Disappearing Ambivalence? Representations of Intersexuality in North American Medical Television Dramas

Throughout modern American medical history, a tremendous amount of energy has been invested in policing and erasing bodies that have challenged the prevalent model of gender binarism by their sheer indeterminacy. As a result of this, these troubling intersex bodies have almost disappeared from the A...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
1. Verfasser: Whybrew, Simon Daniel
Format: Arbeit
Sprache:Englisch
Veröffentlicht: Philipps-Universität Marburg 2015
Anglistik und Amerikanistik
Ausgabe:http://dx.doi.org/10.17192/ed.2015.0001
Schlagworte:
Online Zugang:PDF-Volltext
Tags: Tag hinzufügen
Keine Tags, Fügen Sie den ersten Tag hinzu!
Inhaltsangabe:
  • Im Verlauf der jüngeren Geschichte investierte die amerikanischen Medizin enorme Energien in die Überwachung und die schlussendliche Verschleierung von Körpern, die das vorherrschende Modell der Zweigeschlechtlichkeit durch ihre Ambivalenz infrage stellten. In Folge dieser Anstrengungen verschwanden solche herausfordernden Körper fast vollständig aus dem amerikanischen Alltagsbewusstsein und somit auch aus der amerikanischen Kulturlandschaft. Jedoch erlangte die Diskussion über Intersexgeburten und Intersex-Rechte seit dem Beginn der Neunzigerjahre durch die wachsende Intersexbewegung neue Bedeutung. Während dieser Zeit entwickelte sich ein noch nie dagewesenes Medieninteresse für das Thema Intersexualität. Im Jahr 1996 setzte sich die US Medizinserie Chicago Hope als erste Sendung dieser Art mit der medizinischen Reaktion auf die Geburt von Intersexkindern und mit deren Behandlung auseinander. Seit diesem Zeitpunkt hat sich fast jede bekanntere Medizinsendung in zumindest einer ihrer Folgen mit dieser Thematik beschäftigt. Die vorliegende Arbeit untersucht ebendiese kulturellen Repräsentationen zwischen 1996 und 2014. Dieser Betrachtung liegt die Annahme zu Grunde, dass die Darstellungen von Intersexualität in diesen TV-Sendungen deshalb eine so besondere Bedeutung erhalten, weil diesen Sendungen aufgrund der gesellschaftlichen Diskurse eine Aura der medizinischen Kompetenz zuteil wird, die es ihnen entweder erlaubt, die marginalisierte und pathologisierte Stellung von Intersexualität infrage zu stellen – und mit ihr das heteronormative Geschlechtersystem, welches dieser zugrunde liegt – oder diese weiter zu forcieren. Folglich untersucht diese Masterarbeit die Intersektionen zwischen der medizinischen Autorität dieser Sendungen, ihrer Darstellung von Intersexualität, Heteronormativität und die aus diesen resultierenden Effekte. So ergründet diese Arbeit, ob und in welchem Maße die Darstellungen von Intersexualität in den verschiedenen Sendungen den marginalisierten und pathologisierten Status von Intersex-Menschen und mit ihm Heteronormativität entweder infrage stellt oder verstärkt. Ferner untersucht sie die Frage, inwiefern sich als Folge der Aktivitäten der Intersex-Bewegung und durch Veränderungen im medizinischen Behandlungsparadigma für Intersexualität, im Laufe diese Jahre ein Entwicklungsprozess in der Darstellungen von Intersexualität identifizieren lässt. Um dies zu ergründen, werden frühe Darstellungen von Intersexualität in Chicago Hope und ER, sowie Sendungen wie Grey’s Anatomy, die der Publikation des „Consensus Statement on Managment of Intersex Disorders“ vorausgehen, verglichen mit solchen Sendungen wie Private Practice, House, M.D. und Saving Hope, die auf diese folgten. In diesem Prozess ergründet diese Arbeit, ob die Darstellung von Intersexualität während dieser beiden Zeitabschnitte das traditionelle Behandlungsparadigma infrage stellt und mit ihm die Praxis, Intersex-Menschen heteronormative Standards aufzuzwingen, oder ob sie lediglich ein Beispiel für das sind, was Judith Butler als „high het entertainment“ bezeichnet hat. Um dies zu zeigen, nutzt die Arbeit das Konzept der Heteronormativität zusammen mit Judith Butlers Theorie der Gender Performanz, des „high het entertainment“ und Michel Foucaults Konzept des „medizinischen Blicks“ (medical gaze). In diesem Sinne zeigt sie, dass diese Sendungen das dekonstruktivistische Potential von Intersexualität nicht nutzen. Stattdessen benutzen sie während der ersten Periode ihre medizinische Autorität, um Intersexualität als pathologische Abweichung von der Norm darzustellen, heteronormative Standards zu stützen und sie Intersex-Patent*innen aufzuzwingen. Die Sendungen, die auf das „Consensus Statement“ folgen, zeichnen sich zwar zunehmend durch eine Skepsis gegenüber dem traditionellen Behandlungsparadigma aus, aber sie perpetuieren nichtsdestotrotz normative Zweigeschlechtlichkeit und biologischen Determinismus. Ferner vermitteln sie ein verzerrtes Bild der Geschichte der medizinischen Behandlung von Intersexkindern. Daher sind auch diese späteren Episoden – ähnlich wie ihre Vorgänger – Beispiele für ‚high het entertainment’.