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Titel:Assoziation der Cortisolkonzentration im Haar mit der Entwicklung von Symptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Vorschulalter
Autor:Ruhl, Isabelle
Weitere Beteiligte: Pauli-Pott, Ursula (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr:2019
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2019/0293
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2019-02939
DOI: https://doi.org/10.17192/z2019.0293
DDC:610 Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Association between hair cortisol concentration and development of attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) symptoms in preschool years

Dokument

Schlagwörter:
Vorschulalter, HPA axis activity, Haarcortisol, Haarcortisol, Vorschulalter, preschool age, ADHD, Cortisol, hair cortisol concentration, ADHS, ADHS

Zusammenfassung:
Hintergrund: In vorausgehenden Studien zeigten sich bezüglich des Zusammenhangs der Aktivität und Reaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHN-Achse) und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. Externalisierungsverhalten besonders im Vorschulalter keine einheitlichen Ergebnisse. In einigen Studien konnten bei Kindern mit ADHS geringere Basalcortisolwerte beobachtet werden. Es wurde vermutet, dass eine geringe Basalcortisolkonzentration ein Biomarker der ADHS ist und daher der sich im Vorschulalter zunehmend etablierenden Symptomatik zeitlich vorausgehen könnte. Die Haarcortisolkonzentration, die die HHN-Achsen-Aktivität valide misst, wurde jedoch nach derzeitigem Stand in diesem Kontext bisher nicht verwendet. Es wurde die Hypothese untersucht, dass die kindliche Haarcortisolkonzentration im Alter von vier Jahren einen Anstieg der ADHS-Symptome über einen zwölf-monatigen Verlauf zwischen dem Alter von vier und fünf Jahren vorhersagt. In weiteren Hypothesen wurden die Haarcortisolkonzentrationen auch bezüglich der Symptomentwicklung der Unaufmerksamkeits-Symptome sowie der Hyperaktivität-Impulsivitäts-Symptome beobachtet. Es wurde auch geprüft, ob die Cortisolkonzentration im Haar zwischen vier und fünf Jahren stabil war. Methode: Die Stichprobe bestand aus n=125 vierjährigen Kindern und deren Familien (inklusive n=64 Kindern mit einer erhöhten ADHS-Symptomatik). Die Kinder wurden an zwei Zeitpunkten untersucht – zuerst im Alter von vier Jahren und anschließend zwölf Monate später im Alter von fünf Jahren. Die ADHS-Symptome wurden mit einem strukturierten klinischen Interview mit der Mutter und mit Fragebögen, die sowohl von Eltern als auch Erziehern ausgefüllt wurden, erhoben. Die Langzeit-Cortisol-Ausschüttung wurde durch die Haarcortisolkonzentration gemessen. Dazu wurde eine Haarprobe von drei Zentimetern des Kopfhaares entnommen. Dies repräsentiert die Cortisolausschüttung über einen Zeitraum von drei Monaten. Eventuelle Komorbiditäten wurden mit Fragebögen erhoben. Die Forschung für diese Dissertation wurde von Prof. Dr. Katja Becker und Prof. Dr. Ursula Pauli-Pott mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG, Be2573/3-1,2) gefördert. Ergebnisse: Die Cortisolkonzentration im Haar war zwischen vier und fünf Jahren stabil. Nach der Kontrolle von mütterlichem Bildungsniveau, Geschlecht des Kindes, ADHS-Symptomen im Alter von vier Jahren, oppositionellem Verhalten und Haarwaschfrequenz sagte eine geringe Haarcortisolkonzentration einen Anstieg der ADHS-Symptome zwischen dem Alter von vier und fünf Jahren voraus. Eine geringe Haarcortisolkonzentration konnte zwar nicht die Entwicklung der Unaufmerksamkeits-Symptome zwischen vier und fünf Jahren voraussagen, aber einen signifikanten Anstieg der hyperaktiv-impulsiven Symptome. Schlussfolgerungen: Eine geringe Haarcortisolkonzentration könnte auf eine ADHS-bezogene neurobiologische Abweichung hindeuten, bevor die phänotypisch komplexen Verhaltensweisen der Erkrankung im Verlauf auftauchen. Somit wäre eine geringe Haarcortisolkonzentration als Biomarker und früher Prädiktor der ADHS-Symptomentwicklung in Betracht zu ziehen.

Summary:
Background: Previous research on the association between hypothalamic-pituitary-adrenal (HPA) axis activity and ADHD/externalizing symptoms yielded inconsistent results particularly in preschool years. Some studies observed lower basal cortisol levels in children with ADHD. It has been suggested that a low concentration of basal cortisol is a biomarker of ADHD. ADHD becomes increasingly prevalent in preschool age and it has been assumed that low basal cortisol level may precede the manifestation of ADHD. The hair cortisol concentration (HCC) which has been shown to validly reflect HPA axis activity, however, has not yet been used in this context. We hypothesized that the children’s HCC at the age of four years predicts an increase in ADHD symptoms across a twelve months period between the age of four and five years. Further hypotheses pertained to the prediction of the development of the inattentive symptoms as well as symptoms of hyperactivity-impulsivity by low HCC. Stability of HCC across the twelve months period was analysed. Methods: The sample consisted of n=125 four-year-old children and their families (including n=64 children with elevated ADHD symptoms). Children were seen twice, i.e. at the age of four years and twelve months later, at the age of five years. ADHD symptoms were assessed by a structured clinical interview with the mother and by parent and teacher-report questionnaires. For determination of long-term cortisol exposure, three centimetre of hair (indicating the concentration across a three months period) were used. Comorbid oppositional symptoms were assessed by questionnaires. The research for this thesis was funded by a grant from the German Research Foundation (DFG, Be2573/3-1,2) to Prof. Dr. Katja Becker and Prof. Dr. Ursula Pauli-Pott. Results: The HCC was stable between four and five years. After controlling for maternal education level, gender of the child, ADHD symptoms at the age of four, comorbid oppositional symptoms and hair washing frequency, low HCC predicted an increase in ADHD symptoms across twelve months between the age of four and five years. HCC did not predict the development of inattentive symptoms between the age of four and five years but significantly predicted an increase in the hyperactive-impulsive symptoms. Conclusions: Low HCC might indicate a neurobiological deviation before the phenotypic complex behavioral ADHD symptoms increasingly emerge. A low HCC might be regarded as a biomarker and an early predictor of ADHD-symptom development.


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