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Titel:Untersuchung des Einflusses von Depression, Demenz und postoperativen Delir auf die Länge der Hospitalisationsphase bei proximalen Femurfrakturen
Autor:Dammshäuser, Jelena
Weitere Beteiligte: Frink, Michael (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr:2019
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2019/0369
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2019-03693
DOI: https://doi.org/10.17192/z2019.0369
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Research on the influence of depression, dementia and postoperative delir on the length of hospital stay with proximal femur fractures.

Dokument

Schlagwörter:
postoperative delir, Delirium, Demenz, Hospitalisationsphase, length of hospital stay, postoperatives Delir, Krankenhausaufenthalt, Hip fracture, Verweildauer, dementia, Depression, proximale Femurfraktur, depression, proximal femur fractures, Oberschenkelbruch

Zusammenfassung:
Einleitung: Die geriatrische proximale Femurfraktur ist und bleibt in Deutschland mit jährlich fast 100.000 Fällen und jeweils durchschnittlichen Kosten von fast 9000€, eine große medizinische und sozioökonomische Belastung. Mit durchschnittlich 14 Tagen stationärem Aufenthalt und häufig darauffolgendem Verlust der Autonomie und verminderten motorischen Funktionen, verursacht sie bei den Betroffenen eine große emotionale und körperliche Belastung. In dieser prospektiven Studie wurde der medizinisch frühestmögliche Entlasszeitpunkt mit dem tatsächlichen Entlasszeitpunkt verglichen. Neben weiteren patienten- und frakturbezogenen Faktoren wurde untersucht, welchen Einfluss die Erkrankungen Demenz und Depression und die häufig auftretenden postoperativen deliranten Symptome auf den frühestmöglichen und den tatsächlichen Entlasszeitpunkt haben. Methoden: Insgesamt wurden 135 Patienten (99 weiblich; 36 männlich), die innerhalb eines Jahres im Universitätsklinikum Marburg operativ versorgt wurden, untersucht. Zur Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten wurde der MMST einmalig erhoben. Es erfolgte eine Abfrage von depressiven und ängstlichen Symptomen mittels HADS-D. Neben der täglichen Dokumentation der allgemeinen Parameter wurde die medizinisch frühestmögliche Entlassfähigkeit eingeschätzt. Ergebnisse: Im Vergleich des medizinisch frühestmöglichen (10,7 Tage; ± 5,1) zu dem tatsächlichen Entlasszeitpunkt (14,4 Tage; ± 5,1) zeigte sich eine hochsignifikante Differenz von 3,7 Tagen (± 3,7; p = < 0,001). Bei 5,2 % der Patienten kam es nach dem frühestmöglich bestimmten Entlasszeitpunkt zu interventionsbedürftigen Komplikationen. Beim HADS-D zeigten ca. 74 % der Patienten ein unauffälliges Ergebnis, 14 % eine mögliche und 12 % eine wahrscheinliche Angst- oder depressive Störung. Es konnte lediglich eine leichte Korrelation (0,222; p = 0,014) mit dem frühestmöglichen Entlasszeitpunkt festgestellt werden. Im MMST zeigte sich eine durchschnittliche Punktzahl von 23,1. Bei 39 % der Patienten gab es keine, bei 38 % eine leichte und bei 23 % eine mittlere bis schwere kognitive Einschränkung. Mit zunehmendem Alter konnte eine abnehmende Punktzahl im MMST, eine abnehmende Differenz zwischen frühestmöglichem und tatsächlichem Entlasszeitpunkt und eine Zunahme der verhältnismäßigen Häufigkeit der Aufnahmen aus oder die Verlegungen in ein Pflegeheim ermittelt werden. Statistisch konnte ein signifikanter Einfluss (0,177; p = 0,03) der MMST-Punktzahl bei dem Frakturtypen AO B2 (0,217; p = 0,01) auf die Verlängerung der relativen Verweildauer gezeigt werden. Bei 11 % der Patienten wurden postoperative delirante Symptome dokumentiert. Die Patienten mit entsprechenden Symptomen waren mit einem mittleren Alter von 84,4 Jahren älter und mit einem durchschnittlichen MMST von 18,4 Punkten, kognitiv eingeschränkter als das Gesamtkollektiv. Diskussion: Der Vergleich des frühestmöglichen mit dem tatsächlichen Entlasszeitpunkt wies im Mittel eine signifikante Differenz von 3,7 Tagen auf. Die Untersuchungen mittels MMST und HADS-D zeigten, dass eine beträchtliche Anzahl an Patienten an einer kognitiven Beeinträchtigung und/oder möglichen Angstund/oder depressiven Störung litten. Die in dieser Studie untersuchten Parameter konnten nicht als ausreichende Einflussfaktoren für eine relative Verlängerung der Verweildauer identifiziert werden. Es besteht der Verdacht, dass neben noch unbekannten Faktoren die bürokratischen Prozesse zur Entlassung und zur Genehmigung einer weiterführenden Behandlung und die anschließende Organisation der Verlegung in eine entsprechende Einrichtung maßgeblich zu der relativen Verlängerung des Aufenthaltes führen. In zukünftigen Studien sollten die Dauer und Abläufe dieser Prozesse dokumentiert und untersucht werden, um deren Einfluss auf die Verweildauer klären zu können. Als Folge könnte das Entlassmanagement effizienter und individueller auf den Patienten abgestimmt werden und hierdurch eine Reduktion des stationären Aufenthaltes mit den dadurch verbundenen Kosten und den emotionalen Belastungen für den Patienten erzielt werden.

