Publikationsserver der Universitätsbibliothek Marburg

Titel:Evaluation eines interdisziplinären Präventionsprogramms zur Vermeidung der Frühkindlichen Karies bei Dormagener Kleinkindern
Autor:Schütz, Claudia
Weitere Beteiligte: Pieper, Klaus (Prof. Dr.)
Veröffentlicht:2018
URI:https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2018/0186
DOI: https://doi.org/10.17192/z2018.0186
URN: urn:nbn:de:hebis:04-z2018-01865
DDC: Medizin, Gesundheit
Titel(trans.):Evaluation of an interdisciplinary prevention program for avoiding Early Childhood Caries in young children in Dormagen
Publikationsdatum:2018-03-22
Lizenz:https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0

Dokument

Schlagwörter:
interdisciplinary, Early Childhood Caries, oral health behaviors, Gemeinsam gegen Karies, prevention, Mundgesundheit, Karies, Mundgesundheitsverhalten, S-ECC, ECC, Frühkindliche Karies, Zahngesundheit, Frühkindliche Karies, interdisziplinär, Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Zusammenfassung:
Evaluation eines interdisziplinären Präventionsprogramms zur Vermeidung der Frühkindlichen Karies bei Dormagener Kleinkindern Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre haben aufgezeigt, dass entgegen der Entwicklung bei den Schulkindern der Caries-decline im frühkindlichen Milchgebiss nur sehr geringe bis gar keine Fortschritte zeigt. Ein großer Anteil der gesamten Karieslast konzentriert sich hierbei auf eine kleine Gruppe von Kindern. Etablierte Prophylaxemaßnahmen wie z.B. die Individualprohylaxe und Vorsorgeuntersuchungen setzen bisher viel zu spät ein. Aufgrund ihrer Komm-Struktur sind sie darüber hinaus nicht effektiv genug, Kariesrisikogruppen zu erreichen. Mit dem hier vorstellten Pilotprojekt sollte daher evaluiert werden, ob durch wiederholte Informationsimpulse während der Schwangerschaft, nach der Geburt und in der frühen Kindheit Verhaltensänderungen bewirkt werden können, um der ECC-Entstehung entgegen zu wirken. Im Zentrum stand eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit von Gynäkologen, Hebammen, Kinderärzten, Zahnärzten sowie dem Gesundheits- und Jugendamt. Durch aufsuchende Elemente und niedrigschwellige Angebote sollte insbesondere die Risikogruppe der sozial schwachen Familien erreicht werden. Die vorliegende Studie wurde als „historischer Vergleich“ durchgeführt, bei dem die Zahngesundheit und das zahngesundheitsrelevante Verhalten 3-4-jähriger Kinder einer Kontrollgruppe (n= 661, Geburtszeitraum 06/2007-12/2008) vor Projektbeginn mit den Daten einer Prüfgruppe (n=706, Geburtszeitraum 03/2011-09/2012) nach Projektteilnahme verglichen wurde. Die Daten wurden im Rahmen zahnärztlicher Reihenuntersuchungen durch zwei kalibrierte Zahnärztinnen in Kindergärten nach dem ICDAS-collapsed erfasst. Zur Erhebung unabhängiger Variablen (Ernährungs- und Prophylaxeverhalten) wurde ein standardisierter Elternfragebogen ausgegeben. Hauptzielgrößen waren die Karieserfahrung (d3-6mft gemäß ICDAS) und die Kariesprävalenz. Zur Untersuchung der primären Hypothese, dass der d3-6mft-Index in der Prüfgruppe geringer ist als in der Vergleichsgruppe, wurde der Mann-Whitney-U-Test als nichtparametrischer Signifikanztest durchgeführt. Bei der Auswertung kategorialer Variablen wurden Kreuztabellen unter Anwendung des Exakten Tests nach Fisher verwendet. Die Auswertung der Befunddaten zeigte eine signifikant verbesserte Zahngesundheit in der Prüfgruppe: Bei den Kariesdaten nach ICDAS war der mittlere d3-6mf-t in der Prüfgruppe nur halb so hoch (0,46) wie in der Kontrollgruppe (0,92). Auch der Anteil der Kinder mit einer S-ECC war in der Prüfgruppe (7,9 %) nur ca. halb so hoch wie in der Kontrollgruppe (14,5 %). Die Kariesprävalenz zeigte sich in der Prüfgruppe mit 13,7 % im Vergleich zur Kontroll-gruppe mit 21,2 % ebenfalls deutlich verringert. Auch die Analyse der zahngesundheitsrelevanten Verhaltensparameter ergab signifikante Veränderungen: Im Vergleich zu der Kontrollgruppe bekamen weniger Kinder in der Prüfgruppe über den 8. Lebensmonat hinaus sowohl tagsüber als auch nachts die Nuckelflasche mit erosiven / kariogenen Getränken. Die Kinder in der Prüfgruppe begannen früher mit der Zahnpflege, putzten sich häufiger die Zähne vor dem Schlafengehen und wurden häufiger bereits im ersten Lebensjahr zum ersten Mal einem Zahnarzt vorgestellt. Nach einem Vergleich mit Nachbarkommunen kann festgestellt werden, dass der größte Teil des in der Projektregion beobachteten Kariesrückganges auf das neu eingeführte Präventionsprogramm zurückzuführen ist und nicht einem möglichen nationalen Trend des Kariesrückganges bei Kleinkindern entspricht. Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass durch eine Kombination aus Elementen mit einer niedrigschwelligen „Komm-Struktur“ und aufsuchender Betreuung eine Verbesserung des Zahnprophylaxeverhaltens bei Eltern von Kleinkindern und somit eine deutliche Verringerung der ECC und S-ECC erreicht werden kann. Das hier vorgestellte Präventionsprogramm stellt somit ein wirksames Konzept zur Eindämmung der ECC dar und kann damit als zukunftsweisend für andere Regionen angesehen werden.

