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Titel:Einfluss des Medienkonsums auf die Bereitschaft von jungen Erwachsenen für zahnmedizinisch ästhetische Eingriffe am Beispiel der Zahnaufhellung
Autor:Werdin, Charlotte
Weitere Beteiligte: Frankenberger, Roland (Prof. Dr.)
Erscheinungsjahr:2018
URI:http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2019/0008
DOI: https://doi.org/10.17192/z2019.0008
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2019-00089
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Impact of media consumption habits on young adults in Germany to utilize professional or cosmetic tooth bleaching

Dokument

Schlagwörter:
Medieneinfluss, Medien, ästhetische Zahnheilkunde, Zahnaufhellung, Medien, impact, influence, cosmetic denistry ,tooth whitening, Zahnaufhellung, media, Medieneinfluss, bleaching, ästhetische Zahnheilkunde

Zusammenfassung:
Dem Streben nach physischer Attraktivität, die eine Vielzahl von sozialen Vorteilen im gesellschaftlichen Zusammenleben mit sich bringt, liegt ein evolutionsbiologisches Schema zu Grunde. Die Ausprägung des dabei verfolgten Ideals richtet sich neben einigen allgemeingültigen Merkmalen, wie `Symmetrie´, `Durchschnittlichkeit´ und `sexueller Dimorphismus´ nach dem jeweiligen zeitlichen, regionalen und kulturellen Kontext. Das westliche Ideal von körperlicher Schönheit beinhaltet heute so unterschiedliche Aspekte wie z.B. weibliche Schlankheit, männliche Muskelkraft, gebräunte Haut, wohlproportionierte Gesichtszüge und unter anderem eben auch ein ansprechendes Zahnbild mit makellos weißen Zähnen. Da der Einfluss des Medienkonsums beispielsweise auf die Berufswahl, das Essverhalten, die Sexualität oder die Bereitschaft zur Anwendung körperlicher Gewalt als empirisch gesichert gilt, wird in dieser Arbeit als Grundthese angenommen, dass auch die Einstellungen zur physischen Attraktivität des individuellen Zahnbildes durch die mediale Vermittlung entsprechender Inhalte beeinflusst wird. Diese Annahme wird durch eine Studie aus Neuseeland gestützt, die zeigt, dass in Zahnarztpraxen nach dem Erscheinen einer Show, in der es um die Herstellung eines möglichst attraktiven Äußeren geht (`extreme makeover´) eine erhöhte Nachfrage nach ästhetischen Zahnbehandlungen beobachtet werden konnte. Mit der vorliegenden Arbeit soll in Erfahrung gebracht werden, ob statistisch signifikante Zusammenhänge des Medienkonsums auf die Bereitschaft von jungen Erwachsenen erkennbar sind, eine professionelle oder kosmetische Zahnaufhellung in Anspruch zu nehmen. Die Datenerhebung erfolgte über einen Zeitraum von vier Monaten und richtete sich an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Dazu wurde ein Online-Fragebogen erstellt. Es konnte eine Stichprobe von 255 Fällen genommen werden. Mit zielbezogen formulierten Fragen und eingebauten Filtern wurden den Probanden Fragen und Aufgaben zu den drei großen Themenkomplexen `Medien´, `Schönheit´ und `Zahnästhetik´ gestellt. Zudem wurde durch eine Randomisierung ein Methodenexperiment in die Umfrage eingebaut. Mit Hilfe des Programms SPSS 22 wurde der Datensatz anschließend analysiert (einfache und multiple lineare Regressionsanalysen, Chi-Quadrat-Test, T-Test), um zuvor aufgestellte Unterhypothesen zur Klärung folgender Forschungsfrage zu überprüfen: Hat die Art des Medienkonsums Einfluss auf die Bereitschaft 18 bis 25-jähriger Personen, eine Zahnaufhellung vornehmen zu lassen? Die Ergebnisse der einfachen und multiplen linearen Regressionsanalyse waren geschlechtsspezifisch verschieden. Sie werden im Folgenden unter Angabe der Signifikanz (p), des Determinationskoeffizienten (r²), des Regressionskoeffizienten (b) und an entsprechender Stelle mit dem standardisierten Regressionskoeffizienten (beta) aufgelistet. Als Ergebnisse der Untersuchung des Datensatzes anhand einer einfachen linearen Regressionsanalyse konnten bei den Frauen statistisch signifikante Effekte für die Bereitschaft zur professionellen Zahnaufhellung hinsichtlich des Konsums von Schönheits-Castingshows im Fernsehen (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,27), des