Summary:
Introduction: With almost 100,000 cases per year and an average cost of almost 9,000 € per patient, geriatric proximal femur fractures remain to be a major medical and socioeconomic burden in Germany. These injuries cause severe emotional and physical strains. This happens mainly due to the average length of inpatient stay of 14 days, the frequent and subsequent loss of autonomy as well as reduced motor functions. In this prospective study, the earliest medical discharge date was compared with the actual discharge date. Additionally, the influence of patient- and fracture-related factors, as well as dementia, depression and postoperative delirious symptoms on the earliest possible and the actual discharge time point were investigated. Methods: A total of 135 patients (99 female, 36 male) surgically treated within a twelve months period at the University Hospital Marburg, were included. The cognitive abilities were evaluated by the MMSE. Depressive and anxious symptoms were measured by applying the HADS-D. In addition to the daily documentation of general parameters, the earliest possible medical discharge was assessed. Results: A highly significant difference of 3.7 days (± 3.7, p = < 0.001) was identified by comparing the earliest possible medical date of discharge (10.7 days, ± 5.1) with the actual discharge date (14.4 days, ± 5.1). About 5.2 % of all patients showed complications requiring intervention after the earliest possible discharge date. In HADS-D, approximately 74 % of all patients revealed an inconspicuous result, 14 % a possible and 12 % a probable anxiety or depressive disorder. Only a slight correlation (0.215, p = 0.018) between HADS-D and the earliest possible discharge date was found. The MMSE showed an average score of 23.1. 39 % of the patients had no, 38 % had a slight and 23 % had a medium to severe cognitive impairment. With increasing age, a decreasing score in MMST and a decreasing difference between earliest possible and actual discharge time point, was determined. Furthermore, an increase in the relative frequency of inclusions or the transfers to a nursing home has been identified. A significant influence (0.177, p = 0.03) of the MMSE score and the fracture type AO B2 (0.217, p = 0.01) on the extension of the relative discharge time was depicted. Postoperative delirious symptoms were documented in 11 % of patients. Patients with corresponding symptoms were older with a mean age of 84.4 years and with a mean MMSE of 18.4 points, cognitively more restricted than the overall collective. Discussion : The comparison of the earliest possible with the actual discharge date showed a significant difference of 3.7 days. Applying MMSE and HADS-D revealed that a considerable number of patients suffered from cognitive impairment and/or possible anxiety and/or depressive disorder. The parameters investigated in this study could not be identified as sufficient factors for a relative prolongation of the residence time. Assuming that besides unknown factors, bureaucratic processes during the approval of a continuing stationary institution and the subsequent organization for the transfer in an appropriate facility are considerably for the relative prolongation of the in-patient time. In future studies, the duration and drains of these processes should be documented and examined, in order to clarify their influence on the length of the stay. As a consequence, the discharge management could be adjusted to be more efficiently and tailored to the individual needs of the patient. This could result in a reduction of stationary stay with associated costs and a reduced emotional burden for patients.


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