Summary:
Evaluation of an interdisciplinary prevention program for avoiding Early Childhood Caries in young children in Dormagen Scientific investigations of the last years have shown that, in contrast to older children, there is only slight or no reduction of caries prevalence in primary dentition. Further-more, this type of caries only affects a small group of children. Already established preventive measures such as individual care and preventive dental examinations are initiated too late in a child’s life. Because the initiative of the family is required to take part in those programs (“Come-structure”), these measures provide low effectiveness on high-risk groups. The pilot project which was conducted in this study intended to evaluate if repeated information-units during pregnancy, after birth and in early childhood can influence behavior patterns to help prevent the onset of Early Childhood Caries (ECC). The program was focused on an interdisciplinary teamwork of gynaecologists, midwives, paediatricians, dentists and the youth welfare- and health- offices in the City of Dormagen. The focus of the project was to reach families with low socioeconomic status using home-visiting components and barrier-free offers. The study was conducted as a “historical comparison”. For this purpose, we compared the dental health and the dental health-related behavior of a group of 3-4 year old children born before the start of the project (between 06/2007 and 12/2008, n=661/control-group) to a group of 3-4 year old children (born between 03/2011 and 09/2012) who participated in the program (n=706/prevention-group). The dental-health-status was recorded by two dentists of the health-office in the kindergartens according to ICDAS-collapsed. In addition a standardized questionnaire was distributed to the parents to compensate for independent variables (nutrition and prophylaxis). The focus of the study was the evaluation of the caries experience (d3-6mf-t) and the caries prevalence. The Mann-Whitney-U-Test was used to assess our primary hypothesis, which dictates that the d3-6mft-Index should be lower in the prevention-group than in the control-group. The categorical variables for each test were evaluated by contingency tables using the respective test according to Fisher. The results showed a significant improvement of the dental health of the prevention-group: The mean d3-6mf-t in the prevention-group (0,46) was half of the control-group (0,92). Additionally, the proportion of children with S-ECC in the prevention-group (7,9 %) was half as high as in the control-group (14,5 %).The caries prevalence was clearly decreased from 21,2 % in the control-group to 13,7 % in the prevention-group. The questionnaire-evaluation showed significant changes in dental health related behavior: In comparison with the control-group, fewer children of the prevention-group got a feeding-bottle with cariogenic/erosive drinks during the day as well as at night beyond the age of 8 months. Prevention-group children started earlier with dental hygiene, brushed their teeth more often before sleeping and their first visit to the dentist occurred more commonly during their first year of life. After comparison with neighboring municipalities we can exclude that the results follow a general national trend. Rather, the comparison showed that the caries decline is a direct consequence of the introduced prevention program. The results of this study prove a clear reduction of ECC and S-ECC and an improvement of dental-health-related behavior due to the newly introduced interdisciplinary prevention program, which was based on home-visiting components and barrier-free offers. Therefore this program is an effective concept of collective measures to contain Early Childhood Caries and can be considered a model to be used in the future for other regions.


* Das Dokument ist im Internet frei zugänglich - Hinweise zu den Nutzungsrechten