Ansehens von `beautyblogs´ auf `YouTube´ (p= 0,00; r²= 0,28; b= 0,57) und des Teilens von Eigenportraits in den sozialen Netzwerken (p= 0,04; r²= 0,03; b= 0,26) festgestellt werden. Statistisch signifikante Effekte auf die Anzahl der verwendeten kosmetischen Produkte zur Zahnaufhellung zeigten sich bei den Frauen für folgende Medienformate als unabhängige Variable: amerikanische Filme und Serien (p= 0,02; r²= 0,03; b= 0,24), `makeover´-Sendungen (p= 0,00; r²= 0,06; b= 0,36), Castingshows (p= 0,00; r²= 0,07; b= 0,36), Kochsendungen (p= 0,00; r²= 0,04, b= 0,29), Frauenmagazinen (p= 0,00; r²= 0,10; b=0,41), Modezeitschriften (p= 0,02; r²= 0,04; b= 0,29), People- und Lifestylemagazinen (p=0,00; r²= 0,08; b= 0,36), `beautyblogs´ auf `YouTube´ (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,51), das Teilen von Eigenportraits (p= 0,04; r²= 0,02; b= 0,20) und das Betrachten von Profilseiten bekannter Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken (p= 0,04; r²= 0,02; b= 0,17). Bei den männlichen Probanden konnten statistisch signifikante Effekte hinsichtlich der Bereitschaft für eine professionelle Zahnaufhellung durch den Konsum von amerikanischen Filmen und Serien (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,31), `makeover´-Sendungen (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,40), `beautyblogs´ auf `YouTube´ (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,64) und dem Teilen von Eigenportraits in sozialen Netzwerken (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,31) festgestellt werden. Für die Anzahl der verwendeten kosmetischen Mittel als abhängige Variable zeigten sich statistisch signifikante Ergebnisse durch den Konsum von amerikanischen Filmen und Serien (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,21), Schönheits-Castingshows (p= 0,01; r²= 0,15; b= 0,48), `beautyblogs´ auf `YouTube´ (p= 0,04; r²= 0,04; b= 0,25), sowie ein negativer statistisch signifikanter Effekt von Dokumentarfilmen (p= 0,00; r²= 0,10; b= -0,30). Die Auswertung der multiplen linearen Regressionsanalyse bestätigt die Ergebnisse der einfachen linearen Regressionsanalyse. Durch eine Faktorenanalyse wurden hoch korrelierende Variablen zunächst zu einzelnen Faktoren zusammengefasst und diese dann der multiplen Regression unterzogen. Es zeigte sich für beide Geschlechter, dass diejenigen Fernsehformate und Internetinhalte, bei denen physische Attraktivität eine Rolle spielt, positive Effekte auf die Bereitschaft für eine professionelle Zahnaufhellung haben (p= 0,01 (beide); beta= 0,23 (Frauen); beta= 0,28 (Männer)). Statistisch signifikante Effekte auf die Anzahl der verwendeten kosmetischen Produkte ließen sich nur bei den weiblichen Probanden auf eben diesen Faktor (p= 0,00; beta= 0,29) und für Printmedien mit Schönheitsdiskurs (p= 0,00; beta= 0,32) nachweisen. Andere unabhängige Variablen (z.B. Schulabschluss, Wohnort, Erfahrungen im Umgang mit Zähnen und Zahnärzten in der Kindheit) sowie das Methodenexperiment zeigten keine statistisch signifikanten Effekte. In der Gesamtschau der vorliegenden Ergebnisse kann gesagt werden, dass die quantitative Studie tatsächlich statistisch signifikante Zusammenhänge (p ≤ 0,05), und hier insbesondere bei den weiblichen Probanden ermitteln konnte. Es ist somit als wahrscheinlich anzunehmen, dass bestimmte Medienbeiträge, die das Thema körperliche Attraktivität zum Inhalt haben, Einfluss auf die Bereitschaft 18 bis 25-jähriger Menschen nehmen, eine Zahnaufhellung vornehmen zu lassen. Da es sich bei der Datenerhebung jedoch nicht um eine strikte Zufallsstichprobe handelte, können die Ergebnisse keine oder nur geringe Repräsentativität beanspruchen. Zudem konnten dadurch, dass die Probanden selbst entscheiden, welche Medien sie konsumieren, zwar Zusammenhänge aufgezeigt, Kausalitäten jedoch nicht direkt geprüft werden. Die Bedeutung der bestätigenden Ergebnisse auf die Forschungsfrage soll daher vorrangig in ihrem Wert als Beitrag zu einer Hypothesenbildung für mögliche weitergehende Untersuchungen mit einer dann erweiterten Stichprobe zu sehen sein.

