisse wurden im Kontext der Forschungsliteratur diskutiert und es wurde ein Ausblick auf zukünftige Forschungsarbeiten gegeben.
Physical Description:90 pages.
DOI:https://doi.org/10.17192/z2003.0309