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Titel:Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz. Ein didaktisches Konzept für den Wirtschaftsdeutschunterricht in China am Beispiel des Einsatzes von Lernvideos
Autor:Yang, Yuan
Weitere Beteiligte: Albert, Ruth (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr:2019
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2019/0237
DOI: https://doi.org/10.17192/z2019.0237
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2019-02378
DDC:830 Deutsche Literatur
Titel(trans.):Development of intercultural competence. A didactic concept for the Business German Course in China using videos as example

Dokument

Schlagwörter:
Wirtschaftsdeutschunterricht, China, videos, Interkulturelle Handlungskompetenz, intercultural competence, China, Lernvideo, Business German Course

Zusammenfassung:
Im Rahmen der DaF-Ausbildung in China ist in den letzten Jahrzehnten eine sehr günstige Entwicklung für das Fach Wirtschaftsdeutsch zu bemerken. Zu beobachten im Rahmen dieser Entwicklung ist die Neu- bzw. Umorientierung von germanistisch ausgerichteten Studiengängen mit Schwerpunkten in den Bereichen Literatur und Linguistik hin zu stärker praxisorientierten und am späteren beruflichen Alltag der Mehrheit der Studierenden orientierten Studieninhalten. Diese Erweiterung des Unterrichtsinhalts führt dazu, dass die Landeskunde der deutschsprachigen Länder, die interkulturelle Kommunikation und der Fachsprachenunterricht, insbesondere Wirtschaftsdeutsch zunehmend in den Vordergrund rücken. Um die Ausbildungsqualität zu verbessern, stützen viele chinesische Lehrkräfte und Germanistikabteilungen sich auf in Deutschland konzipierte Lehrmaterialien sowie auf didaktisch-methodische Überlegungen und Ansätze, die in Deutschland entwickelt wurden und werden. Die bereits vorhandenen Konzepte und Ansätze sind ganz auf die chinesische Zielgruppe hin zugeschnitten, aber die entsprechenden Materialien fehlen. Vor diesem Hintergrund wurden im universitären Kontext viele theoretische und praxisbezogene Überlegungen zum Fachgebiet Wirtschaftsdeutsch in China angestellt und als Folge wurde eine Reihe methodischer und didaktischer Vorschläge entwickelt, in denen die Entwicklung berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen als ein Leitziel in der wirtschaftsbezogenen DaF-Ausbildung an chinesischen Universitäten angesehen wird. Eine ausführliche Analyse der aktuell gegebenen Rahmenbedingungen eines germanistischen Studiengangs mit hohen berufsvorbereitenden Anteilen und der zielgruppenspezifisch neu entwickelten Unterrichtskonzepte bildet die Grundlage für das Erstellen des vorliegenden praxisorientierten Modells „Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz am Beispiel des Einsatzes von Lernvideos“. Dahinter steht die Überlegung, dass ein didaktisches Konzept nicht nur in der Theorie überzeugend sein soll, sondern sich auch in der Praxis bewähren muss. Die wichtigen Rahmenbedingungen sind also bereits gegeben, Curricula werden überdacht bzw. erweitert und praxisnahe Unterrichtsmodelle werden entwickelt, nun müssen noch zielgruppenspezifische Lehrwerke erstellt werden. Aus diesem Grund ist in der vorliegenden Arbeit Teil angeschlossen, in dem es um konkretes Lehrmaterial geht. In diesem Teil wird am Beispiel eines Unterrichtsmodells mittels Einsatz von dem selbst produzierten Lernvideo „Das Unternehmen MI plant einen Messeauftritt“ beleuchtet, wie dieses entsprechend dem zuvor entwickelten Konzept zu gestalten ist und wie es im Unterricht eingesetzt werden kann, um die nach den in letzter Zeit in den Curriculumsdiskussionen in China gewünschte „interkulturelle Handlungskompetenz“ zu fördern. Dazu ist zu bemerken, dass in den Vorschlägen für die Curriculumsgestaltung sehr hohe Ziele anvisiert werden, u.a. sollen – wie von mir in den Anfangskapiteln referiert – Empathiefähigkeit, Ambiguitätstoleranz und Bereitschaft zu Perspektivenübernahme erreicht werden. Einschränkend ist dazu zu sagen, dass nicht jeder Studierende die avisierten Lernziele im Bereich der Persönlichkeitsmerkmale so einfach durch Sprachunterricht und Informationen über die fremde Kultur erreichen können wird. Man sollte auf jeden Fall bedenken, dass Sprach- und Landeskundeunterricht nicht Psychotherapie sind und dass es Grenzen dafür gibt, was man im Sprachenunterricht oder Landeskundeunterricht an Persönlichkeitsmerkmalen ändern kann. Auch möchte ich auf die spezifischen Schwierigkeiten eingehen, die man mit in Europa propagierten Sprachlehrmethoden in China hat. In diesem Zusammenhang weise ich z.B. auf die verbreitete Scheu von Chinesen hin, sich vor der Gruppe zu produzieren. Das macht Rollenspiele und Präsentationen gewöhnungsbedürftig. Da m.E. aber keine anderen Möglichkeiten bestehen, die später im Beruf zu bestehenden Kommunikations- und Arbeitssituationen in der Ausbildung in einem geschützten Raum vorzubereiten, wird der Einsatz von Rollenspielen und Präsentationen nicht zu vermeiden sein. Es wäre aber zu bedenken, wie mit entsprechenden didaktischen Konzeptionen die Lernenden behutsam an solche für sie zunächst eher unangenehmen Anforderungen im Unterricht herangeführt werden können. Zum Schluss sei mir erlaubt, einen – eigentlich geheimen – Wunsch zu äußern. Es ist meine größte Erwartung und Hoffnung, dass das in der vorliegenden Studie erarbeitete didaktische Modell und das erstellte Lernvideo in der Lehrpraxis des Wirtschaftsdeutschen an chinesischen Hochschulen und Universitäten erprobt und reflektiert wird und dass mithilfe von den bei der Durchführung des Konzeptes gesammelten Anmerkungen und Feedbacks eine Reihe von Lernvideos und auch ein zielgruppenspezifisches Lehrwerk für Wirtschaftsdeutsch in China produziert werden können.