Summary:
The universal pursuit of physical attractiveness can be regarded as an evolutionary construct and, when achieved, results in social advantages. Apart from some culturally universal characteristics such as symmetry, average, and sexual dimorphism, the ideal of beauty differs according to contemporary and cultural history. Broadly speaking, the prevalent ideal of physical attractiveness in Western cultures maintains female slimness, masculine muscularity, immaculate tanned skin and white teeth. Many impacts of media consumptions patterns on people’s tendencies to resort to violence, eating habits, and sexuality have already been empirically proven. Based on this fact, the question can be asked whether a similar influence is exerted on people’s conceptions of physical attractiveness, resulting in a growing pressure to comply with this ideal. This hypothesis is corroborated by the results of a recent study conducted in New Zealand, which shows that dentists noticed an increase in demand for aesthetical dental treatments after the broadcasting of the show `extreme makeover´. The aim of the present study is to analyze whether media consumption habits are influencing young adults in Germany to utilize professional or cosmetic tooth bleaching. For the duration of four months, an online survey was conducted with a sample of 255 young adults, aged between 18 and 25. The participants responded to questions about their habitual media consumption, their attitude towards physical attractiveness in general, and cosmetic dentistry. Using SPSS 22 the data set was analyzed (by simple and multiple linear regressions, t-test and chi-squared test) to test and to evaluate several further hypotheses to answer the following research question: Does the type of media consumption of young adults between 18 and 25 years have an impact on their tendency to use tooth whitening? In the analysis, specific media consumption was set as the independent variable. The dependent variables comprised the respondents’ willingness to have their teeth professionally bleached and the number of regularly used cosmetic teeth whitening products. In addition, a methodological experiment, using randomization was conducted and integrated in the survey. This was meant to directly test the theory on which the research question is based. The results of the simple and multiple linear regressions differed according to the gender of the respondent and are listed below under specification of significance (p), coefficient of determination (r²) regression coefficient (b) and standardized beta coefficient (beta). Analyzing the data set by simple linear regressions, statistically significant effects for women’s willingness to bleach their teeth professionally can be detected from the consumption of `beauty-castingshows´ on TV (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,27) and of `beautyblogs´ on `YouTube´ (p= 0,00; r²= 0,28; b= 0,57). Additionally, there was a proven impact resulting from the habit of sharing `selfies´ on social media sites (p= 0,04; r²= 0,03; b= 0,26). Statistically significant effects on the number of cosmetic teeth whitening products being used can be derived from the consumption of various TV-shows, like `american movies or series´ (p= 0,02; r²= 0,03; b= 0,24), `makeover´-shows (p= 0,00; r²= 0,06; b= 0,36), `casting-shows´ in general (p= 0,00; r²= 0,07; b= 0,36) and `cooking-shows´ (p= 0,00; r²= 0,04, b= 0,29). Moreover, effects could be identified resulting from the consumption of women`s magazines (p= 0,00; r²= 0,10; b=0,41), fashion magazines (p= 0,02; r²=0,04; b= 0,29) and people- and lifestyle- magazines (p= 0,00; r²= 0,08; b= 0,36). Consuming `beautyblogs´ on `YouTube´ (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,51), displaying `selfies´ (p= 0,04; r²= 0,02; b= 0,20) and looking at profiles and pictures from famous people in social media (p= 0,04; r²= 0,02; b= 0,17) exhibited impacts as well. For men, statistically significant effects on the willingness to bleach teeth professionally can be derived from the consumption of `american movies or series´ (p= 0,03; r²= 0,05; b= 0,31) and `makeover´-shows (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,40) on TV. In addition, there was an impact identified from consuming `beautyblogs´ on `YouTube´ (p= 0,05; r²=0,04; b= 0,64) and sharing `selfies´ on social media (p=0,05; r²=0,04; b= 0,31). Statistically significant effects to the number of used cosmetic teeth whitening products can be derived from the consumption of `american movies and series´ (p= 0,05; r²= 0,04; b= 0,21), of `beauty-castingshows´ (p= 0,01; r²= 0,15; b= 0,48) and of `documentary films´ (p= 0,00; r²= 0,10; b= -0,30). Additionally, there was a proven effect from the consumption of `beautyblogs´ on `YouTube´ (p= 0,04; r²= 0,04; b= 0,25). The results of the multiple linear regressions confirm the results of the simple linear regressions outlined above. For meeting certain requirements of analyzing the data set by multiple regressions, a factor analysis was conducted to combine highly correlated variables to single factors. For both genders `factor 4´, which contains internet and TV consumption habits where physical attractiveness play an important role exhibited positive significant effects on the willingness to bleach teeth (p= 0,01 (both); beta= 0,23 (women); beta= 0,28 (men)). Statistically significant effects on the number of used cosmetic tooth whitening products can be detected only for women from `factor 4´ (p= 0,00; beta= 0,29) and from `factor 3´ (p= 0,00; beta= 0,32). `Factor 3´ contains print media with a discourse of beauty. Further independent variables (like education level, place of residence, infantile experiences with dentists and handling of dental care), as well as the methodological experiment exhibited no statistically significant results. Various statistically significant (p ≤ 0,05) effects could be found in the data analysis, showing that media consumption, especially regarding the kind of media where physical attractiveness plays an important role, does exert an influence on the respondents’ willingness to have their teeth professionally bleached and the number of cosmetic teeth whitening products being used. The results differ by gender; especially for women, many effects could be detected. Nevertheless, the results are not representative since the sample is not random or rated. The difficulty of the operationalization of pervasive, unconscious media-impact can be regarded as another limitation of validity. Additionally, it is not possible to verify causality. People who are generally interested in beauty might consume more media products portraying this subject and might also have a higher willingness to bleach teeth. Hence, this study reveals correlations but cannot put forth causal evidence. Finally, because of the lack of representativeness and causality it is concluded here that the results of the present study can only serve as a basis to develop further research questions and derive more concise hypotheses for further research and analysis.


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