Summary:
In recent decades, we notice a promising development of Business German as part of the DaF training in China. In this progress, we can observe a reorientation of German-oriented study programs from literature and linguistics-focused towards practice and profession-oriented. Such focus change has led to a growing emphasis on the study of German-speaking countries' culture, intercultural communication, and the teaching of professional languages, in particular, Business German. To ensure the quality of German language education, many Chinese teachers and German departments rely on teaching materials and didactic methodology designed in Germany. Although the methods and approaches are tailored for the Chinese target group, the corresponding teaching materials are missing. In such a situation, universities in China have been making many both theoretical and practice-oriented reflections on Business German teaching. As a result, they have made several methodological and didactic proposals. One of these proposals is regarding the development of occupation-relevant essential skills as a leading goal in business-related DaF training at universities in China. Based on a detailed analysis of the current German teaching program frameworks, I present a practice-oriented model--"Learn intercultural communication with educational video examples." This newly developed teaching concept targets advanced pre-vocational students. Behind this is the idea that a didactic concept should not only be convincing in theory but must also prove itself in practice. Under the existing framework, I reconsidered and expanded the curricula and developed practical teaching models, and will create target-group-specific textbooks. I made an example video titled "The company MI is planning a fair appearance" to illustrate the idea of this teaching model. I discuss how to employ the teaching concepts when producing the video and how to use it for in-class discussions in China to develop students' "intercultural skills." This curriculum design proposal introduces three goals, described the in opening chapters, which are empathy, unambiguity, and an open mind. Not every student would indeed be able to achieve the intended learning goals, given various personality traits. In any case, one should keep in mind that language and cultural lessons are not psychotherapy and that there are limits to what you can change in language teaching or customize concerning personality traits. I would also like to share my own experience that I had difficulty in teaching in Europe. I had to conquer the stage fear as a Chinese to present in front of a group. I had to practice role-playing and presentations. However, there are no other ways to prepare for vocational communication and professional work environment. It can be considered, however, how to ease students into such initially unpleasant requirements in the classroom, with well-designed didactic methodology. Finally, deep in my mind, I hope that this didactic model and learning video developed in this study will be experimented and reflected in Business German teaching at universities and colleges in China. With the help of the received comments and feedback, I hope to produce a series of educational videos and write a textbook for business German targeting the specific student group in China.


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